Beiträge von yzemaze im Thema „Ferdinand Köther ist jetzt Redakteur bei Schwerkraft“

    Noch einmal zu Keyper:

    Dazu kommt, dass die Anleitung Mal wieder sprachlich mehr als Missverständlich, wenn nicht teilweise unvollständig ist. Und bei solchen Anleitungen brauch ich mittlerweile gar nicht mehr schauen wer es als "Übersetzer" war, das sehe ich schon allein an den Formulierungen und den Fehlern.

    Ich habe Einleitung und Setup-Seiten beider Sprachversionen der Anleitung/-Spielregeln/… (EN, DE) miteinander verglichen. Ich hatte die englische Anleitung vor ein paar Wochen bereits gelesen und habe versucht, unvoreingenommen und möglichst objektiv an die Sache heranzugehen.


    Auf den ersten drei Seiten habe ich nur einen wirklichen Fehler gefunden („need not“ wird zu „dürfen nicht“). Allerdings liest sich die deutsche Version oft sehr hölzern, da die Übersetzung großteils alles andere als frei vorgenommen wurde, sich meist stark am englischen Text entlanghangelt und die Breese’schen Satzungetüme leider fast immer übernimmt.


    Ein Beispiel aus der Einleitung:

    Keyper is unlike most other board games, in which a player has no more actions to take when they have used all of their

    pieces (keyples). In Keyper, once a player has played all of their keyples, they have lay-down opportunities and can start

    to lay-down those keyples that are then under their control, so that those keyples can work for a second time.

    wird zu

    Keyper ist anders als die meisten Brettspiele, bei denen die Spieler keine Aktionen mehr ausführen können, nachdem

    sie alle ihre Spielfiguren (Keyples) benutzt haben. Selbst wenn ein Spieler in Keyper alle seine Keyples eingesetzt hat,

    ergeben sich für ihn noch Gelegenheiten, Hinlegen-Aktionen mit ihnen auszuführen. D. h., er kann beginnen, die von ihm

    kontrollierten Keyples hinzulegen und sie so ein zweites Mal für sich arbeiten zu lassen.

    Die Chance auf sprachliche Glättung und inhaltliche Raffung wird hier leider ausgelassen. Man hätte den Absatz ja auch freier übersetzen können: „In Keyper können Spieler auch dann noch Aktionen durchführen, wenn sie ihre Spielfiguren (Keyples) bereits eingesetzt haben. Durch Hinlegen-Aktionen dürfen Keyples ein zweites Mal arbeiten.“

    Es ist eine Einleitung, da muss nicht jedes Detail enthalten sein.


    Ähnlich geht es auf den Setup-Seiten zu. Da werden die Materialien vorgestellt, u. a. die tiles (fair ~, home building ~, country building ~, boat ~, keyp ~). Zu Deutsch: Jahrmarktplättchen, Gutshof~, Landschaftsgebäude~, Schiff~ und Keyp~. [Ja, einmal mit „gebäude“ und einmal ohne und immerhin keine „Kacheln“ ;) ] Später kann man dann zu den „spring country tiles“ bzw. „Landschaftsgebäudeplättchen“ lesen:

    Place the spring country tiles (as identified by a [spring] icon) into the cloth bag. Shake the bag, draw 8 of these tiles and then place them in two rows next to the country boards with the side showing the build cost face up. Place the bag with the remaining tiles in easy reach for later use.

    Die Landschaftsgebäudeplättchen des Frühjahrs, ab jetzt einfach Landschaftsplättchen genannt (durch das [Frühjahr] Symbol gekennzeichnet), kommen in den Beutel. Die Plättchen werden im Beutel gut gemischt, dann werden 8 Stück daraus gezogen und in zwei Reihen so neben die Landschaftstafeln gelegt, dass die Seite mit den Baukosten sichtbar ist. Der Beutel mit den restlichen Plättchen wird in bequemer Reichweite für alle Spieler bereitgehalten.

    Tolle Sache. Es hätte so einfach sein können. Bei den Gutshofplättchen hat’s ja auch geklappt, das überflüssige „gebäude“ direkt bei der Materialübersicht wegzulassen. Wobei nein, später ist zu lesen: „12 Gutshofgebäudeplättchen (ab jetzt einfach Gutshofplättchen genannt) …" Argh.

    Davon ab ist auch dieser Absatz wieder wesentlich länger als nötig und obendrein garniert mit einem überflüssigen „bequemer“ … Ja, in EN steht’s auch so. Aber braucht’s das wirklich?


    tl;dr Ich kann HDScurox’ Frust verstehen. Meinem Verständnis nach ist eine gute Übersetzung und Spielanleitung auch etwas anderes. Nach den drei Seiten habe ich den Vergleich vorzeitig beendet …

    Wohlgemerkt: Die englische Anleitung ist auch kein leuchtendes Beispiel und wer letzten Endes für was verantwortlich war, weiß ich auch nicht.

    Es war die Übersetzung für die Erstausgabe von 2002 bzw. deren Überarbeitung für die 2nd edition 2004, in der „Kacheln“ als Begriff für Hexfelder (EN: tiles) genutzt wurde. Ich habe sie im Archiv, falls jemand Interesse daran haben sollte, eine Quelle im Netz kann ich ad hoc nicht finden.

    Bemerkenswert ist die Anmerkung von FK am Ende der Regel:


    Thygra

    Wenn du etwas übersetzt/lektoriert hast, dann wohl am ehesten die 2008er Ausgabe von EGG. Weitere Versionen von Age of Steam mit deutscher Anleitung sind mir jedenfalls nicht bekannt. Edit: Passt. In den revised rules von EGG steht "Rules Editing by Thygra Board Game Agency".
    [Und Steam war’s nicht. Da waren laut Anleitung Henning Kröpke und Ulrich [sic!] Blennemann für die deutsche Version von Phalanx verantwortlich, was mir auch schlüssig erscheint.]

    Der Schwerkraft Verlag bringt dieses Jahr die Übersetzung von Gloom of Kilforth. Anscheinend sollte ich dann doch besser zur englischen Version greifen.

    Nicht zwangsläufig. Vorher mal in die deutsche Regelübersetzung zu schauen, könnte aber nicht schaden. Oh wait ;)

    Ernsthaft: Ich kann mir kaum vorstellen, dass FK zukünftig sämtliche Projekte von Schwerkraft übersetzen wird. Und selbst wenn, ist damit noch lange nicht gesagt, dass sich die bekannten Probleme wieder zeigen werden. (Wie hoch die Wahrscheinlichkeit dafür anzusiedeln ist, möge jeder selbst entscheiden.)

    Der Anspruch an die eigene Arbeit kann also nicht all zu hoch angesetzt sein.

    Über den Anspruch an sich selbst mag ich nicht richten, aber von seinem Schaffen überzeugt ist er wohl allemal. In A few acres - Lücke in dt. Regel! hatte ich’s schon zitiert, aber weil’s so gut ist, hier noch mal:

    […] Ich habe sie nicht gezählt, es sind Hunderte und eine Auflistung wird demnächst hier erscheinen. [1] Diese reichliche Erfahrung und Beschäftigung mit Spielregeln verleitet mich zu der Aussage, dass ich der Regelexperte bin, Punkt.

    Ich sage ausdrücklich "Regeln schreiben" und nicht "übersetzen" - denn das ist ein Unterschied. Es gibt von professionellen Übersetzern oder Übersetzungsbüros erstellte Regeln, die so grausam sind, dass das Spiel kaum oder gar nicht spielbar ist. Und diese Leute verstehen ihr Handwerk im Prinzip sicherlich ausgezeichnet - aber sie haben keine Ahnung von Spielen und können deshalb auch keine Regeln verfassen. Das ist so einfach wie es schwer ist, gute Regeln zu schreiben - dazu gehört außer einem gewissen Grundtalent Erfahrung, Erfahrung und Erfahrung ... und der Spaß an Spielen.

    Mein Brötchenerwerb ist ein anderer, aber ich erstelle absolut professionelle Spielregeln […]

    [Fettungen von mir]

    Wohlgemerkt: den mittleren Abschnitt unterschreibe ich voll und ganz. Gute Übersetzungen sind schwer genug, Fachtexte - und dazu gehören Spielanleitungen nunmal - zu übersetzen, ist im Regelfall noch schwieriger.

    [1] Die Liste konnte ich i. ü. immer noch nicht finden …


    Bzgl. Keyper: Das Problem ist hier allerdings auch im Originaltext von Richard Breese zu suchen. Vor Kreativität strotzen seine Gebäudebeschreibungen wahrlich nicht und bei jedem Umwandlungsplättchen findet sich ein "converts n x into m y". Dass diese Beschreibungen dann 1:1 ins Deutsche übernommen worden sind, kann man natürlich dem Übersetzer und der verantwortlichen Redaktion anlasten. Allerdings wird das Ganze sowohl von RB als auch von FK/Redaktion Absicht gewesen sein, um die Ähnlichkeiten zwischen den Gebäuden deutlich zu machen. Die Anleitung ist da eindeutig auf der technischen Seite zu verorten …


    Die Qualität eines guten Regelschreibers kann sich auf der anderen Seite aber auch gerade bei einer Übersetzung zeigen. Man nehme dafür nur mal diverse von Pegasus lokalisierte Spiele in die Hand und vergleiche deren Regeln mit dem Original. Prominentestes Beispiel: Robinson Crusoe. Da merkt man, dass das Spiel einige Male gespielt wurde und diverse Erfahrungen eingeflossen sind. Das ist für eine multilinguale Erstauflage schlicht und ergreifend schwer(er) umzusetzen, aber nicht unmöglich, wenn man dem Übersetzer einen Prototyp o. ä. bereitstellt und seine Zeit anständig vergütet … (s. o.)

    Und ich behaupte immer noch, dass die Verlage 50% der Übersetzungsfehler ausmerzen könnten, wenn sie die Spiele den Übersetzern mal vorlegen und sie erstmal spielen lassen würden.

    Exakt. Das ist natürlich die Basis. Wenn die fehlt, trägt den Verlag immer die Hauptschuld.

    Bzgl. Änderungen am Originaldokument:

    Als kleine Verteidigung sei aus eigener Erfahrung allerdings angemerkt, dass einen Übersetzer für fehlende oder gar falsche Passagen oftmals gar keine Schuld trifft, weil gerne mal das Originaldokument geändert wird ohne die entsprechende Revision weiter zu reichen bzw. nachträglich noch Änderungen am übersetzten Text von anderen Personen vorgenommen werden. Mein Lieblingsbeispiel dazu aus "On the Underground" (JKLM):
    Aus "The Underground Map, copyright Transport for London and adapted with their kind permission" wird "Das Unterirdische Diagramm, sichern Sie den Transport für London und mit ihrer freundlichen Erlaubnis angepaßt Urheberrecht".
    Eben jene deutsche Regel (-übersetzung) stammt aus FKs Feder, das obige Zitat vermutlich eher nicht


    So sollte der Term "Tile" im Regelheft durchgehend als "Kachel" übersetzt worden sein...

    Müsste Age of Steam gewesen sein. Soll ich nachgucken? ;)

    Jim

    Jau. :) Die Konsequenzen der Aussagen hier dürften sehr überschaubar sein. Carsten Reuter wird schon wissen, auf was er sich einlässt, und die Kritik einiger Vielspieler dürfte ihn überhaupt nicht interessieren. Nicht alles, was im Netz steht, muss als Handlungsbasis taugen und wer weiß schon, was die Alternativen gewesen wären.


    Ich hatte Ferdinand Köther (FK) vor 6 Jahren sogar mal (teilweise) in Schutz genommen, aber im gleichen Atemzug auch meines Erachtens berechtigte Kritik geäußert. Das dort zitierte gilt i. ü. immer noch, da er diese Seite bis heute nicht überarbeitet hat. Aus den 15 Jahren sind in der Zwischenzeit also mindestens 20 geworden. 20 Jahre allerdings, in denen er einige gebrannte Kinder hinterlassen haben dürfte, weil irgendein Punkt in einer seiner Übersetzungen (100e müssten es sein) falsch, gar nicht oder eben irreführend übersetzt wurde. Ja, er wird nicht immer schuld gewesen sein, aber manchmal eben doch. Das prägt sich halt ein, spätestens wenn es wiederholt vorkommt und insbesondere wenn es einen kritischen Punkt betraf und davon gibt’s bei Spielen viele. Schließlich kann schon ein falsches Wort reichen. Irgendwann hat man dann keine Lust mehr, sich auf das „Abenteuer“ einzulassen.

    Dass es sich nur um „Einzelmeinungen“ handeln soll, ließe sich relativ leicht widerlegen. Beispiele sollte man in allen deutschsprachigen Spieleforen zur Genüge finden können. Dass nicht jeder darüber schreibt und entsprechende Fehler auch nicht jedem auffallen, sollte aber ebenso auf der Hand liegen. Spielfehler bemerkt man ja oft erst mit anderen Mitspielern, beim Forenstudium, dem Vergleich mit den Regeln in anderen Sprache oder der Umsetzung in einer App.


    Nüchtern betrachtet, ist es einfach nur logisch, dass bei einem derartigen (bis dato nebenberuflichen?) Output auch Fehler passieren, die dem ein oder anderen dann halt negativ auffallen und in Erinnerung bleiben. Übersetzer Y mit 1-3 Spielen im Jahr wird sich selbst bei Fehlern kaum ins Gedächtnis einbrennen …


    Mal sehen, was FK so in Zukunft für Schwerkraft umsetzen darf und ob er die Übersetzungen dann weiterhin selbst übernimmt.


    OT: Die grundlegenden Probleme sind imho: Zu wenig Geld für gute Übersetzungen und zu wenige Leute, die es wirklich können. Für Letzteres muss man zwei Sprachen wirklich gut beherrschen, didaktisch fit sein und sich im Spielebereich auskennen. Diese Qualitäten dürften dann doch eher selten in einer Person zusammentreffen. Aber das ist ein Thema für einen anderen Thread ;)

    Nur weil man nicht laut in Foren jammert, heißt das noch lange nicht, dass man zufrieden ist.

    Selbstverständlich. Das „durchaus“ lasse ich mir ankreiden und habe es vorhin bereits korrigiert. Aber dass ausgerechnet du hier nicht laut über deine Probleme mit Schwerkraft bzw. deren Geschäftsgebahren und Produkten gejammert haben willst, überrascht mich dann doch ;) Oder wolltest du deine Stimme nur für die unzufriedene, aber schweigende Masse erheben?

    Zu F. K. habe ich allein hier schon genug gelästert, wir sitzen also im selben Boot :)

    @HDScurox

    Freu dich doch. Was wäre das Rezensentendasein ohne Spiele bzw. Anleitungen, über die man sich aufregen kann? ;)


    Schwerkraft (Carsten Reuter) wird mit der Arbeit von F. K. zufrieden gewesen sein, scheint zu wachsen und weiter wachsen zu wollen. Der Schritt an sich ist also ein durchaus positives Zeichen, denn die Lokalisierungen stoßen hier ja durchaus bei einigen auf Anklang. Es bleibt zu hoffen, dass die Übersetzungsqualität durch geeignete Maßnahmen gesteigert wird. Bei den meisten Anleitungen von F. K. hätte ein guter Korrekturleser mit Kenntnis der Originalregeln ja durchaus gereicht. Mal sehen, ob Schwerkraft das in dieser Konstellation gewährleisten kann oder andere Wege findet.


    [Wenn das naiv klingen sollte, packt es unter „Advocatus Diaboli“. Macht ja sonst keiner ;) ]