Aber wenn ich mir die letzten vier bis fünf Jahre so anschaue, dann bekomme ich das Gefühl, dass die Union mittlerweile in eine andere Richtung läuft und gegenseitige Ressentiments zwischen den Mitgliedsländern eher auf- als abbaut. Ist das eine Fehleinschätzung?
Ich würde sagen: Jein.
Meines Erachtens sind es in den meisten Fällen die Rechtspopulisten, die die Ressentiments zwischen den Mitgliedsstaaten aufbauen. Natürlich nutzen Sie dazu Entscheidungen der EU, die unpopulär sind. Die EU macht sicher nicht alles richtig, aber das ist ganz normal. Auch Regierungen machen nie alles richtig.
Das Hauptproblem der EU ist für mich, dass sie immer darauf vertraut hat, die Menschen wüssten von alleine, weshalb die EU grundsätzlich eine gute und sinnvolle Institution ist. Sie hat es nicht geschafft, den Menschen zu vermitteln, was sie alles an guten und wichtigen Dingen für alle Mitglieder gebracht hat.
Viele Menschen in der EU wissen gar nicht, was die EU Ihnen alles an Vorteilen bringt. In den Köpfen bleiben meist die negativen Nachrichten haften. Man erinnert sich eher daran, dass die EU den Krümmungsgrad für Bananen oder Schlangengurken festgelegt und die Glühbirnen abgeschafft hat. Das fühlt sich ein wenig so an wie ein Wirtschaftsunternehmen ohne Marketingabteilung.
Hätte die EU ihren Nutzen besser vermittelt, hätten die Briten nicht für einen Brexit gestimmt.