Beiträge von verv im Thema „SdJ Verkündung - Wie und wo verfolgt ihr sie?“

    Ich finde es leider wieder typisch deutsch (europäisch?): es wird immer an allem, egal wie schön es ist bzw. sein soll, ein Problem gesucht / gefunden / konstruiert / gesehen. Absolut unnötig in meinen Augen; aber Hauptsache der werte Herr hat was dazu gesagt!

    Da bin ich übrigens anderer Meinung: ich finde, dass gerade die kritische deutsche Art ein großes Argument für das Spiel des Jahres ist. Da fallen regelmäßig Blender durch, die anderswo alle Preise abräumen. Und auch wenn auch die deutschen YouTuber manchmal als Claqueure verschrien werden, läuft auch dieser Teil der Brettspielberichterstattung hierzulande viel kritischer ab als z.B. auf den US-amerikanischen Kanälen.

    Das ändert nichts daran, dass ich in diesem Fall die Kritik von Herrn Junge in diesem Fall überzogen und den Anteil, den das im Artikel einnimmt, zu groß finde. Ich würde aber deshalb ungern pauschal den kritischen deutschen Blick über Bord werfen.

    aber stell dir mal vor, das wird gar nicht angesprochen (bei all dem sozialen Engagement, das Spiel des Jahres macht), und dann kommen Pressemitteilungen zur Verleihung: Spiel des Jahres geht an Spiel mit Bombenthema. Keine Einordnung, keine Einschätzung der Jury. Das kannst du doch nicht machen.

    Ich finde, dass es in dem Artikel auch bei dem Zitat aus der Begründung der Jury hätte bleiben können: „Der besondere Comic-Look gibt dabei dem bedrohlichen Thema die notwendige Leichtigkeit.“

    Stattdessen wird dem Thema ein ganzer Absatz gewidmet und ist vor allem noch die ausführlichste Botschaft von Jens Junge, der in dem Artikel die Expertenrolle hat. Und dessen Satz „Warum muss ein Anti-Terror-Spiel zum Familienspiel werden?“ finde ich völlig überzogen. Klar, eine Bombe liegt nirgendwo aus einem harmlosen Grund herum. Aber die Assoziationen zu Terror sind schon sehr spezifisch und übersehen andere Interpretationen. Ich persönlich erlebe Bombenentschärfungen meistens, wenn mal wieder eine Tiefgarage gebaut und dabei ein Blindgänger aus dem Weltkrieg gefunden wird. Und als trope aus Film und Fernsehen sind es meistens überzeichnete Schurken, die die Bomben legen, die dann von den Helden entschärft werden dürfen. Da zum Terror zu springen ist schon noch mal eine besonders kritische Auslegung.

    Es kann natürlich immer sein, dass einzelne Personen mit einem Thema ein Problem haben. Ich finde Arche Nova ein gutes Beispiel, weil man Zoos wirklich auch kontrovers diskutieren kann. Und das wurde ja auch das eine oder andere Mal in einer Review angesprochen.

    Im Falle von Bomb Busters sehe ich das ähnlich: eine Bombe ist per se erst mal keine schöne Angelegenheit und wenn das jemand deshalb nicht spielen will, kann ich das akzeptieren. Aber gleichzeitig ist „Bombe entschärfen“ und welche Farbe Draht schneidet man durch etc. ein so altes und weit verbreitetes Motiv, dass zumindest für mich da kein Gedanke zu den Hintergründen oder Ursachen oder Motiven eines eventuellen Bombenlegers springt. Das bleibt für mich total abstrakt und harmlos. Und ich habe das auch noch bei keinem oder keiner Mitspieler:in anders erlebt! Für mein Befinden ist das Thema also kein so grundsätzliches Problem, dass es in einen kurzen Beitrag über das Spiel des Jahres aufgenommen werden müsste.

    Persönlich sehe ich Endeavor trotz "nur" 2,9 sogar als das komplexeste Spiel, das bisher den KsdJ-Preis bekommen hat (Village hat nominell ein höheres BGG-Weight, aber das fühlt sich für mich nicht halb so unzugänglich an wie Endeavor Tiefsee, und auch e-Mission fand ich zugänglicher).

    Finde ich gar nicht abwegig: Village hat vermutlich auch deshalb bei BGG nominell eine höhere Wertung, weil es schon 14 Jahre auf dem Buckel hat. Es gibt ja einen gewissen Heaviness-Creep bei Brettspielen, was natürlich auch die Skala verschiebt. Wenn Village heute erscheinen würde, läge es vermutlich auch unter 3. Und e-Mission finde ich ein gutes Beispiel für die Spiele, die vor allem auf Grund ihrer kombinatorischen Explosion heavy eingestuft werden. Die Regeln an sich sind ja relativ zugänglich, aber die Vielzahl an Karteneffekten und die hohen Freiheitsgrade in der Aktionsphase lassen da das Rating hochgehen.

    Linkservice:

    Brettspiel Dude
    17. Oktober 2024 um 08:43

    Man darf auch erwähnen, dass sich Wolfgang Warsch wirklich sehr gefreut zu haben scheint, dass seine dritte(?) Nominierung endlich zum Kinderspiel des Jahres geführt hat. Topp die Torte führt fort, was Große Kleine Edelsteine letztes Jahr begonnen hat. Und ich finde das einen wirklich frischen und gut funktionierenden Ansatz für Kinderspiele.