meepleriot Tolle Folge, danke euch beiden für die Denkanstöße!
Auch bei mir ist es so, dass ich gerne durch Brettspiele in Rollen schlüpfe, die ich im Alltag meide. Deshalb spiele ich auch besonders gerne Spiele mit hoher negativer Interaktion, Wargames und Cosims wären also im Grunde genau mein Genre. Dennoch meide ich hier bewusst Spiele, welche aus meiner persönlichen Sicht Settings behandeln, mit denen ich mich unwohl fühle. Dazu zählen gerade auch Spiele die auf echten militärischen Konflikten basieren. Ich weiß das ist höchst individuell, aber #Root hingegen zählt zu einem meiner Lieblingsspiele. Übrigens auch #PaxPamir oder #VotesforWomen. Was diese Spiele für mich von anderen unterschiedet: Sie befinden sich für mich nicht vordergründig auf dem Level einer Simulation der historischen Ereignisse, sondern simulieren viel mehr die strukturelle Natur eben dieser gesellschaftlichen Konflikte. Und das macht sie für mich deshalb letztlich viel eypliziter und damit konkreter als Spiele, die echte militärische Konflikte mit Einheiten und co. simulieren. Sie verlassen damit für mich schon oft die Ebene eines Spiels und fühlen sich häufig fast mehr wie ein Experiment an: Wie fühlt es sich bspw. für die Personen an, die tatsächlich gegen das Frauenwahlrecht kämpften? Was waren ihre Motive und Strategien?
Gerade diese Rollenwechsel ermöglichen es mir, meinen eigenen moralischen Kompass zu schärfen und damit auch irgendwie die Realtät zu bewältigen. Für mich ist es bei Konfliktsimulationen ausserdem besonders wichtig mit einzubeziehen, aus welcher (gesellschaftlichen) Perspektive heraus diese Spiele geschaffen wurden um zu beurteilen, ob ein derartiges Spiel eine erwachsene wertvolle Spielerfahrung bieten kann, oder ob es sich eher um Ausbeutung und weitere Marginaliserung innerhalb des prägenden gesellschaftlichen Narrativ des Konfliktes handelt. Falls ihr hier Tipps für weitere ähnliche Spiele habt freue ich mich sehr, in die Nische der Nicht-Fantasy und Nicht-Militär Spiele innerhalb des Wargames-Genre scheint leider nicht viel mehr als ein Blatt Papier zu passen ![]()
Besonders spannend fande ich auch den zweiten Teil zu #DoubtisourProduct ! Ich kannte das Spiel bisher nicht und es klingt wirklich spannend, allerdings konnte ich auf die schnelle keinen Shop finden, der das Spiel listet, habt ihr da vielleicht einen Tipp wie man Hollandspiele beziehen kann? Mich haben eure Überlegungen auf eine Idee gebracht, warum das Spiel so besonders sein könnte. Gerade auch mit eurer Diskussion zur Worker Placement Mechanik der letzten Folge(n) kann man vielleicht sagen, dass bei den meisten Brettspielen, welche in einem realen Setting spielen, das Thema abstrakt ist, die Mechanik jedoch explizit. Arbeiter werden ausgebeutet, es geht um die Anhäufung von Reichtum auf Kosten der Gesellschaft, Natur, etc., das Thema ist jedoch häufig so abstrakt, dass es eben genau diese problematischen gesellschaftlichen Implikationen aus dem Spiel versucht herauszuhalten. durch die Mechanik sind sie jedoch explizit drin und lassen sich auch nicht durch einen Settingwechsel aufweichen, wie es bspw. mit dem Spiel Mombasa hin zum Sci-Fi Setting in Skymines versucht wurde. Für mich persönlich bleibt das Spiel weiterhin problematisch, ähnlich auch wie bei dem Zeitwechsel in der aktuellen Neuauflage von Puerto Rico.
Doubt is our Product scheint dieses Prinzip in Eurogames nun umzudrehen: Statt der Mechanik ist das Thema explizit, die Mechanik jedoch abstrakt. Damit hält es in gewisser Weise nicht nur vielen Eurogames einen Spiegel vor, sondern zeigt, dass die moralischen Entscheidungen und das politische in anderen Spielen häufig aktiv unterbunden werden, eben indem es KEIN Störgefühl in einem Kontext erzeugt, in dem man aufgrund der Explizitheit des Themas dies erwartet hätte. Das klingt vielleicht weniger wie ein spannendes Spiel des Spiels wegen, sondern vielmehr als spannendes Experiment auf einer Metaebene im Bezug zur eigenen Biographie als Brettspielender und der Spiele.
Und zuletzt noch zu eurer Frage zu Spotify, Apple Podcast und co.: Bevor die Techriesen den Podcastmarkt zur Gewinnmaximalisierung internalisiert hatten gab es soetwas wie Podcatcher (zb. Podcast Addict), die viele Menschen nach wie vor nutzen. Diese funktionieren meist über einen RSS-Feed, sind ohne lästige Fremdwerbung oder Abogebühren und ermöglichen, das Podcasts eben das bleiben können als was sie mal gedacht waren, sperrige Hobbyprojekte, an denen sich niemand bereichert und die vor allem von Communitys für Communitys gedacht sind
Auch ich höre euren und viele andere Podcasts über diesen Weg und freue mich als Podcasthörer der ersten Stunde immer, wenn hier gegen die Marktmacht der Techkonzerne der Open-Source und Non-Profit Gedanke hochgehalten wird!
Danke also nochmal für die tolle Folge, ich freue mich jetzt schon auf die Nächste! ![]()
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