Beiträge von PeterRustemeyer im Thema „Spieleautoren im Forum“

    Finanziell lohnt sich der ganze Aufwand meistens nicht. Wenn man nur den einen Termin in Göttingen der zu einer Veröffentlichung führte, berücksichtigt mag es sich ja lohnen. Allerdings muss man auch alle anderen Termine (Nürnberg, Göttingen, Essen…) mitberücksichtigen und dann sieht die Rechnung schon wieder etwas anders aus. Viele Autoren haben die Kosten von zwei bis drei Veranstaltungen im Jahr, was bei weitem nicht der Anzahl Veröffentlichungen im Jahr entspricht.

    Finanziell "lohnen" tut sich das ganze Autorendasein nicht.

    Wenn du zB für ein Spiel 100 Stunden am PC sitzt, 100 Stunden Testspiele machst und dann noch ca. 100 Stunden Aufwand für die Verlagsgespräche rechnest (und das ist schon alles recht konservativ), irgendwas um die 500€ für Materialien, Reise und Hotels ausgegeben hast, und dann kriegst du am Ende 5000 Euro dafür, dann bist du recht nahe an 15€ Stundenlohn. Wenn nur jeder dritte Prototyp tatsächlich veröffentlicht wird (leider realistisch), sind wir schon runter auf 5€ Stundenlohn.

    Man kann das natürlich schönrechnen und die Hälfte an Zeit und Kosten als "Hobby" verbuchen, im Sinne von "ich wäre eh nach Essen gefahren" und "ich geh eh zum Brettspielabend, der Prototypentest dort zählt als Spaß". Das machen die meisten, Spieleautor sein ist für fast alle eher ein Hobby.

    Es gibt nur ein paar wenige, die das richtig als Beruf durchziehen (bzw könnten), und damit erfolgreich sind. Sei es durch hohen Output an veröffentlichungswürdigen Spielideen oder durch ein paar einzelne sehr einträgliche Ideen, die alleine die Lebenskosten decken.

    Wo sind die Erfolgsstorys von unbekannten Autoren, die ausgerechnet bei solchen Veranstaltungen entdeckt worden sind?

    Ich bin z.B. einer davon. 1. Göttingen war nix, weil Anfänger, 2. oder 3. Göttingen war ich das immer noch, aber ich bin ein Spiel losgeworden, dann habe ich diese sonst nutzlose Veröffentlichung sinnvoll verwertet (das Autorenleben ist wesentlich einfacher, wenn man schon veröffentlicht ist), das nächste Spiel war dann ein Erfolg. Ohne Göttingen hätte es Paleo in der Form nicht gegeben.

    Als angehender Autor ist es weniger eine Kosten/Nutzen Rechnung im Sinne von "ich hab 200 Euro ausgegeben und jetzt 10% Chance, 2000+ Euro zu verdienen". Es geht ums Erfahrungen sammeln und Kontakte und um sonst nichts.

    Der wichtigste Schritt ist, die Blase platzen zu lassen: Du musst als angehender Spieleautor raus aus deinem inneren Zirkel oder deiner kleinen Welt: weg von den drei besten Freunden, die mit dir zusammen zwei Jahre rumgetestet haben (und dein Spiel ist am Ende nur für exakt euch 4 irgendwie vermittelbar), raus aus dem persönlichen Spielekosmos, der nur aus Monopoly und Schach besteht (und deine Spielidee ist eine Schachvariante). Gefühlt rennt jeder zweite, der das erste Mal in Göttingen ist, mit unvermittelbarem Quatsch rum. Wenn nicht völlige Lernresistenz vorherrscht, ändert sich das danach.

    Erfahrungen, die ich in den ersten Göttingens gemacht habe:

    • die Branche ist sehr freundlich und offen
    • die Branche ist sehr klein, wenn du 20 Redakteure kennst, bist du gefühlt schon durch
    • beides zusammen: wenn du da rein willst, du kommst da rein!
    • du musst Spiele machen, die sich in 10 Minuten gut rüberbringen lassen (denn das will btw auch der Endkunde)
    • nutz deine Nebentische. Hör einfach zu, wie andere Autoren in den Gesprächen agieren
    • nutz die Pausen. Ich habe diverse Redakteure im Raucherbereich oder an der Kaffeemaschine kennengelernt.
    • mach Termine oder ansprechende Flyer, dein Tisch ist sonst eine Wüste
    • auch die namhaften Leute kochen alle nur mit Wasser und kriegen eine Menge Absagen
    Zitat

    Wie viele Prozent der dort präsentierten Sachen erleben tatsächlich eine Veröffentlichung? 10%? 3% 1% Noch weniger?

    1% oder weniger, aber darum geht es halt einfach nicht.

    Mir geht es auch weniger um einen Austausch zu einem konkreten Prototypen, was online sehr schwierig ist, sondern mehr um einen allgemeinen Austausch. Sowas wie: Welche Veranstaltungen gibt es? Habt ihr Tipps, wie man mit Verlagen zusammenarbeitet? Wie kommt ihr an eure Ideen? ...

    Diese Art Fragen taucht aber so gut wie nie in den spezifischen Autorenbereichen auf, wo du selbst gestandener Autor sein musst, um überhaupt rein zu kommen.

    Der Diskussionsbedarf unter Autoren ist einfach Null.

    Das SAZ Forum ist genau so tot wie der Autorenbereich hier oder der Autorenbereich damals im Spielboxforum.

    Woran das genau liegt, kann ich nicht sagen, aber ich beteilige mich genausowenig an diesen Foren wie alle anderen auch. Hab einfach nie den Sinn dahinter gesehen. Wenn ich über einen Proto sprechen will, mach ich das mit meinen Testspielern (darunter auch andere Autoren). Wenn ich eine spezifische Frage hab, ruf ich jemand an, der die Antwort weiß. Alles "forenrelevante" Zeug kann ich auch in einem öffentlichen Bereich diskutieren.