Wie wäre es stattdessen mit einer freiwilligen Positivliste: Spiele, die im Herstellungsprozess keine KI-Wekzeuge benutzen, die unbekannte Informationsquellen von Dritten nutzen, kennzeichnen das auf der Packungsrückseite?
Beiträge von ravn im Thema „Nutzung von KI in Spielen (und deren erzwungene Offenlegung)“
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Und gerade deshalb ist der KI-Einsatz eine neue Veränderung, die neue Lösungen erfordert.
Als gelernter Redakteur wird meine Arbeit zum Teil durch KI ersetzt und entwertet - wenn man teils unwissend und oberflächlich darauf blickt. Zum Glück hat die automatiserte Texterstellung durch KI noch ihre Schwächen und Grenzen, so dass ich meine Experten-Nische zum eigenen Vorteil nutzen kann. Zeitgleich nutze ich KI aber auch als Werkzeug, im Bewusstsein, dass ich den Ergebnissen nicht einfach so trauen kann, weil ich die Quellen nicht kenne und die KI nur sehr zögerlich oder gar nicht damit rausrückt.
Anpassen kann ich mich, in dem ich klarlege, dass KI mich nicht ersetzen kann, weil ich in einigen Bereichen besser bin. Dazu muss ich das Werkzeug KI aber verstehen und mir Zeit dafür nehmen. Wer trotzdem rein KI erzeugte Texte nutzen will, viel Spass damit. Denn ein riesiges Problem der aktuellen öffentlichen Diskussion um KI ist, dass es etliche Diskussionsteilnehmer gibt, die so gar keine Ahnung haben, was dieses "KI" überhaupt ist, was es kann und was eben nicht und wie es grundlegend funktioniert mit seinen Vorteilen aber auch Problemen. "KI" ist da ein Schlagwort ohne Inhalt. Und genau deshalb finde ich solche Fachdiskussionen wie hier bereichernd, weil die neue Perspektiven aufzeigt.
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lazerlight : Guter Hinweis.
Mein Vergleich zielte darauf ab, dass die KI ein weiterer Schritt auf der Entwicklung von Malerei zur Fotografie zur Bilderstellung ist. Eine neue Technik hat das Handwerk eher ergänzt statt verdrängt. Klar sind dabei einige auf der Strecke geblieben, die sich nicht anpassen wollten oder konnten. Aber ebenso hat es anderen eine neue Chance gegeben. Je nachdem auf welcher Seite man stand, hat man das gut gefunden oder nicht.
Die KI ist in meiner Wahrnehmung eine Weiterentwicklung der Fotografie. Sie nutzt das Vorhandene, reduziert und klassifiziert Bilder und setzt die neu zusammen. Aber weil es eine Weiterentwicklung ist, ist die von sich aus nicht vergleichbar mit Fotografie und Malerie, sondern steht nur in der Entwicklungslinie von Malerei und Fotografie. Früher brauchte man einen Maler, dann einen Fotographen, jetzt nur noch die Technik ... und die vorhandenen Werke der Maler und Fotografen.
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Auch wenn die Erstellung von AI-Bildern ein wenig Zeit kostet, was ja einige Leute als eine Verteidigung nutzen, ist es ja dennoch keineswegs Vergleichbar mit der Zeit, die ein Mensch in seine Arbeit steckt: Stunden und Tage für ein einziges Bild und Jahrzehnte, um das Handwerk dafür zu erlernen. Inwieweit es jetzt Talent ist, AI-Bilder zu erstellen – das ist bestimmt eine interessante Frage. [...]
Ich fokussiere mal auf den einen Gedanken von Dir, um die Komplexität des Themas zu reduzieren. Im vollem Bewusstsein, dass man das alles im Kontext sehen muss.
Haben wir nicht aktuell eine vergleichbare Situation wie "damals" als die Fotographie aufkam?
Davor mussten Künstler engagiert und bezahlt werden, die eine Person oder eine Landschaft oder ein Moment visuell in einem Bild festhielten. Der Vorteil war, dass dabei eine Menge getrickst werden konnte - da mal eine Nase geglättet oder der verfallene Turm des Schlosses neu errichtet und so.
Dann kam die Fotographie, die erstmal nur von Spezialisten bedient werden konnten. Also eine vergleichbar kleine Gruppe wie die Maler. Das war somit weiterhin eher exklusiv gehalten. Nur die Fotographen brauchten nicht die selben Kenntnisse und Erfahrungen von Maler, sondern mussten die Technik beherrschen können und Wissen in Bildkomposition haben (also da von den Malern lernen konnten). Trotzdem wurden Maler weiterhin gebraucht, weil die fanden andere Einsatzfelder für sich und ihr Schaffen.
Später dann wurde Fotografie massentauglich. Erst mit analog auf fotografischem Film, bei dem man sich gut überlegt hat, was man jetzt fotografieren wollte, da Bilder begrenzt und damit einen Wert an sich hatten, weil eben auch teuer waren. Nur brauchte es da keine Spezialisten mehr, um so ein Fotoapparat bedienen zu können dank diverser Automatikfunktionen. In professionellen Nischen gab es aber trotzdem noch Fotographen, die eben mehr wussten in Kombination aus Technik und Bildkomposition und dadurch sichtbar besserer Resultate als Onkel Otto mit seiner Kleinbildkamera knippsen konnte.
Durch die digitale Fotografie und die nachträgliche digitale Bildbearbeitung braucht man sich keine Gedanken mehr machen, wie viele Bilder man "verbraucht", um etwas abzubilden. Aus 30+ Aufnahmen eines Moments wird dann eben der passende herausgesucht und der Rest gelöscht. Fertig. Die Automatikfunktionen sind zudem besser und narrensicher geworden. Jeder kann heute die Fotofunktion seines Handys nutzen, ein paar Filter drüberlegen und das Bild in die Welt schicken. Trotzdem gibt es weiterhin professionelle Fotografen, die das besser können. Und Maler gibt es ebenso weiterhin.
Ist die KI-Nutzung bei Illustrationen in Spielen dann nicht nur ein weiterer Schritt? Das Werkzeug KI ist aktuell noch komplex und schwierig zu nutzen, aber auch das hat sich schon verbessert. Somit nimmt die KI die Rolle eines Assistenten ein, dem man sagt, was man gerne "gemalt" haben möchte. Für manches vollkommen ausreichend, aber für bessere Ergebnisse wird es sicher weiterhin die Profis geben. Die werden sicher auch die KI einsetzen in ihrem Illustrations-Prozess, aber haben den Vorteil, dass sie eben auch was von Bildkomposition und dem Handwerk wissen und deshalb jedem Amateur überlegen sind.
Alles eine ganz normale Entwicklung. Nur die Werkzeuge werden immer mächtiger. Hat KI das Potential, besser als der Künstler zu sein? Bisher war das nicht so, da brauchte es immer einen menschlichen Spezialisten, der den Unterschied ausgemacht hat und besser war als die reine Technik-Anwendung.
Die für mich ungelöste Frage ist dabei, ob und wie man die Ursprungskünstler entlohnt, auf deren Grundlage die KI überhaupt erst arbeiten kann. Ohne einen massenhaften Input an Illustrationen kann die KI nichts erschaffen, was "neu" aussieht, aber eigentlich nur ein Remix von aufbereiteten Eingabedaten ist.