Hier ein paar Erfahrungen, welche ich in den letzten Jahren gesammelt habe. Die können sich mit den Eindrücken andere Spieleautoren decken, müssen es aber nicht.
Man sollte von dem ersten Besuch in Göttingen nicht zu viel erwarten. Was ich aus meinem Umfeld bisher erfahren habe, kommt es doch häufiger vor, dass kein Verlag einen Prototyp anfordert. Mit der Zeit bekommt man ein besseres Gespür dafür, was die Verlage suchen, und dann steigert sich die Anzahl der angeforderten Prototypen.
Die „Verlagsbriefkästen“ sollte man nutzen. Gerade bei Verlagen, mit denen man noch keinen Kontakt hat, lohnt es sich einen kurze Spielbeschreibung einzuwerfen. Leider werfen einige Autoren ihre Spielbeschreibungen völlig wahllos ein. Hier bitte im Interesse aller darauf achten, ob das Spiel auch zum Verlag passt.
Ein Handout mit einer kurzen Beschreibung des Prototyps lohnt sich meiner Meinung nach nicht. Habe ich nie dabei und wurde auch noch nicht gefordert. Eine Visitenkarte lohnt sich da schon eher.
Anhand der Spieleanleitung sollte der Prototyp gut spielbar sein. Teilweise hapert es daran. Hierfür ruhig etwas mehr Zeit verwenden. Wenn man zusätzlich eine englische Anleitung hat, ist das auch von Vorteil.
Die Präsentation des Prototyps auch in Englisch üben. Sonst kann es passieren, dass einem in der Aufregung manche Vokabeln nicht mehr einfallen und dann wird die Präsentation etwas holprig.
Mit Verlagen aus dem nicht deutschsprachigen Ausland habe ich bisher weniger gute Erfahrungen gemacht, was Prototypen angeht. Prototypen werden nur nach Aufforderung oder überhaupt nicht mehr zurückgesendet. Je nachdem wie aufwendig die Produktion des Prototyps ist, sollte man das berücksichtigen.
Erst einmal nur einen, oder max. zwei Prototypen jedes Spiels erstellen. Falls weitere Verlage einen Prototyp möchten, kann man die immer noch zusenden.
Exklusiv erhält ein Verlag nur einen Prototyp, wenn es vereinbart wird und dann auch mit einer klaren zeitlichen Vorgabe. Man sollte allerdings so fair sein und dem Verlag mitteilen, dass man den Prototyp auch an andere Verlage sendet.
Finanziell lohnt sich der ganze Aufwand meistens nicht. Wenn man nur den einen Termin in Göttingen der zu einer Veröffentlichung führte, berücksichtigt mag es sich ja lohnen. Allerdings muss man auch alle anderen Termine (Nürnberg, Göttingen, Essen…) mitberücksichtigen und dann sieht die Rechnung schon wieder etwas anders aus. Viele Autoren haben die Kosten von zwei bis drei Veranstaltungen im Jahr, was bei weitem nicht der Anzahl Veröffentlichungen im Jahr entspricht.
2) In Göttingen geht es auch aus Redaktionssicht nicht nur darum, Perlen zu finden, sondern auch um das Knüpfen von neuen Kontakten. Wenn Autor*innen erkennbar gute Arbeit leisten, dann bin ich sehr dankbar für das Kennenlernen, auch wenn das aktuelle gezeigte Spiele vielleicht nicht überzeugt oder zu anderen Verlagen besser passt. Wenn ich den Kontakt halte, passt ja vielleicht das nächste Spiel, auch abseits solcher Veranstaltungen.
Dieser Aussage kann ich nur zustimmen.
Noch ein Tipp. Falls ihr einen bekannteren Spieleautor in Göttingen seht, der Spiele für dieselbe Zielgruppe wie ihr entwickelt, versucht den Tisch in seiner Nachbarschaft zu bekommen. Die Redakteure werden zielstrebig seinen Tisch ansteuern und mit etwas Glück danach einfach zu euch an den Nachbartisch wechseln.
Vielleicht war ja hier etwas hilfreiches dabei.