1 Warum?
1.1 Schutz
Mit Kartenhüllen schützt man Karten vor Beschädigungen durch Nutzung oder durch umgekippte Getränke... Etwa für Karten, bei denen geübte Spieler sonst an den Rückseiten einschätzen können, um welche Karten es sich handelt. Auch nützlich sind sie für selbstgedruckte Karten oder um ausgedruckte Kartenübersetzungen in der Hülle vor die Originalkarten zu stecken.
1.2 Mischen
Auch das Mischen von Kartenstapeln vereinfacht sich, da durch die glatte Oberfläche die Stapel einfacher ineinander geschoben werden können.
Es gibt auch Kartenspielturniere, die einseitig gefärbte / undurchsichtige Kartenhüllen verlangen, um zu vermeiden, dass Spieler ihre mitgebrachten Karten anhand der Rückseiten erkennen können.
2 Welche für mich?
Es gibt eine Vielzahl an Herstellern von Kartenhüllen für fast alle üblichen und auch weniger üblichen Kartengrößen und Materialstärken. Je nach Hersteller und Charge zwischen 40 - 100 Mikrometer (µm, micron) stark. Manche Hersteller bieten auch zwei verschiedene Ausführungen an. Gegebenenfalls sollte man verschiedene Hersteller testen. Einige Hüllenformate können auch schwankende tatsächliche Maße haben.
Manche Verlage (z. B. Fantasy Flight Games) geben auf der Box eines Spiels an, welche und wie viele (natürlich FFG-) Hüllen man benötigt. Den meisten anderen Spielen fehlt diese Information. Dann bleibt nur auszumessen oder viel einfacher, in der Geeklist Card Sleeve Sizes for Games bei Boardgamegeek nachzuschauen. Diese Liste enthält für relevante Spiele die Anzahl der Karten, sowie gegebenenfalls die Anzahl der Karten von Erweiterungen (im Eintrag des Grundspiels zusammengefasst) und passende Hüllengrößen diverser Hersteller. Die Farbcodierung in den Einträgen beziehen sich dabei auf die Farben, welche die Verpackungen der Hüllen haben. So werden etwa die Hüllen von Fantasy Flight Games in der Größe 57 x 89 mm² mit Grün codiert. Auch in den Kommentaren können Hinweise gefunden werden, wie gut die Hüllen passen.
Die umfangreichste Diskussion über verschiedenste Hersteller und deren Qualitäten verläuft in dem Thread "Wo kauft man Kartenhüllen".
2.1 Farb-Codierung von Fantasy Flight Games
- Gelb (41x63mm): "Mini American"
- Grün (57x89mm): "Standard American"
- Rot (44x68mm): "Mini European"
- Lila (59x92mm): "Standard European"
- Grau (63,5x88mm): "Standard" (z.B. LCG-Format)
- Blau (70x70mm): "Square"
- Orange (70x120mm): "Tarot"
2.2 Bezugsgröße der Maße
Bleibt noch zu bemerken, dass sich die Maße bei den FFG-Sleeves immer auf die Karten beziehen. Das Sleeve-Format bei "Standard" ist also etwas größer als das angegebene Format. Das macht es einfacher von einer Karte, die man in der Hand hält und zu Hause ausmessen kann, auf die passenden Sleeves zu schließen.
Andere Hersteller geben nur die Endformate der Sleeves selbst an.
3 Sleeves kürzen
( Kapitel ergänzt von Smuntz )
Das sollte im Normalfall nicht nötig sein, aber sollte es zu eng im Karton / Insert zugehen oder Karten nicht ganz den üblichen Maßen entsprechen, lassen sich Sleeves zumindest der Länge nach an ihrer offenen Seite zuschneiden. Schere oder Cutter und Lineal sind hierfür nur bedingt geeignet - ein perfekter Schnitt durch die dünnen Folien dürfte damit kaum möglich sein. Ich habe gute Ergebnisse mit einer Papierschneidemaschine erzielt ( https://www.amazon.de/gp/product/B07M8B5YM4?tag=wwwunknownsde-21 (Affiliate-Link) )
Idealerweise sleevt man die Karten bereits vor dem Kürzen, die Sleeves werden dadurch formstabiler beim Schneiden. Natürlich muss man aufpassen, nicht versehentlich die Karten zu schneiden. Hier erkennt man die unerwünschte Überlänge des Sleeves:
Am besten fertigt man mit einem kleinen Pappstreifen und Klebeband einen Anschlag an geeigneter Stelle. Hier im Bild habe ich ein weißes Reststück Foamboard verwendet. Das kleine Schneidmesser fährt nachher durch die dunkle Fuge, die rechts vom oberen Rand der Karte sichtbar ist. Ein kleiner Überstand des Sleeves über den Rand der Karte hinaus ist durchaus erwünscht.
Schnittführung umklappen. Dabei darauf achten, dass das Schnittmesser (graues Teil) vor dem Sleeve ist. Der Schnitt soll gegen die Kante geführt werden, an der das Sleeve anliegt, also im Bild von unten nach oben. Würde man in die andere Richtung schneiden, ist die Gefahr des Verrutschens größer. Das Sleeve mit der linken Hand festhalten, während die rechte den Schnitt durchführt.
Das wars. Aufklappen, Sleeve entnehmen und den Materialabschnitt aus der Schnittzone wischen, damit es den Schnitt des nächsten Sleeves nicht behindert. Das Ergebnis sieht sauber aus.
Das Schneiden der Sleeves dauert so nicht länger als das Sleeven selbst - geht eher schneller - und die Sleeves sind perfekt gerade geschnitten und gleich lang.
4 Karten in Sleeves lagern (Karton-Banderolen)
( Kapitel ergänzt von Smuntz - 21.11.2025)
Mit den erwünschten Vorteilen (Kartenschutz, Mischhilfe) gehen auch Nachteile einher. Manche mögen die Haptik nicht, das ganze kann ins Geld gehen. Anfangs liegen die leicht elastischen "Karten-Kondome" noch etwas aufgeplustert herum, die Luft darin stört eventuell bei ersten Spielen. Rutschen tun die Karte nicht nur beim Spielen sondern vortrefflich auch im Karton. Ok, dafür ist uns der Zipp-Beutel gegeben, nur bleiben da beim hineintun und entnehmen gerne die Sleeve-Ecken hängen, wenn er nicht groß genug ist. Liegen die Sleeves sehr lange im luftleeren Raum im Kontakt mit anderen Kunststoffen ist schon von welligen Verformungen oder anderen Wechselwirkungen auf die Sleeves berichtet worden, womöglich Auswirkungen kleinerer thermischer oder chemischer Reaktionen. Und mehr Platz beanspruchen Karten in Sleeves natürlich auch.
Vielen Problemen geht man mit Karton-Banderolen einfach aus dem Weg. Ist man eh im Besitz der oben gezeigten Falzmaschine, mit der sich Sleeves kürzen lassen, so kann man damit wunderbar Kartonstreifen schneiden und falzen. Ich verwende hier weißen, leicht leinen-strukturierten Karton mit einer Stärke von 250g/m² ( https://www.amazon.de/dp/B004LSA0NE?tag=wwwunknownsde-21 (Affiliate-Link) ). Vorteile:
- keine aufgeplusterten Sleeves, Banderolen halten die Karten von Anfang an luftleer und flach
- keine unerwünschten mechanischen Einwirkungen (z.B. verbogene Ecken)
- keine schädlichen Einflüsse auf die Oberflächen (Verformung o.a.)
- vielfältige Sortiermöglichkeit
- leicht zu beschriften
- sehr platzsparend im Karton
- schnell angefertigt, leicht ersetzbar
Einmal damit vertraut funktioniert das natürlich auch wunderbar für Karten ohne Sleeves oder kleinere Plättchenstapel - was immer man damit zusammenhalten möchte.
So sieht das Ergebnis bei mir für die Kartenstapel in Dune Imperium: Uprising und Viticulture aus:
Kommen wir zum Tutorial-Teil, meine persönliche Best-Practice-Methode.
Man vermesse den Kartenstapel, idealerweise mit einem Messschieber und notiere Breite B und Höhe H in mm. Für H ruhig die Luft aus den Sleeves mit dem Messschieber drücken, ohne Gewalt natürlich. Die Breite des Kartonstreifens ist nicht fix, ich verwende etwa das Maß der Kartenbreite oder wenig darunter, so dass die Banderole etwa quadratisch auf den Karten aufliegt. Also z.B. 65-68 mm für das Standard-TCG-Format oder 45-48 mm für Mini-Sleeves. Dann falzt man (und kürzt am Ende) den Streifen in 5 Abschnitte mit den Maßen:
B | H | (B+1) | H | B
In Worte gefasst: die Banderole wird etwa 1 mm breiter als die gesleevten Karten, sie sollen ja hinein rutschen können und nicht klemmen. In der Höhe gibt man nichts oder nicht viel hinzu! Schon 1 mm mehr lässt die Karten allzu leicht hinausrutschen. Ein halber Millimeter ist das Maximum, was ich hier ggf. bei dickeren Stapeln dazugebe.
Dann faltet man den Streifen an den gefalzten Stellen mit der Hand vor. Nun legt man den Kartenstapel mittig auf den so vorbereiteten Streifen und legt die beiden Enden um den Stapel, prüft die Passgenauigkeit. Die Maße oben sorgen dafür, dass die Kanten an den Enden nicht hervorstehen. Der letzte Abschnitt darf kleiner als B sein, sollte aber noch ein paar cm Auflage bieten, In diesem Fall kommt das kürzere Ende unsichtbar nach Innen.
Während eine Hand den Stapel festhält, trägt man mit der anderen Bastelkleber (ich nehme Weißleim) dünn (!) in den Bereich der aufeinanderliegenden Enden der Banderole auf, vermeidet dabei die Nähe des Klebers zur Kante des Kartons - es soll ja nichts hervorquellen. Unter Druck auf die Karten verbindet man nun die beiden Enden mit dem Kleber und drückt ein wenig drauf, bis der Kleber abbindet - das ist bei dünn aufgetragenem Weißleim und leicht strukturiertem Karton Sekundensache. Dann mal die obersten Karten ein wenig hin und her schieben und schauen, ob nicht doch irgendwo Kleber hervorgetreten ist, diesen sofort wegwischen. Sollten die Sleeve-Stapel selbst etwas widerspenstig sein, ggf. den Stapel mit der frisch geklebten Banderole umdrehen und von oben weiter für kurze Zeit mit etwas beschweren.
Beschriftung ist optional, Methoden gibt es viele. So die Karten unterscheidbare Rückseiten zeigen, kann man diese Scannen und einen Druck davon einseitig laminiert zurechtschneiden und aufkleben, so wie im Bild für Viticulture gezeigt - das ist dann schon die Deluxe-Version der Banderolen ![]()
Zur Handhabung noch ein wichtiger Tipp: Karten aus den Banderolen schieben ist einfach, sie hineintun nicht ganz. Hierfür nur den größten Teil der Karten locker in die Banderole einlegen. Die letzten wenigen Karten dann zwischen die bereits in der Banderole liegenden Karten hineinschieben. Man sollte unbedingt darauf achten, mit den scharfen Kanten der Sleeves weder in die Kanten der Banderole noch in die Öffnungen anderer Sleeves zu schneiden, denn dort richtet man damit rasch Schaden an und muss das beschädigte Teil (gerissene Banderole oder Sleeve) ersetzen. Das hat man aber rasch verinnerlicht und so räumt sich das nicht weniger schnell weg als in irgendwelche Beutel.
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