Welche Bedeutung hat das Spiel des Jahres für euch persönlich?

  • Die Auszeichnung hatte ihren Dienst getan, da sie mich auf Dominion aufmerksam machte vor über 15 Jahren, war DER Grundstein zum Hobby im Erwachsenen Alter, aktuell für mich eher nur noch ne Fußnote...

    Und genau das zeigt die Bedeutung des Preises! So wie dich bringt der Preis jedes Jahr viele neue Leute zu unserem Hobby.

    Also Hitster war als es veröffentlicht wurde noch relativ unbekannt.

    ... was für so ziemlich jedes neue Spiel gilt ...

    Natürlich. Aber das Argument von Bananenfischer war ja, dass Hitster den Preis nicht benötigt, weil es ja ohnehin sehr beliebt ist. Das wusste man zur Zeit der Veröffentlichung aber noch nicht. Hitster ist ja erst mit der Zeit omnipräsent geworden. Dann im Nachhinein zu sagen, es hätte den Pöppel nicht gebraucht, ist rückblickend betrachtet zwar korrekt, aber nicht zu dem Zeitpunkt als das Spiel bewertet wurde.

    Einmal editiert, zuletzt von Niloc (6. Mai 2026 um 09:59)

  • Natürlich. Aber das Argument von Bananenfischer war ja, dass Hitster den Preis nicht benötigt, weil es ja ohnehin sehr beliebt ist. Das wusste man zur Zeit der Veröffentlichung aber noch nicht. Hitster ist ja erst mit der Zeit omnipräsent geworden. Dann im Nachhinein zu sagen, es hätte den Pöppel nicht gebraucht, ist rückblickend betrachtet zwar korrekt, aber nicht zu dem Zeitpunkt als das Spiel bewertet wurde.

    Aber es geht ja nicht um den Zeitpunkt der Veröffentlichung. Es geht um den Zeitpunkt der Nominierung, der ca. 8-9 Monate später war. Zu dieser Zeit war IMHO bereits absehbar, dass Hitster sehr beliebt ist und das Potenzial hat, durch die Decke zu gehen.

    André Zottmann / Thygra Spiele - u. a. für Pegasus Spiele tätig
    Ich gebe hier generell immer meine eigene, ganz persönliche Meinung von mir.

    Friendly Reminder (for me and for you)

  • Und ob Hitster den Preis jetzt gewinnt oder nicht ist natürlich vollkommen Geschmackssache. Ich kann das durchaus nachvollziehen.
    Was ich aber absolut nicht nachvollziehen kann, warum MikroMakro überhaupt nominiert wird, wenn das Spiel nicht barrierefrei ist. Anscheinend ist das kein Kriterium. "Anscheinend" weil keinerlei Informationen vorhanden sind. Und deswegen kritisiere ich die Transparenz bei der Bewertung.

    Für mich war der Preis schon immer komplett irrelevant, weil wir nicht wissen was bewertet wird.

  • Man kann natürlich argumentieren, dass der SdJ Preis nicht für alle Altersklassen geeignet sein muss. Das ist ja das Problem am Preis.
    Niemand weiß genau was die Kriterien sind, weil alles total untransparent gehandhabt wird. Kann dann quasi auch ein reines Kinderspiel den SdJ Preis gewinnen?

    Kennst Du die Kriterien beim Oscar? Mal abgesehen davon, dass die Kriterien sehr wohl bekannt sind. Altersempfehlung ab 8+ ist SdJ, 7+ kann Kinderspiel oder SdJ sein, darunter (<= 6+) ist Kinderspiel und kann SdJ nicht gewinnen. Verschiedene Jurymitglieder nehmen in Podcasts, Fernseh- oder Zeitungsinterviews da immer wieder Stellung dazu und erklären das. Dazu gibt es die SdJ-Internetseite und das FAQ. Die sind transparent. Man kann natürlich argumentieren, dass diese Informationen nur einem Bruchteil bewusst sind. Aber das ist in fast allen irgendwie gearteten Bereichen der Fall. Die wenigsten Leute, die das Internet nutzen, wissen was von WordPress, hält sie aber nicht vom surfen ab.

    Man sollte als Außenstehender eigentlich schon davon ausgehen, dass man den SdJ Gewinner mit jeder Altersklasse spielen kann. Das ist aber anscheinend nicht der Fall. Also 0-99 Jahre ist schon lange nicht mehr gegeben. Das man sich einfach zusammen mit Sohn und Oma an einen Tisch setzen kann.

    Warum sollte man das? Gehst Du auch davon aus, dass man einen Oscar-prämierten Film mit Personen von 0-99 schauen kann? Auch diesbezüglich ist die SdJ-Jury in Interviews sehr klar. Es ist kein Familienspielpreis. Und wieder kann man diskutieren, was der beste Weg ist das Ziel des Vereins SdJ zu erreichen, nämlich die Verbreitung des Spielens von Brettspielen und die Anerkennung derselben als Kulturgut. Aber wie immer gibt es da mehrere Wege zum Ziel.


    Ergänzend dazu: Wenn die Auswahl des SdJ immer so sehr nur Gurken beinhalten würde, wären die Verkaufszahlen nicht jedes Jahr so hoch. Denn dann würden die Leute schon nach 2-3 Jahren spätestens merken, dass es sich nicht lohnt das zu kaufen, da doof. Das passiert aber nicht. Die Verkaufszahlen bleiben hoch. Somit kann der Weg gar nicht komplett falsch sein, egal wie man persönlich zu einzelnen Entscheidungen steht.

    Ach ja? Definier mir "normal"!

    Einmal editiert, zuletzt von Sepiroth (6. Mai 2026 um 10:18)

  • Und ob Hitster den Preis jetzt gewinnt oder nicht ist natürlich vollkommen Geschmackssache. Ich kann das durchaus nachvollziehen.
    Was ich aber absolut nicht nachvollziehen kann, warum MikroMakro überhaupt nominiert wird, wenn das Spiel nicht barrierefrei ist. Anscheinend ist das kein Kriterium. "Anscheinend" weil keinerlei Informationen vorhanden sind. Und deswegen kritisiere ich die Transparenz bei der Bewertung.

    Für mich war der Preis schon immer komplett irrelevant, weil wir nicht wissen was bewertet wird.

    Es ist aber schon etwas widersprüchlich, die Nominierung und Auszeichnung von MicroMacro wegen fehlender Barrierefreiheit für schlecht sehende Personen zu kritisieren und im selben Atemzug die Nominierung von Hitster zu fordern, das für Gehörlose definitiv nicht barrierefrei ist.

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  • Sepiroth
    Der Oscar juckt mich genauso wenig, weil ich die Kriterien auch nicht kenne. Der Preis ist für mich genauso relevant, wie eine random amazon/steam Bewertung.

    Auf der offiziellen Seite steht im FAQ zum Preis folgendes:
    "Die Auszeichnung ist aber nur Mittel zum Zweck: Mit ihr will der Verein Impulse für die Entwicklung wertvoller, entsprechend gestalteter neuer Spiele geben. Auf diese Weise sollen Akzente gesetzt und die Verbreitung von Gesellschafts- und Brettspielen gefördert werden."

    Mir ist das persönlich zu vage. Ich kann verstehen, dass man nicht ins Detail gehen kann/möchte, aber ich kann nur von mir aus sprechen, dass ich gerne eine genauere und detaillierte Definition hätte, wie die Bewertung grob durchgeführt wird.

    Wenn du auf die Webseite vom deutschen Computerspielpreis gehst, bekommst du aufgelistet, welche Kriterien überhaupt bewertet werden. Es wird auch klar kommuniziert, wer das bewertet und wie der genaue Ablauf ist: https://deutscher-computerspielpreis.de/der-preis/kriterien/

    Beim SdJ gibts das nicht. Da bekommt man nur mal sporadisch Informationen, dass die Jurymitglieder irgendwie diese Spiele spielen und sich danach beraten. Das wars. Spielen die zusammen? Spielen die mit ihren Familien? Wir haben kein Plan, wie das grob vonstatten geht.
    Das wird alles nur stückchenweise irgendwie kommuniziert über 30 Ecken und einzelne youtube Videos, wenn z.B. Stefan mal bei Ben im stream was dazu sagt.
    Es gibt keine offiziellen Informationen, wie und was bewertet wird. Und solange das nicht gemacht wird, kann ich den Preis einfach ignorieren, das gleiche gilt auch für Oscar und Co.

    2 Mal editiert, zuletzt von Niloc (6. Mai 2026 um 10:53)

  • Und ob Hitster den Preis jetzt gewinnt oder nicht ist natürlich vollkommen Geschmackssache. Ich kann das durchaus nachvollziehen.
    Was ich aber absolut nicht nachvollziehen kann, warum MikroMakro überhaupt nominiert wird, wenn das Spiel nicht barrierefrei ist. Anscheinend ist das kein Kriterium. "Anscheinend" weil keinerlei Informationen vorhanden sind. Und deswegen kritisiere ich die Transparenz bei der Bewertung.

    Für mich war der Preis schon immer komplett irrelevant, weil wir nicht wissen was bewertet wird.

    Es ist aber schon etwas widersprüchlich, die Nominierung und Auszeichnung von MicroMacro wegen fehlender Barrierefreiheit für schlecht sehende Personen zu kritisieren und im selben Atemzug die Nominierung von Hitster zu fordern, das für Gehörlose definitiv nicht barrierefrei ist.

    Und einen Musikstreamingdienst benötigt und ein internetfähiges Smartphone.

    Ich mag MicroMacro und Hitster beide sehr gerne und die gehen in den Spielgruppen auch immer sehr gut, weil sie kaum Erklärung brauchen.
    Etwas müßig wieder, wenn man das eine gegen das andere ausspielt, wo man doch beides haben kann.
    Beide haben Vor-und Nachteile.

    Es gibt auch jedes Jahr Spiele auf der Empfehlungsliste, die auch ohne Auszeichnung als Spiel des Jahres voll durchstarten.
    Vielleicht nicht ganz so wie Hitster jetzt, aber #Drecksau, #LoveLetter, #Patchwork, #AgentUndercover, #Klask, #TempelDesSchreckens, #Memoarrr, #KitchenRush, #SoKleever, Die #Echos Reihe sind in meiner Bubble alle durchgestartet und halten sich zum Teil seit Jahren im Markt.

  • Klar ist Spotify und ein Smartphone ein großer Nachteil. Ich will das ja gar nicht verteidigen. Aber wurde Hitster nur empfohlen, weil das so ist oder nicht?
    Ich finde Boss Fighters QR großartig und würde mir wünschen, dass es zumindest nominiert wird. Aber kann es das überhaupt, weil es eine App hat?
    Wir wissen es schlichtweg nicht. Und das nervt halt einfach hart, weil die Jury wirklich null Informationen preisgibt, ob ein Spiel mit App jetzt gewinnen kann oder nicht. Das könnte man ja klar festlegen.

    Edit: Das sind immer nur Mutmaßungen von unserer Seite aus. "Ich glaube Boss Fighters wird nicht nominiert, weil man ja ne App braucht." Und ich will doch nur, dass das irgendwo mal klar festgelegt und dann öffentlich kommuniziert wird. Ist das denn zu viel verlangt?^^ Warum macht der Verein immer alles so schemenhaft. Ich finde das einfach höchst unprofessionell, aber anscheinend bin ich da der Einzige ?(

    Einmal editiert, zuletzt von Niloc (6. Mai 2026 um 11:08)

  • Nach Durchsicht der Listem fällt mir auf, ich gehöre gar nicht zur Zielgruppe. Der einzige SdJ Preisträger nach 2000 in meinem Besitz ist Carcassonne. Kennerspiel-Preisträger habe ich gar keins, nur Endeavor interessiert mich, das muss aber noch warten, solange ich noch im Weltraum bin.

    Verschenkt habe ich mal Paleo, da es explizit gewünscht wurde.

  • Edit: Das sind immer nur Mutmaßungen von unserer Seite aus. "Ich glaube Boss Fighters wird nicht nominiert, weil man ja ne App braucht." Und ich will doch nur, dass das irgendwo mal klar festgelegt und dann öffentlich kommuniziert wird. Ist das denn zu viel verlangt?^^ Warum macht der Verein immer alles so schemenhaft. Ich finde das einfach höchst unprofessionell, aber anscheinend bin ich da der Einzige ?(

    Ich finds eigentlich ganz gut, dass man sich nicht so strikte Regeln auferlegt. Dann würde eventuell ja ein Spiel wie BossFighters hintenrunter fallen, weil es eine App hat und das Spiel würde vllt nicht bedacht obwohl es genau das tut was der Preis möchte: Menschen zum Spielen an einen Tisch bringen.

    Und so intransparent wie du finde ich die Jury gar nicht. Es gibt mit den Bretagogen, Fux und Bär, dem SDJ Podcast und zahlreichen verschriftlichten Meinungen eine supergroße Resonanz der Jury die durch ihre Mitglieder immer wieder mitteilt wie ihre Meinung zu den einzelnen Spielen ist. Und da werden auch Sachen wie App-Integration, Zugänglichkeit für eingeschränkte Menschen, Alterspanne und was weiss ich noch alles thematisiert und bewertet.

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  • Warum bitte sehen manche alles immer nur so schwarz-weiß?! Ich glaube, dass sich kaum ein Spiel, das die formalen Voraussetzungen (Veröffentlichungsdatum, Verfügbarkeit auf dem deutschen Markt, etc.) erfüllt, mit einer einzigen negativen Eigenschaft sofort komplett aus der SdJ-Verlosung herauskegelt.

    Wenn Spiele Nachteile haben (wie Smartphone-Zwang, sehr kleine Schrift, maximale Spielerzahl 2, Bindung an einen Streamingdienst, hässliche Grafik, komisches Thema, schlechte Regeln, lange Aufbauzeit, was-auch-immer), dann gibt das eben Minuspunkte. Bei unterschiedlichen Jury-Mitgliedern unterschiedlich viele, und am Ende kommt dann irgendein gemeinsames Ergebnis raus, bei dem das eine Spiel nominiert wird und das andere vielleicht "nur" auf der Empfehlungsliste landet oder auch gar nicht namentlich erwähnt wird.

    Ich würde ganz sicher nicht jede Entscheidung bei SdJ oder KSdJ genauso treffen, aber alles in allen sind die Entscheidungen und Begründungen für mich nachvollziehbar. Und dass gelegentlich auch mal Titel auf Short und Long List auftauchen, mit denen nicht jeder vorher gerechnet hat, ist für mich dabei ein großer Pluspunkt, denn das zeigt mir, dass die Jury wirklich unabhängig nach den besten Spielen des Jahrgangs sucht und dabei nicht nur ein gutes Dutzend Hype-Titel angespielt hat. Denn diese (gelegentlichen) Überraschungstitel auf den Listen sind ja nicht nur "Füllmaterial", sondern da sind oft wirklich gute Spiele dabei.

  • Wir wissen es schlichtweg nicht. Und das nervt halt einfach hart, weil die Jury wirklich null Informationen preisgibt, ob ein Spiel mit App jetzt gewinnen kann oder nicht. Das könnte man ja klar festlegen.

    Äh doch. Jedes Spiel, das die formalen Kriterien (neben den beiden von MetalPirate noch: wird der Jury zur Verfügung gestellt), kann grundsätzlich einen SdJ-Preis gewinnen. Gibt halt die drei Kategorien und letztendlich auch eine nicht ausgezeichnete Kategorie über dem Kennerspiel. Warum gehst Du davon aus, dass es grundsätzlich nicht gewinnen kann? Die Vermutung hier ist ja nur, dass es ein Minuspunkt ist, der so stark ins Gewicht fällt, dass es nicht die Mehrheit gibt.

    dass das irgendwo mal klar festgelegt und dann öffentlich kommuniziert wird.

    Wenn ich das also richtig verstehe, möchtest Du eine Stiftung Warentest für Spiele. Material wird zu 10% in die Wertung einbezogen. Abzüge gibt es für folgende Inhaltsstoffe..., Spielspaß macht 50% aus, davon jeweils gleichverteilt auf die möglichen Spielendenzahlen, usw.

    Und wie die Jury spielt und wie sie abstimmt kann man nachhören, -sehen und -lesen, wenn man das will. Aber ich bleibe dabei, dass das nicht wirklich jemand braucht. Schon gar nicht die Käufer des Preisträgers.

    Ach ja? Definier mir "normal"!

  • Mittlerweile hat der rote Pöppel für uns unmittelbar weniger Bedeutung. Von 1995 bis 2025 haben wir 19 der 30 Gewinner besessen bzw. immer noch in der Sammlung, nimmt man die nominierten Titel dazu haben wir nur 6 Jahre wo wir nicht etwas passendes aus dem Umfeld gefunden haben.

    Allerdings haben wir dann irgendwann auch mehr Interesse an Spielen mit dem grauen Pöppel entwickelt, da haben wir aktuell bis auf 4 Jahre alle Gewinner und wenn man die Nominierten mitnimmt fehlt uns nur ein Jahr.

    Aber abgesehen von unseren persönlichen Vorlieben halten wir das Spiel des Jahres für einen sinnvollen Preis - wenn wir aus dem Umfeld nach Tipps oder Empfehlungen gefragt werden beschränken wir uns oft auf Spiele aus dem SdJ Umfeld, wenn wir wissen dass die Zielgruppe eher selten bis gar nicht spielt - die Spiele sind gut verfügbar, meistens leicht zu lernen und eher schnell zu spielen.

    Aber auch in unserer Wahrnehmung wird das Spiel des Jahres immer seichter und tendenziell partylastiger, viele Karten- und oder Kreativspiele, weniger "klassische" Brettspiele. Da sehe ich halt ein Risiko: Uns ist es bereits passiert dass wir an einem Spielenachmittag nach mehreren Partien diverser Preisträger und Nominierten gefragt wurden, ob wir nicht einmal was "richtiges" spielen wollen. Auf unsere Nachfrage, was damit genau gemeint sei, kam dann von mehren Leuten die Antwort "ja so was richtiges mit Spielbrett, Material und so .."

    Gefühlt entfernen sich die empfohlenen/nominierten Titel immer weiter vom "klassischen" Brettspiel.

    Die Jury macht imho trotzdem einen guten Job und das auch transparent, und durch die Zusammensetzung der Jury kommen da auch genug Abwechslung und unterschiedliche Geschmäcker zusammen.

    Fazit: Für uns als Kennerspiel des Jahres top, als Spiel des Jahres eher weniger relevant, für die avisierte Zielgruppe genau richtig.

    Liebe Grüße

    Cal

    „Das einzige was es zu bekämpfen gibt, ist der nach Kampf strebende Geist in uns.“

    Ō Sensei Ueshiba Morihei

    2 Mal editiert, zuletzt von Calredon (6. Mai 2026 um 13:49)

  • Aber auch in unserer Wahrnehmung wird das Spiel des Jahres immer seichter und tendenziell partylastiger, viele Karten- und oder Kreativspiele, weniger "klassische" Brettspiele. Da sehe ich halt ein Risiko: Uns ist es bereits passiert dass wir an einem Spielenachmittag nach mehreren Partien diverser Preisträger und Nominierten gefragt wurden, ob wir nicht einmal was "richtiges" spielen wollen. Auf unsere Nachfrage, was damit genau gemeint sei, kam dann von mehren Leuten die Antwort "ja so was richtiges mit Spielbrett, Material und so .."

    Gefühlt entfernen sich die empfohlenen/nominierten Titel immer weiter vom "klassischen" Brettspiel.

    Ich glaub mit solchen Spielen bist du halt ganz schnell im Kennerspiel, weil dann wirds einfach regellastiger. Tower Up fällt mir gerade noch ein als Spiel aus den letzten Jahren mit gemeinsamen Brett und eben auch kompetitiv. Aber sonst ist man in letzter Zeit schon eher multiplayer solitär unterwegs und jeder puzzelt bei sich oder aber halt dann die Partyrichtung.

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  • Es scheint hier im Forum hauptsächlich drei Gruppen zu geben:

    1. Die interessierten, die sich die Rosinen rauspicken
    2. Die gut informierten, die einen Überblick über alle interessanten Neuheiten haben und sie schon vor der Nominierung testen
    3. Die Liebhaber komplexer Spiele, die kein Interesse an Familien- und Partyspielen haben

    Was es anscheinend nicht/wenig gibt:

    • Blindkäufer - wir sind hier ein Forum, in dem man sich über Brettspiele informiert, wir informieren uns meist gut über Spiele, die uns interessieren.

    Gruppe 1. Ich lese sehr gerne die Diskussionen darüber, wer oder was Spiel des Jahres wird und unabhängig davon gucke ich mir die Genannten dann genauer an. So habe ich letztes Jahr Bombbusters vor dem Titel aufgrund der sehr häufigen Nominierungen gekauft und selber testen wollen.

    Ich war zu Beginn des Hobbys auch mal bei Teil 2, weil man ja gerne auch mitredet und es toll ist, die guten Games als erste erkannt zu haben. Das bin ich inzwischen nicht mehr, weil es einfach nichts bringt und ich so unnötige Hypes umgehe.

    Bitte Rechtschreibfehler ignorieren :S

    Tippe oft mit Handy in der einen Hand und Baby in der anderen :danke:

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  • Gibt halt die drei Kategorien und letztendlich auch eine nicht ausgezeichnete Kategorie über dem Kennerspiel.

    Sehe ich nicht ganz so. Barrage/Wasserkraft ist ein Expertenspiel, da sind wir uns doch hoffentlich alle einig, oder? Dann können erwiesenermaßen auch Expertenspiele auf der KSdJ-Empfehlungsliste landen.


    SdJ klassifiziert Spiele nach "Einstieg", und da gibt es dann fünf Stufen von niedrig bis sehr hoch, wobei man dazu sagen muss, dass das immer relativ zur Kategorie gemeint ist. "Einstieg: hoch" heißt bei rot also etwas anderes als bei grau. Im Grau-Pöppel-Bereich gibt es in der SdJ-Spieledatenbank 19 Einträge mit "Einstieg: sehr hoch", in bisher 15 Jahrgängen, seit es das KSdJ gibt. Im Schnitt also mehr als ein solches Spiel pro Jahr auf den Listen.

    18 von diesen 19 Spielen finden sich auf der Empfehlungsliste, nur eines war nominiert, keine Gewinner. Heißt also: Gute Expertenspiele werden von der SdJ-Jury nicht übersehen, auch wenn gerne das Gegenteil behauptet wird. Richtig ist jedoch, dass ein schwieriger Einstieg für die SdJ-Jury offensichtlich "Minuspunkte" im oben genannten Sinne sind, die eine Nominierung oder gar den Gewinn des grauen Pöppels deutlich erschweren. Für mich nachvollziehbar nach den eigenen Ansprüchen und Kriterien. Ja, ein Preis "Expertenspiel des Jahres" wäre vielleicht schön für uns in der Blase, aber so funktioniert das SdJ-Modell nun mal nicht. SdJ ist das Versprechen, dass die Oma ein solches Spiel für den Enkel kaufen kann und damit garantiert nichts falsch macht.

    Aber das sollte man dann als jemand, der auch (oder sogar ausschließlich) Expertenspiele spielt, dennoch positiv sehen, und das nicht nur mit einem abstrakten "ist gut fürs Hobby insgesamt". Auch für sich persönlich kann man dann das Beste daraus machen, nämlich, und das sage ich immer wieder: Mit Blick auf die Empfehlungsliste KSdJ. Also auf das, was im Mainstream komplett untergeht und eh nur wir in der Blase mitkriegen. Wenn die SdJ-Jury etwas trotz "Einstieg: sehr hoch" dennoch auf ihre Listen nimmt, d.h. unter erschwerten Bedingungen, dann ist das auch als eine Art Auszeichnung zu verstehen, selbst wenn keine Spielepreis dranhängt. Damit zeigt uns die Jury sehr wohl, was "wir" uns vielleicht mal anschauen sollten. Zum Beispiel ein Bier Pioniere von einem Kleinverlag, der zuvor nicht unbedingt für tolle redaktionelle Leistungen bekannt war (und bei mir sogar eher gegenteilig einsortiert).

    Ratespiel: Welches war das einzige Spiel, das trotz "Einstieg: sehr hoch" die KSdJ-Nominierung geschafft hat? Auflösung im Spoiler. (Und ja, man kann natürlich immer streiten, wo die Grenze zwischen "hoch" und "sehr hoch" liegt. Das ist auch keine Empfehlung für dieses Spiel, sondern eher als lustige Quizfrage für Spiele-Nerds zu verstehen.)

    Spoiler anzeigen

    Rokoko

  • Sehe ich nicht ganz so. Barrage/Wasserkraft ist ein Expertenspiel, da sind wir uns doch hoffentlich alle einig, oder? Dann können erwiesenermaßen auch Expertenspiele auf der KSdJ-Empfehlungsliste landen.

    Was das angeht, hast Du natürlich recht. Ich hatte mich auf den Gewinner bezogen, denn das war die Aussage in der von mir zitierten Aussage. Und da denke ich, dass diese Spiele tatsächlich eigentlich keine Chance haben.

    Spoiler anzeigen

    Und wegen "hoch" und "sehr hoch" ist es ja auch manchmal nicht unbedingt komplett nachvollziehbar. Denn TfM ist "hoch", AN und Rokoko aber "sehr hoch". Ich hätte somit die Frage falsch beantwortet und auf TfM getippt.

    Ach ja? Definier mir "normal"!

  • Sepiroth : Dann sind wir uns ja völlig einig, dass Expertenspiele bei KSdJ antreten dürfen, aber (quasi) nicht gewinnen können. Ja, das klingt erstmal ziemlich unfair und das kann man so oder so finden. Früher habe ich noch gesagt: "Dann sollen sie es lieber ganz sein lassen." Heute sage ich dazu: "Im Rahmen der eigenen Zielsetzung machen sie eigentlich alles richtig, wenn sie uns Vielspielern über ihre KSdJ-Empfehlungsliste zeigen, welche Expertenspiele sie für ansehenswert halten. Denn dass Wenigspieler ein Wasserkraft kaufen und an Weihnachten verschenken, nur weil da ein grauer Pöppel prangt, das können sie nicht wirklich wollen. Damit würden sie die eigene Marke beschädigen."


    [Zu dem einem Spiel im Spoiler, dass trotz "Einstieg: sehr hoch" nominiert war:]

    Spoiler anzeigen

    Rokoko fühlt sich für Vielspieler nicht wie ein Expertenspiel an, auch damals schon nicht. Die ganze Bepunktung mit dem Mehrheiten-Zeugs ist seit vielen Jahren Standard im Spieldesign (Alhambra war SdJ 2003). Aber wenn man Deckbuilding nicht als "sicher bekannt" voraussetzen kann, ist die Einstufung von Rokoko als "sehr hoch" für mich dann doch nachvollziehbar. Die Kategorie "Einstieg" ist ja auch leicht anders zu sehen als "Komplexität", auch wenn das natürlich in eine sehr ähnliche Richtung geht. Bei Einstieg ist mehr "worst case" Betrachtung dabei.

    Meine Interpretation: KSdJ-Nominierung war möglich, weil das, was man macht, nicht wirklich kompliziert ist, sobald man Deck Building verstanden hat. Aber weil man da erstmal hinkommen muss, ist der Einstieg potenziell überdurchschnittlich schwer. Man erinnere sich an auch die SdJ-Auszeichnung von Dominion 2009. Das gab damals so viele Klagen im Massenmarkt, wie schwer das Spiel doch wäre, dass das auch als ein wichtiger Grund für die Einführung des Kennerspiel-Preises 2011 gilt.

    Im Übrigen wären andere gute Spiele mit "Einstieg: sehr hoch", die es "nur" auf die KSdJ-Empfehlungsliste geschafft haben (wie Marco Polo, GWT, Terra Mystica, Underwater Cities, Arche Nova) vielleicht in einem schwächeren Janggang auch unter den Top-3 gelandet, d.h. nominiert gewesen. Es ist ja ein wesentlicher Unterschied zwischen Long Lists und Short Lists, dass die Long Lists ein Qualitäts-Schwellwert haben können (und dafür dann eine variable Anzahl von Nennungen), während die Short List bei den drei SdJ-Hauptpreisen immer exakt drei Namen hat, in schwachen Jahrgängen genauso wie in starken.

  • Für mich als Spieler: Der Preis für Dominion hat mich - nach einer längeren Eskapade in Warhammer Fantasy - zurück ins Hobby gebracht. Sonst wäre das Ding vermutlich nicht auf meinem Tisch gelandet, und auch all die anderen Spiele danach nicht. Seitdem rate ich gerne mit, welches Spiel wohl nominiert und/oder gewinnen wird, aber der Preis hat wenig bis keinen Einfluss mehr darauf, was tatsächlich auf meinem Tisch landet.

    Für mich als Autor: Ich habe es immer als eine Art "Hausaufgabe" gesehen, die Preisträger wenigstens einmal zu spielen, einfach nur um herauszufinden, warum die gewonnen haben und was die Autoren für clevere Ideen hatten. Der Preis ist diesbezüglich eine sehr gute Vorauswahl, wie der Markt gerade so "tickt".

    Selbst nominiert zu werden, war immer eher ein schwammiger Traum, keine direkte Motivation. Ich glaube, dafür kann man auch gar nicht planen bzw nicht gezielt darauf hinarbeiten.

    Nach dem Sieg: Ruhm und Ehre halten sich in Grenzen, ich werde zumindest selten bis nie erkannt oder um Autrogramme gebeten. ;) Aber die massiv gesteigerten Verkäufe bedeuten natürlich einen lebensverändernden Haufen Geld. Ich konnte mir zu Weihnachten nach dem Gewinnerjahr auf einmal wie aus dem Nichts Wohneigentum leisten, und auch 5 Jahre später verkauft sich der Quatsch noch so gut, als hätte ich im aktuellen Jahr 5-10 mäßig erfolgreice Nicht-Preisträger-Spiele auf den Markt gebracht. Es ist also, was die finanzielle Seite des Autorentums angeht, ein Unterschied wie Tag und Nacht, ob man so einen Pöppel zuhause hat oder nicht.


    Weil es hier eine Menge Unsicherheit bezüglich der Arbeit der Jury und der Auswahl der Kandidaten zu geben scheint, mal meine Version vom Hörensagen aus verschiedenen Quellen:

    Zusammensetzung der Jury: Die sind alle in irgendeiner Form Brettspieljournalisten, müssen "unabhängig" sein (also nicht verbandelt sein mit Spieleverlagen), sind aber in erster Linie spielebesessen. Anders ließe sich das Pensum gar nicht bewältigen. Die meisten unterhalten neben ihrer eigenen Spielerei eine ganze Reihe von Testgruppen, wobei es wohl insbesondere schwierig ist, für den Hauptpreis zu testen, weil diese Tester sich in kurzer Zeit in Kennerspieler verwandeln und dann nicht mehr jungfräulich genug sind.

    Auswahl der Titel: Es landet prinzipiell jedes Spiel auf einer großen internen Liste, das in diesem Jahrgang auf deutsch erschienen ist und der Jury zur Verfügung gestellt wird. Da trägt dann jeder ein, ob er es gespielt hat und wie er es fand. Nicht jedes Jurymitglied spielt jeden Titel, aber weil die halt spielebesessen sind, vermutlich doch einen ganzen Batzen davon. Nach und nach kristallisiert sich heraus, welche Spiele "relevant" sind, und die werden dann auch von deutlich mehr Jurymitgliedern gespielt.

    Auswahl der Longlist/Nominierten: die Jury setzt sich zusammen und diskutiert den Jahrgang, insbesondere dann auch, für welchen Preis die Spiele geeignet sind. Dann wird mit simpler "Daumen hoch" Abstimmung der Jahrgang eingedampft: ein Spiel braucht X Daumen, um auf der Longlist zu landen, und die Titel mit den meisten Daumen sind die drei Nominierten. Dadurch ist die Longlist immer unterschiedlich lang, es gibt Jahrgänge, da kriegen halt nur ein paar Spiele ausreichend Daumen.

    Prinzipiell sind Expertenspiele nicht von vorneherein disqualifiziert. Aber die Chancen stehen halt vermutlich recht hoch, dass ausreichend Jurymitglieder der Meinung sind, dass es "zu hoch für die Zielgruppe" ist, so dass sie selbst keinen Daumen heben und in der Diskussion auch andere Mitglieder davon überzeugen. Dadurch landen nur echte Ausnahme-Expertenspiele auf der Liste, es muss für die Jury so dermaßen toll sein, dass diese Argumente nicht zählen und sie trotzdem dafür stimmen.

    Auswahl der Preisträger: dasselbe nochmal, nur halt mit drei Kandidaten pro Preis.


    Rezeption des Preises: Die Jury sagt, sie kürt eine Art "Botschafter für das Hobby". Also nicht das "beste" Spiel, sondern das "am besten geeignete, Leute ins Hobby zu bringen".

    ABER!

    1. schon alleine, wie schwammig und umständlich die zweite Formulierung ist, zeigt auf, dass es wesentlich eingängiger ist, vom "besten Spiel" zu reden.
    2. ich lehne mich mal aus dem Fenster uns behaupte, dass ein riesiger Anteil der Menschen außerhalb des Hobbys, die vom Spiel des Jahres hören, automatisch davon ausgehen, dass das beste Spiel gewählt wurde, und von der eigentlichen Definition nie erfahren.
    3. auch im Hobby fiebern die Leute mit, als ginge es um das beste Spiel. Sie wollen ihre Favoriten gewinnen sehen, die "verdienen" den Preis. Und wenn Hobbyisten-Favoriten nicht auf den Listen landen, gibt es regelmäßig Krawall.
    4. die Jury selbst redet in Tönen vom Preis, der sich anders anhört. Ich erinnere mich zB an die Formulierung von Harald Schrapers, Wolfgang Warsch habe "die Konkurrenz deklassiert", als sein Name 2018 auf der Hälfte der Nominierungen stand. Das klingt eher nach einem Wettkampf, bei dem naturgemäß der beste gewinnt.
    5. es gewinnt nicht selten ein Spiel, das auch vor dem Preis schon ein wahnsinnig beliebtes Produkt ist, so dass eben doch das "beste Spiel" des Jahrgangs gewählt wurde bzw das beste Spiel wohl auch der beste "Botschafter" ist.

    Ich finde es daher nicht wirklich falsch, die Selbstwahrnehmung der Jury bezüglich der Bedeutung des Preises weitestgehend zu ignorieren.

    Mein Blog (Illustrationen, Brettspieldesign, Angespielte Spiele)