Nupsi hatte mich in einem anderen Thread gebeten, meine Eindrücke zu dem neuen Star Wars LCG zu beschreiben, das will ich hier gerne kurz tun.
Vorweg: Ich habe nie ernsthaft CCGs gespielt, finde die LCGs von FFG aber generell sehr gut und habe Spaß mit ihnen, ohne dass ich mich mit Deckbuilding beschäftige. Meine Aussagen sollten also "echte" CCG Spieler dahingehend abwägen und prüfen.
Das Erste, was mir positiv an Star Wars positiv auffällt ist, dass das Deckbuilding anders funktioniert als bisher, da man keine einzelnen Karten in sein Deck sortiert, sondern Cluster von jeweils 5 Karten, die wiederum an eine sog. "Objective Card" gekoppelt sind. Überlicherweise spielt man wohl mit 10 objective cards, also 50 Spielkarten im Deck, die "prebuilt" Decks des Basisspiels haben aber nur 8 objectives, also 40 Karten (reicht aber gut aus, um das Spiel zu spielen). Beim Deckbuiklding muss man also unter Umständen damit leben, die eine oder andere nicht so tolle Karte im Deck zu haben...
Das erste Spiel kam mir etwas komisch vor (aber nicht schlecht), es ist nur etwas seltsam, dass neben den Kämpfen noch eine Art „Meta-Ebene“ im Kampf um die Macht stattfindet. Der Spieler, der die Macht kontrolliert, erhält in seiner Runde einen erheblichen Bonus – die dunkle Seite darf einen zusätzlichen Klick weiterdrehen auf dem Todesstern-Dial (wenn dieser den Wert 12 erreicht, hat die dunkle Seite gewonnen) und damit effektiv die Spielrundenzahl von 12 auf 6 halbieren, während die Lichtseite bei Kontrolle der Macht diesen Effekt verhindert UND zusätzlich einen Schaden auf eins der Objectives der dunklen Seite legen darf. Die Objectives haben durchschnittlich 5 „Hitpoints“ und die Lichtseite muss drei Objectives zerstören, um das Spiel zu gewinnen.
Nach nunmehr insgesamt ca. 10 Spielen kann ich sagen, dass mir das Spiel wirklich sehr gut gefällt. Die häufigsten Kritikpunkte an dem Spiel, die ich auf BGG gefunden habe, sind zum einen, dass das Theme des Spiels nicht ausreichend trägt, weil z. B. in Kämpfen ein „Fleet Officer“ gegen einen Sternenzerstörer kämpft oder sich ein AT-ST mit einer Führungspersönlichkeit der Rebellen anlegt. Das klingt auch erst einmal seltsam, setzt man das Ganze aber in Bezug zu den Objectives (jeweilige Pläne der beiden Parteien), wird IMO schon verständlicher, dass mit einem Kartenduell nicht der direkte Konflikt gemeint ist, sondern vielmehr das Ganze ein Teil einer Geschichte ist, in der ein Fleet Officer eine wichtige Rolle im Kampf gegen einen bestimmten Sternenzerstörer spielt. Fehlt einem Spieler das Verständnis für solche Interpretationen, kann ich mir schon vorstellen, dass diese „seltsamen“ Kämpfe dazu führen können, dass man das Spiel eher nicht mag.
Ein anderer Kritikpunkt ist, dass das Spiel „nichts neues“ bringen soll, Hier tue ich mir ehrlich gesagt eher schwer, ein Urteil zu bilden, weil ich zuwenig Erfahrung mit CCGs habe. Für mich persönlich ist die Verbindung von „Kampf um die Macht“ und direktem Konflikt schon etwas besonderes, dazu kommt das Deckbuilding in „Bundles von Karten“, was meines Wissens so noch nie da war.
Abschließend kann ich sagen, dass das Spiel für mich ein echter Hit ist. Ich spiele es sehr gerne, nicht zuletzt auch weil es SCHNELL geht, meine bisherigen Spiele waren in 10 - längstens 30 min (ohne die ersten Spiel mit Regelstudium) erledigt und oft echt „nail-biters“ zum Ende hin. Für jemanden, der so wie ich eher ein Gelegenheitsspieler von LCGs ist, ist das Spiel sicher empfehlenswert, ob das für einen harten CCG Profi auch gilt, vermag ich nicht zu sagen.
Nupsi, ich hoffe, dass hat dir ein bisschen weitergeholfen - falls nicht: Auf BGG gibt es fantastische Videos (in Massen) zum Thema Star Wars the card game