Aussagekraft von Rezensionen bei kostenfreien Rezensionsexemplaren

  • Die Theaterkritik kann ich lesen ohne die Person dahinter zu kennen. Logisch! Aber da hat z.b. die Zeitung schon eine qualitative Vorauswahl getroffen. Ob sie dann meinen Geschmack/ Stil trifft ist eine andere Frage. Wenn ich öfter Theaterkritiken lese, „kenne“ ich die Person irgendwann.
    Das Internet bzw. Youtube trifft diese Vorauswahl nicht bzw. da muss ich andere Parameter nehmen.

    Ein weiterer Punkt. Eine Theaterkritik kann negative Punkte benennen, weil die Person dahinter unabhängig ist. Die Person kann weiterhin ins Theater gehen und bekommt weiterhin ihr Geld von der Zeitung.

    Ein Reviewer ist in diesem Maße nicht so unabhängig. Daher sind Reviews zu Brettspielen für mich selten hilfreich. Ich benutze nur die Let’s Play- Videos zum Regellernen.

  • Ein weiterer Punkt. Eine Theaterkritik kann negative Punkte benennen, weil die Person dahinter unabhängig ist. Die Person kann weiterhin ins Theater gehen und bekommt weiterhin ihr Geld von der Zeitung.

    Ein Reviewer ist in diesem Maße nicht so unabhängig.


    Inwiefern nicht? Eine schlechte Kritik hält mich nicht davon ab, auch weiterhin Spiele desselben Verlages zu spielen.

    Einkommen: Die Welt der Brettspielrezensent*innen besteht in Deutschland (fast) ausschließlich aus Hobbyist*innen, die ihr Einkommen anderweitig erzielen.

  • Ich weiss dann z.B. das sie generell X und Y mehr/weniger mag als Z, was mir da hilft, diese Kritik besser einordnen zu können

    Wir drehen uns ein wenig im Kreis. Es geht also wieder rein um Spaß und Kaufentscheidungshilfe.

    Kulturkritik ist davon grundsätzlich losgelöst. Du hast bisher nicht dargelegt, was eine Rezension für Dich über die reine Spaßeinordnung hinaus ausmachen soll.

    Ich mache nochmal ein Beispiel: Egal ob Frau xy die neue Faust-Aufführung gefallen hat, wenn die Kritik herausarbeitet, wo sich die Interpretation von bisherigen unterscheidet, worauf Wert gelegt wurde, usw. dann ist das losgelöst von der schreibenden Person.

    Ach ja? Definier mir "normal"!

  • Bei einer gut verfassten und nach journalistischen Maßstäben verfassten Kritik sollte es keine große Rolle spielen, welchen Geschmack die schreibende Person hat, da die Gründe für Pro und Kontra objektiv belegt und von daher nachvollziehbar werden. Bei Content Creatorn ist das oftmals anders. Die objektive Ausrichtung fällt hier in der Regel weg und wird auf rein subjektive Eindrücke begrenzt, die durch einzelne Punkte untermauert werden.

    Bei der ganzen Diskussion um kostenlose Exemplare kommt mir ein - in meinen Augen - noch viel wesentlicherer Faktor viel zu kurz. Die Brettspielbubble ist sehr familiäre ausgerichtet und persönliche Verbindungen wiegen meiner Einschätzung nach wesentlich schwerer als ein kostenlos zur Verfügung gestelltes Spiel. Wie objektiv ist am Ende eine schreibende Person, wenn sie das nette Wohlfühl-Miteinander mit den Herausgebern hat?

  • Ich weiss dann z.B. das sie generell X und Y mehr/weniger mag als Z, was mir da hilft, diese Kritik besser einordnen zu können

    Wir drehen uns ein wenig im Kreis. Es geht also wieder rein um Spaß und Kaufentscheidungshilfe.

    Kulturkritik ist davon grundsätzlich losgelöst. Du hast bisher nicht dargelegt, was eine Rezension für Dich über die reine Spaßeinordnung hinaus ausmachen soll.

    Ich mache nochmal ein Beispiel: Egal ob Frau xy die neue Faust-Aufführung gefallen hat, wenn die Kritik herausarbeitet, wo sich die Interpretation von bisherigen unterscheidet, worauf Wert gelegt wurde, usw. dann ist das losgelöst von der schreibenden Person.

    Nein, geht es nicht. Ich sehe daher eine Kulturkritik auch nicht losgelöst von anderer Kritik. Dein Beispiel mit dem Faust-Vergleich ist zwar richtig, aber nichts was für mich persönlich dann über einen rein diskreptiven mehrwert herausgeht. Sobald hier ein wertender Vergleich/Gegenüberstellung erfolgt, wird es ja wieder rein subjektiv. Insofern kann Kritik für mich niemals losgelöst von der schreibenden Person sein

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  • da die Gründe für Pro und Kontra objektiv belegt

    Es gibt keine objektiven Maßstäbe für das subjektive Erleben von Brettspielen außerhalb von offensichtlichen Dingen wie Material und Regellücken.

    Selbst ob eine Regel didaktisch gut aufgebaut ist, ist schon extrem subjektiv und hängt massiv daran, was die lesende Person gewohnt ist.

    Genau deswegen kam der "New game journalism" ja auf - um das subjektive erleben zu betonen in einer journalistischen Welt die versucht Aspekte auf absurde Weise zu objektifizieren.

    Spielspaß 10/10 - oh, aber ich mag keine deckbuilder. Tja, ist trotzdem ne 10/10 für jeden, immer, hab ich schließlich objektiv begründet!

    Lächerlich.

  • Bei Spielen ist die Schwierigkeit, dass sie hauptsächlich dem Vergnügen dienen, und das ist kaum von jemand anderem vorhersagbar.

    Ich formuliere mal anders: Es gibt keine objektiven Bewertungsmaßstäbe für subjektives Empfinden. Einzig 3 Faktoren bleiben als Überblick:

    In welcher Thematik ist das Spiel eingebettet?

    Auf welchen Mechanismen ist es aufgebaut?

    Material und optische Präsentation.

    Das sind die wichtigsten Kriterien, alles andere ist persönlicher Geschmack. Ob z.B. Agricola als „Jahrhundertspiel“ oder „Barrage“ als DER Burner gepriesen wird, egal, ICH finde sie beide ätzend. Was aber nicht auf schlechtem Spieldesign zurückzuführen ist! Ganz im Gegenteil, beides gut durchdachte Vertreter ihrer Art, nur empfinde ich das eben anders.

    Vor diesem Hintergrund sind mir irgendwelche YouTuber die mir was vom Pferd erzählen wollen, schlicht egal. Ganz grausam sind dann solche, die meinen mit irgendwelchen Grimassen und überschäumenden Enthusiasmus meine Aufmerksamkeit erhaschen zu wollen. Ich blicke auf die „hard Facts“ und kann dann im Zusammenspiel mit dem Bauchgefühl eine recht sichere Entscheidung treffen.

    Einem knapp gehaltenem Regelvideo hingegen bin ich manchmal nicht abgeneigt. Es darf nur nicht unnötig in die Länge gezogen sein, auch flüssig reden ist mitunter für manchen eine Herausforderung…

    Bitte senden Sie mir Ihre E-Mail doppelt, ich brauche eine fürs Archiv :/

  • Bei einer gut verfassten und nach journalistischen Maßstäben verfassten Kritik sollte es keine große Rolle spielen, welchen Geschmack die schreibende Person hat, da die Gründe für Pro und Kontra objektiv belegt und von daher nachvollziehbar werden.

    Ausnahmslos jede Meinungsäußerung ist subjektiv, und es gibt keine subjektiveren Meinungsäußerungen als journalistische Kritiken. Ich meine, es gibt ganze Meinungsdiskurse im Feuilleton. Reich-Ranicki hat da seine ganze Marke drumherum gebaut und eine ganze Fernsehsendung unter der Prämisse gestrickt, dass sich journalistische Kritiker uneins sind!

  • Lächerlich ist auf jeden Fall die Annahme, dass eine 10/10 eine objektive Grundlage haben kann. Als ehemaliger Kritiker (oder Content Creator ?) hätte ich dir eine differenziertere Auseinandersetzung mit dem Thema durchaus zugetraut. Ich habe auf jeden Fall nie behauptet, dass eine Zahlenwertung objektiv sein kann.

    Generell ist es für Menschen am Ende natürlich unmöglich, zu 100 % objektiv zu bewerten, da wir selbst in der objektiven Einordnung unserer subjektiven Prägung erliegen. Wenn du schreibst, Regeln sind didaktisch gut, ist das zunächst eine subjektive Einordnung. Wenn du schreibst, was Stärken und Schwächen sind, bist du ein ganzes Stück näher an der objektiven Einordnung. Wenn du dann noch die einzelnen Punkte näher erörterst, ginge es in die richtige Richtung. Eine Kritik sollte am Ende immer aus einem Teil Bericht und einem Teil Kommentar bestehen. Der Bericht sollte dabei objektiver Natur sein und dem Kommentar den Unterbau liefern, um diesen subjektiv für sich selbst einordnen zu können.

    NGJ ist am nur eine andere Form der Kritik, die den Erlebnisfaktor als wesentlichen Bestandteil mit aufnimmt und die Gewichtung zwischen Bericht und Kommentar verschiebt.

  • Da sind wir aber ja beim Punkt. Wie kann denn ein solcher Bericht objektiv sein? Sobald jemand Stärken und Schwächen aufzählt und begründet, wird es ja schon subjektiv, da diese Einordnung auf Grund seiner subjektiven Entscheidung basiert. Keine Stärke oder Schwäche kann jemals objektiv sein? Also egal, wie sehr du dich auch bemühst, auch ein Bericht ist immet subjektiv, solang er über Dinge wie "das spielbrett ist x mal x cm groß" hinausgeht

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  • Bei einer gut verfassten und nach journalistischen Maßstäben verfassten Kritik sollte es keine große Rolle spielen, welchen Geschmack die schreibende Person hat, da die Gründe für Pro und Kontra objektiv belegt und von daher nachvollziehbar werden.

    Ausnahmslos jede Meinungsäußerung ist subjektiv, und es gibt keine subjektiveren Meinungsäußerungen als journalistische Kritiken. Ich meine, es gibt ganze Meinungsdiskurse im Feuilleton. Reich-Ranicki hat da seine ganze Marke drumherum gebaut und eine ganze Fernsehsendung unter der Prämisse gestrickt, dass sich journalistische Kritiker uneins sind!

    Es sagt ja auch niemand, dass Kritik zwangsläufig immer objektiv sein muss. Beim NGJ ist das ja bewusst in eine andere Richtung gesteuert worden, genauso wie bei der lauten Krawallkritik Reich-Ranicki. Alles legitim und oft auch mit einem eigenen Unterhaltungswert, nur halt nicht unbedingt immer auf Objektivität ausgelegt.

  • Ausnahmslos jede Meinungsäußerung ist subjektiv, und es gibt keine subjektiveren Meinungsäußerungen als journalistische Kritiken. Ich meine, es gibt ganze Meinungsdiskurse im Feuilleton. Reich-Ranicki hat da seine ganze Marke drumherum gebaut und eine ganze Fernsehsendung unter der Prämisse gestrickt, dass sich journalistische Kritiker uneins sind!

    Es sagt ja auch niemand, dass Kritik zwangsläufig immer objektiv sein muss. Beim NGJ ist das ja bewusst in eine andere Richtung gesteuert worden, genauso wie bei der lauten Krawallkritik Reich-Ranicki. Alles legitim und oft auch mit einem eigenen Unterhaltungswert, nur halt nicht unbedingt immer auf Objektivität ausgelegt.

    Es geht ja eher darum, dass Kritik gar nicht objektiv sein kann, nicht nur darum, ob sie es sein muss

  • zu 100 % objektiv zu bewerten

    Dir ist bewusst, dass "objektiv bewerten" ein Oxymoron ist? :/

    Was du vermutlich meinst (und was gerne durcheinandergeworfen wird) ist, dass du deine subjektive Wertung anhand objektiver Fakten aufbauen kannst.
    "Die Anleitung hat 90 Seiten, das ist mir zu lang, darum kaufe ich das Spiel nicht."
    "Man macht in dem Spiel nur 12 Züge, das ist mir zu wenig, darum spiele ich das nicht."
    "Das Spiel hat 70 detailreiche Miniaturen, das finde ich super, darum mag ich das Spiel."

    Das ist eine subjektive Bewertung aufgrund einer objektiven Beobachtung. Aber das macht die Bewertung nicht objektiv. Das wird nur gerne so behauptet von Leuten, die meinen, wenn sie ihre subjektive Bewertung anhand einer objektiven Beobachtung begründen, wäre ihre Bewertung objektiv und damit irgendwie nicht angreifbar oder nicht wegzuwischen.
    Gerade hier im Forum liest man gerne: "Das Spiel hat nur Karten und kostet 90 Euro, wer das kauft, ist selbst Schuld, dass er sich über den Tisch ziehen lässt." Die Leute hier sind meisterhaft darin, aufgrund objektiver Beobachtungen subjektive Urteile zu fällen und ihnen dann eine fast schon naturgesetzliche Allgemeingültigkeit anzuheften.

    Einmal editiert, zuletzt von Huutini (7. April 2026 um 11:04)

  • Da sind wir aber ja beim Punkt. Wie kann denn ein solcher Bericht objektiv sein? Sobald jemand Stärken und Schwächen aufzählt und begründet, wird es ja schon subjektiv, da diese Einordnung auf Grund seiner subjektiven Entscheidung basiert. Keine Stärke oder Schwäche kann jemals objektiv sein? Also egal, wie sehr du dich auch bemühst, auch ein Bericht ist immet subjektiv, solang er über Dinge wie "das spielbrett ist x mal x cm groß" hinausgeht


    Generell ist es für Menschen am Ende natürlich unmöglich, zu 100 % objektiv zu bewerten, da wir selbst in der objektiven Einordnung unserer subjektiven Prägung erliegen.


    Der Unterschied ob du schreibst

    "Die Spielanleitung ist top und ich hatte kein Problem ins Spiel zu finden. Ich bin hellauf begeistert wie perfekt eine Anleitung sein kann!"

    oder

    "Der Einstieg ins Spiel wird leicht gemacht, das fängt schon an bei der Schnellstarthilfe. Dort wird der genaue Aufbau an Hand von Beispielbildern gezeigt und die erste Runde wird an Hand von Zugbeispielen erläutert. Die Symbole werden übersichtlich auf einem separaten Beizettel zum schnellen Nachschlagen erklärt und eine ausführliches Stichwortregister macht die spätere Suche nach bestimmten Themen leicht."

    Bei zweiter Erläuterung kannst du für dich selbst entscheiden, ob das für dich Relevanz hat oder eben nicht. Beim ersten kannst du nichts entscheiden und bist der Meinung der schreibenden Person ausgeliefert.

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  • Das zweite ist dann aber ja im Prinzip genau das was ich als rein deskeptiv bezeichnen würde. Subjektiv ist es natürlich trotzdem, aber natürlich deutlich besser als die erste

  • Bei zweiter Erläuterung kannst du für dich selbst entscheiden, ob das für dich Relevanz hat oder eben nicht. Beim ersten kannst du nichts entscheiden und bist der Meinung der schreibenden Person ausgeliefert.

    Nein. Denn was ist eine "übersichtliche Anordnung", wann ist ein Stichwortverzeichnis "ausführlich" und wann unterstützt das beim Suchen? Ist eine alphabetische Anordnung besser, als eine gegliedert nach verschiedenen Materialien- oder Kartenarten? Ist ein Stichwortverzeichnis mit 16 Seiten noch gut oder zu viel? Das ist auch alles subjektiv und somit bin ich ebenso der "Meinung ausgeliefert".

    Ach ja? Definier mir "normal"!

  • Ich glaube, ich verstehe das Problem an meinen Formulierungen. Ich war vielleicht zu sehr in meiner Wahrnehmung gefangen, dass eine Kritik natürlich im reinen Sinne des Wortes niemals rein 100 % objektiv sein kann, da sie im journalistischen Sinne ja eine Mischform aus Bericht und Kommentar darstellt und ein Kommentar schlussendlich ein meinungsgebundener Text ist.

    Ich würde die Aussage zur Objektivität von Kritiken von daher dahingehend anpassen, dass im Rahmen einer Kritik hinreichend objektiver Kontext geliefert werden sollte, um den subjektiven Teil der Einordnung zu belegen.

  • "Der Einstieg ins Spiel wird leicht gemacht, das fängt schon an bei der Schnellstarthilfe. Dort wird der genaue Aufbau an Hand von Beispielbildern gezeigt und die erste Runde wird an Hand von Zugbeispielen erläutert. Die Symbole werden übersichtlich auf einem separaten Beizettel zum schnellen Nachschlagen erklärt und eine ausführliches Stichwortregister macht die spätere Suche nach bestimmten Themen leicht."

    Bei zweiter Erläuterung kannst du für dich selbst entscheiden, ob das für dich Relevanz hat oder eben nicht. Beim ersten kannst du nichts entscheiden und bist der Meinung der schreibenden Person ausgeliefert.

    Bei der zweiten ist der Anteil an Relevanz auch gering. Aber ja, die zweite Version ist besser. Der Übersichtlichkeit halber habe ich mal alle objektiven Informationen unterstrichen, und alle subjektiven Aussagen gefettet.
    Die objektiven Informationen sind gering, aber immerhin vorhanden. Die Bewertung der Nutzbarkeit hingegen kann für den Rezipienten komplett nutzlos sein, wenn er anders gepolt ist als der Rezensent.
    Aber das ist ein gutes Beispiel für eine subjektive Bewertung anhand objektiver Beobachtungen. Es ist aber weiterhin keine objektive Bewertung.

  • Puh... jede Form der Bewertung ist auch eine Beurteilung [in der Regel durch objektive Kriterien geleitet].

    Objektiv ist da relativ wenig, das "objektive Betrachten" ist schon im vorgelagerten Betrachtungs- bzw. Beobachtungsschritt Anhand der vorgegebenen Kriterien oder Messgrößen. Der ist idR rein summativ, ohne wertende Elemente und halt deskriptiv (=beschreibende Wiedergabe), auch den folgt eine Einordnung und dann eine Feststellung mit bewertenden Elementen. Und dann kommt die Bewertung (als letzter Punkt). Ist halt Arbeit, daher sind viele Rezensionen eher subjektiv getrieben und nutzen eher Schein-Objektivität z.B. in den Bezugsgrößen und Bewertungsmaßstäben.


    Edit: Wichtigste Kriterium eine guten Rezension als Typ einer Evaluierung ist die Nachvollziehbarkeit des Geschriebenen anhand bestimmter Kriterien. Quasi ein Minimalkonsens ...

    2 Mal editiert, zuletzt von The Kawon (7. April 2026 um 11:29)

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  • Bewertungen sind immer schwierig und subjektiv, auch wenn viele sagen, sie bewerten objektiv….jeder setzt andere Maßstäbe bzw. selbst wenn es einheitliche Maßstäbe geben würde, dann würde jeder Abweichung von den Maßstäben unterschiedlich bewerten.


    Das hat auch nicht nur was damit zu tun, ob ich mir durch Bewertungen kostenlose Spiele ins Haus holen kann, sondern der Mensch alleine ist von seinem inneren Gemüt total unterschiedlich. Der eine findet ein Spiel total geil, ist aber nach außen immer die Ruhe in Person und wenn diese Person dann über das Spiel redet, wirkt es auf viele als wäre das Spiel maximal gut. Andersherum gibt es Personen die ein Spiel gut finden, es aber so immens in den Himmel loben, als hätten sie den heiligen Gral gefunden.

    Um ansatzweise eine zu gebrauchende Bewertung zu bekommen, musst du dir mehrer Bewertungen anhören/lesen/schauen und schauen wo es Übereinstimmungen und Abweichungen gibt und ob dass was sie bewerten auch Sinn ergibt bzw. authentisch ist.

    Was die Content Creator angeht: Grundsätzlich gibt es da zwei Arten….Leute die Reziexemplare anfragen und Leute die sie durch ihre „Bekanntheit“ direkt zugeschickt bekommen. Keiner der aktiv Reziexemplare anfragt stellt diese Anfrage für ein Spiel, welches ihn 0,0 interessiert…somit ist es da schonmal logisch, dass es da weniger Kritik gibt.

    Wenn dann doch mal ein Spiel schlecht ist, dann kommt es selten vor, dass jemand ein Spiel komplett abrantet, wie z.B. Osso bei Deep Regrets. In der Regel werden dann zwar Kritikpunkte genannt, aber das ganze wird human bzw. in vorsichtiger freundlicher Kritik verpackt. Das ist auch aus meiner Sicht vollkommen verständlich, denn a) die großen Content Creator, wollen ja auch nicht dem Verlag der ihnen immer wieder was schickt in die Suppe spucken. b) die Kleineren wollen natürlich nicht als die Nörgler dastehen und haben natürlich berechtigterweise die Bedenken sonst in Zukunft nichts zu bekommen. Außerdem kann man über ein Spiel welches einem gut gefällt meistens viel überschwänglicher positiv reden, als negativ bei einem Spiel, welches einem nicht so gefällt.

    Ich selber höre bei den CC immer wieder negatives raus, aber halt nicht diesen „Rant“ den sich viele wünschen 😅 Das kommt meistens nur, wenn irgendwas gehörig in die Hose gegangen ist oder irgendwas vorgefallen ist.

    Einmal editiert, zuletzt von JaPaJoMa (7. April 2026 um 13:03)

  • Objektiv heißt nicht universal zutreffend, sondern unabhängig vom Beobachter.

    Subjektiv heißt nicht willkürlich und beliebig, sondern individuell geprägt.

    Das sind weder Gegensätze, noch sind sie in einer Kritik unerreichbar. Eine gelungene Kritik versucht diesen Spagat zu leisten.

    Aber ist auch klar, dass nicht alle Content Creator das anstreben. Da passt es natürlich gut in die eigene Rechtfertigung zu sagen, dass das alles gar nicht geht und man darum einfach nur sagen kann, was man will. Und das ist dann schon eine Rezension.

  • Inwiefern nicht? Eine schlechte Kritik hält mich nicht davon ab, auch weiterhin Spiele desselben Verlages zu spielen.

    Einkommen: Die Welt der Brettspielrezensent*innen besteht in Deutschland (fast) ausschließlich aus Hobbyist*innen, die ihr Einkommen anderweitig erzielen.

    Man kann auch absichtlich falsch verstehen. Ausgangspunkt dieser Diskussion war ja, dass die Brettspielkritiker das kostenlos zur Verfügung gestellte Brettspiel für eine Rezension/ Review nutzen und dabei unabhängig bleiben können. Bitte bleiben wir dabei.
    (Welche Spiele du weiterhin spielst ist selbstverständlich dir überlassen.)
    Wenn eine Person von Verlag A ein Brettspiel kostenlos für ein Review o.ä. bekommst und es wird diesem Spiel ein mieses Zeugnis aus ausgestellt, ist das (noch) in Ordnung. Das zweite Spiel des gleichen Verlags und wieder ein mieses Zeugnis. Dann wird diese Person mit sehr großer Wahrscheinlichkeit kostenlos kein drittes Spiel mehr bekommen.

    Der Theaterkritiker dagegen wird weiterhin (kostenlos!) ins Theater gehen können. Weil ein (gutes) Theaterhaus Marketing und Journalismus trennt. Das machen/ können die Brettspielverlage nicht. Ein Theaterkritiker ist somit nicht vom Theaterhaus abhängig, zumal die Tickets einer Zeitung zur Verfügung gestellt werden und nicht der einzelnen Person. Ein Theaterkritiker bekommt für seine Arbeit Geld von der Zeitung/ Magazin etc. und nicht vom Theater.
    Ein Brettspielkritiker, wie du ja schon geschrieben hast, betreibt es als Hobby und damit ist er von Verlagen erheblich abhängiger. Sonst kann er sein Hobby nicht mehr ausführen, bzw. muss sich die Spiele dann (selektiv) selbst kaufen.

    Das ist für mich auch ein Knackpunkt der Diskussion. Der Brettspielverlag nutzt die kostenlose Bereitstellung von Spielen für Reviews u.ä. als reines Marketing-Instrument. Da ist ein anderes Selbstverständnis als z.B. die Kulturhäuser aufweisen.

    Ein Theater nimmt zusätzlich eine andere Position als ein Brettspielverlag ein. Theater sind Orte gesellschaftlicher Auseinandersetzungen. Deswegen immer die Frage der Inszenierung u.ä.. Daher sind Theaterhäuser auf Kritiker angewiesen. Diese Position nimmt ein Brettspielverlag, bei aller Liebe, nicht ein.

    Zu den Anderen. Wir wissen alle, dass 100% Objektivität nicht existiert. Das ist Lernstoff der 8. Klasse. Können wir diesen Diskussionsstrang mal lassen? Ein guter Brettspielrezenent kann seine Meinung durchaus fundiert begründen. Dabei sollen die Ergebnisse für den Zuschauer nachvollziehbar sein. Viele Youtuber versuchen das mit einer Bewertungsmatrix o.ä. Auch der Verein: "Spiel des Jahres" versucht sich auf dieser Schiene.

  • Objektiv heißt nicht universal zutreffend, sondern unabhängig vom Beobachter.

    Subjektiv heißt nicht willkürlich und beliebig, sondern individuell geprägt.

    Das sind weder Gegensätze, noch sind sie in einer Kritik unerreichbar. Eine gelungene Kritik versucht diesen Spagat zu leisten.

    Aber ist auch klar, dass nicht alle Content Creator das anstreben. Da passt es natürlich gut in die eigene Rechtfertigung zu sagen, dass das alles gar nicht geht und man darum einfach nur sagen kann, was man will. Und das ist dann schon eine Rezension.

    Auch dieser Definition von "objektivität" spreche ich ab, von Rezensionen erreichbar zu sein. Hast du ein Beispiel, was in deinen Augen eine objektive Rezension wäre?

    Das ganze hat nix mit eigener Rechtfertigung zu tun. Weder rezensiere ich irgendwas, noch bin ich sonst wo "aktiv"

  • Objektiv heißt nicht universal zutreffend, sondern unabhängig vom Beobachter.

    Subjektiv heißt nicht willkürlich und beliebig, sondern individuell geprägt.

    Das sind weder Gegensätze, noch sind sie in einer Kritik unerreichbar.

    "Objektiv" bedeutet, unabhängig von Meinung und Ansichten des Beobachters. "Das Bild hat drei Farben."

    "Subjektiv" bedeutet, von Ansichten, Werten und Meinungen beeinflusst. "Das Bild ist schön."

    Das sind tatsächlich Gegensätze. Du kannst nicht der "Meinung" sein, dass das Bild drei Farben hat. Entweder hat es die, oder nicht. Deine eigene Wertung ist da völlig irrelevant. Du kannst aber auch nicht meinungsfrei sagen: "Das Bild ist schön".

    Du kannst keine rezeptionsästhetische Aussage treffen, die sowohl subjektiv wie auch objektiv ist.

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  • Ich habe dich nicht (absichtlich oder unabsichtlich) missverstanden. Wie viel Erfahrung hast du mit Verlagen, die aus den genannten Gründen keine Rezensionsexemplare mehr rausgeben, und wie gut kennst du die einzelnen Marketingstrategien? Auf dem Markt sind eine Vielzahl an Verlagen und die sind 1) nicht alle gleich und 2) wäre mir noch nicht persönlich bekannt, dass jemand keine Rezensionsexemplare mehr bekommen hätte, nur weil er/sie Titel nicht gut gesprochen hätte.

  • Also ich erhalte als reiner Hobbyrezensent mit sehr kleinem Publikum äußerst selten ein völlig kostenfreies Exemplar. Das ist bisher zweimal passiert. Meist gibt es andere Abkommen die alle in einem geringeren Preis enden, was für mich kein Abkommen für eine gute Bewertung darstellt. Allerdings muss ich zugeben, dass ich als Hobbytäter eher wegen der mir zur Verfügung stehenden Zeit selektiere, als dass ich jeder Neuheit hinterher hängen würde. Da kommt dann auch der andere Punkt: Ich kenne in Deutschland höchstens einen Influencer, der mit der Nische Brettspiel bei Youtube genug verdienen könnte, damit sein Leben zu bestreiten. Andere verdienen vielleicht etwas durch YT dazu, das wird aber übersichtlich bleiben. Ich verdiene damit genau nichts. Und Darum geht es mir dabei auch gar nciht, sonst müsste ich ja über meine Vorlieben hinwegsehen und doch immer den Neuheiten hinterher jagen um den Algorythmus zu befriedigen.

    Um auf den Punkt des Threats zurückzukommen: Viele internationale Influencer schaue ich mir gerade dahingehend nicht mehr an, weil diese Content schaffen wollen um mehr Klicks zu erreichen. Die kommenn auch mir grötenteils nicht mehr unabhängig vor. Doch die deutschen Influenzer halte ich allesamt für einen Teil unserer netten und freundlichen Brettspielgesellschaft, die über Hobby und Spaß berichten. Der eine mehr, der andere mit weniger Blick auf finanzielle Belange. Und ich kann da jedenfalls die Aussage eines Vorredners nur unterstützen, in der es hieß, dass dieser anstelle von Rezis lieder Bescheibungen ansieht. Auf die Weise erhält man keine vorgespühlte Meinung, sondern erfährt mehr vom Spiel und kann sich leichter selbst ein Bild machen.

  • Ich schaue mir immer wieder Rezensionen an, oft auch nachdem ich ein Spiel gekauft habe. Meist die positiven... ich lasse mich gerne darin bestätigen, dass ich totalen Sachverstand habe und keine Gurken kaufe.

    Wenn ich mir auf Basis einer Rezension ein Spiel gekauft habe, dann waren das bisher ausnahmslos "Perlen". Also ich könnte aktuell von keinem Rezensenten behaupten, dass er mir ein schlechtes Spiel schmackhaft gemacht hat.

    Mein Vertrauen ist darum beinahe grenzenlos.

    --- Jeder siebte Post von mir enthält etwas Sinnvolles ---

  • Objektiv heißt nicht universal zutreffend, sondern unabhängig vom Beobachter.

    Subjektiv heißt nicht willkürlich und beliebig, sondern individuell geprägt.

    Das sind weder Gegensätze, noch sind sie in einer Kritik unerreichbar.

    "Objektiv" bedeutet, unabhängig von Meinung und Ansichten des Beobachters. "Das Bild hat drei Farben."

    "Subjektiv" bedeutet, von Ansichten, Werten und Meinungen beeinflusst. "Das Bild ist schön."

    Das sind tatsächlich Gegensätze. Du kannst nicht der "Meinung" sein, dass das Bild drei Farben hat. Entweder hat es die, oder nicht. Deine eigene Wertung ist da völlig irrelevant. Du kannst aber auch nicht meinungsfrei sagen: "Das Bild ist schön".

    Du kannst keine rezeptionsästhetische Aussage treffen, die sowohl subjektiv wie auch objektiv ist.

    "Das Bild hat drei Farben" ist eine universal zutreffende Aussage. Das Bild hat auch dann drei Farben, wenn niemand hinschaut. "Drei Farben" ist eine Eigenschaft des Bildes. Dein Gegenbeispiel entspricht genau dem was ich ausschließe.

    Gleiches gilt für "Das Bild ist schön". Das ist eine willkürlich und beliebig gewählte Beschreibung. Genauso könnte ich sagen Das Bild ist "klimposirativ". Ein willkürlich und beliebig von mir gewählter Begriff dessen Bedeutung allein von mir entschieden wird.

    Darum halte ich diese Gespräche über objektive und subjektive Kritiken für so wenig ergiebig. Universelle Aussagen vs individuelle Behauptungen ist eine rhetorische Nebelkerze.

    Und deine Gleichsetzung von Kritik und rezeiptionsästhetischer Aussage ist auch nur eine Bedeutungseinengung, um dein Argument zu stützen.

    Kritik kann auch eine inhaltliche Analyse inklusive argumentativer Herausarbeitung von Positionen sein. Das hat mit Rezeptionsästhetik wenig Überschneidung.

  • Damit bestätigt du aber ja doch im Prinzip, dass es keine Objektivität in Kritiken und Rezensionen gibt? Denn auch eine "inhaltliche Analyse inklusive argumentativer Herausarbeitung von Positionen" ist ja etwas subjektives, nichts objektives.

    Wenn du das anders siehst, würde ich mich über ein konkretes Beispiel freuen

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  • Sternenfahrer prinzipiell stimmt das natürlich, aber in meinen Augen auch nicht komplett. Wie du schon indirekt sagst, ist das entscheidende hier die Gewichtung. Als Beispiele gibt die Stiftung Warentest einem Fernseher ein "sehr gut" und einem anderen ein "befriedigend". Wenn es jetzt aber so ist, dass bei der Grundlage dieser Noten die Ökobilanz 40 Prozent, die Einfachheit der Bedienung 30 Prozent, die Optik 10 Prozent, aber die eigentliche Bildqualität nur zu 20 Prozent entscheided ist, mir diese Dinge aber absolut egal wären, dann bringt mir diese Endnote nichts. So gesehen ist dann die Endnote auch nicht wirklich objektiv, da sie auf einer subjektiven Gewichtung basiert. Für mich selbst kann ich in dem Fall natürlich trotzdem in die einzelnen Unterpunkte gehen und mir hieraus meine Schlüssel ziehen, dass ist dann vergleichbar zur anderen Rezensionen

    Früher hatte die Stiftung Warentest noch die Möglichkeit verbaut, die Gewichtung der verschiedenen Testkriterien individuell anzupassen. Die "Messwerte" des Labors waren damit customisiert gewichtbar - abweichend von der Redaktions-Einteilung.
    Objektiv wird das natürlich dadurch auch nicht, aber subjektiv auf die eigenen Präferenzen abstimmbar.

  • Old Story, New Topic

    Jetzt mal ehrlich, kein Mensch braucht unabhängingen Brettspieljournalismus um sich über Spiele ein Bild zu machen.

    Wir gucken doch diese Videos (oder erstellen sie), weil wir Spass an Spielen haben ... ein paar wenige, weil es deren Job ist - bei denen hoffe ich, sie haben weiterhin Spass dabei. Ob jetzt Dice Tower eine 4 von 10 gibt, BBG orgasmisch den Lacerda-Karton in die Kamera hält, Maren die tollsten Urlaubsspiele im Spiegelblog mit Affiliatelinks released oder jemand im Tik Tok zum Unboxing tanzt ... am Ende holt sich der Konsument Inspiration in unterschiedlichsten Brettspielformaten...

    Ich hab schon Spiele gekauft, die andere schlecht bewerten. Ich habe anders rum viele gehypte Titel links liegen lassen, weil offensichtlich war, die werden mir nicht gefallen - also eben "entgegen" der Meinung der Creator agiert ... als Konsument ist es immer einfach, dem Creator die Schuld oder Befangenheit zu geben, wenn ein gekauftes Spiel dann nicht den Erwartungen entspricht ... wer mehr als 3 Spiele in seinem Leben gespielt hat, weiß aber, wie sehr ein Spiel am Ende von persönlichem Geschmack, Spielrunde, Tagesform etc. abhängt und eben eine sehr subjektive Erfahrung ist ...

    Gerade deswegen bezeichne ich Spielvorstellungen / Reviews als "ehrlich", die genau das in den Fokus nehmen: In welcher Gruppe / welchem Kontext / welche Zielgruppe / welcher Spielgeschmack könnte das was sein. Das tun eben manche nicht, sondern gehen vom eigenen Geschmack aus als reinen Maßstab ... da verstehe ich den Unmut, ihnen Unehrlichkeit vorzuwerfen. Die Wahrheit ist einfach nur, dass das halt nicht der beste Content ist. Was ich in dem Zuge auch festgestellt hab: Was sich am besten klickt, muss nicht auch immer der beste Inhalt sein.

    Für mich als Creator hat das ne Zeit gebraucht, bis mir klar wurde, was ich den besseren Weg finde. Was hab ich dann umgestellt (so vor 2 1/2 Jahren): Gespieltformate gibts bei mir nicht mehr (Toplisten gabs eh nie) sondern jedes Spiel kriegt ne Einzelreview - was Creator, die Klicks farmen meist nicht mehr tun, weil schlechter geklickt. Ich schreib aufs Thumbnail schon Spieldaten wie Schwierigkeit / Spieleranzahl, lasse den Curiosity Gap weg "wirklich besser als Flügelschlag?" damit jeder, der sich das anguckt die bewusste Entscheidung hat, er schaut, weil es passend sein könnte - und nicht, weil er auf nen Hype reinfällt. Ich sehe den Vorteil, dass ich dann eben mal 20 Min. zu einem Spiel sprechen kann ... und nicht 3 Min. in ner Topliste ... gelingt mir vielleicht dann nicht immer die richtige Einordnung zu machen, ich zwinge mich aber, weil ich am Ende eine rein binäre Wertung setze - also würde ich das empfehlen, und wenn ja, an wen ... ich versuche dabei möglichst viel Spielmaterial zu zeigen, Beispielzüge (teilweise nicht grade Regelfest lol) zu zeigen usw. - also einfach dem Spiel den Raum zu geben, den es braucht, damit jemand der zusieht nun seine eigene Entscheidung treffen kann - gerne auch losgelöst davon, wie es bei mir dann letztendlich ankam. Die persönliche Wertung kommt dann natürlich schon, ist aber eben eingeordnet und nicht der Maßstab, welches Spiel man gut oder schlecht finden soll ... in schriftlichen Rezensionen ist das übrigens - obacht - der empfohlene journalistische Standard ...

    Vielleicht gibts da bessere Ansätze, vielleicht habt ihr andere Lieblingskanäle - für mich funktioniert das so aber. Und ich gucke daher auch meist solche Inhalte - was in DE schwierig geworden ist und man da eher die Nischenkanäle nutzen muss.

    Und zum Thema Rezensionsexemplare: Wenn das so wäre, dann wäre die SdJ-Jury eben auch komplett befangen in den Entscheidungen, denn dort wird was deutsche Releases angeht immer vom kostenfreien Pressemuster ausgegangen. Ich will da nicht verneinen, dass es Creator gibt, die sich (bewusst oder unbewusst) beeinflussen lassen - mir selbst ist in den jetzt 5 Jahren kein Fall bei mir bekannt, wo ein Verlag hier versucht hat Einfluss auf mich zu nehmen oder auf Grund einer negativen Review generell nicht mehr mit mir zusammen arbeiten wollte ...

    Diese Jagd nach den "kostenlosen" Spielen klingt von außen super spannend, ist im Alltag aber gar nicht so aufregend ...

    Und weils grade passt, hier was dann auf Grund solcher Diksussionen unter Videos gepostet wird.

    ChatGPT, welchen Ruf hat Geekpunkt? In einem älteren Brettspiel-Forum (unknowns.de) gab es vergangene Diskussionen, in denen der Creator als „selbstbezogen“ oder „selbstmarketing-fokussiert“ beschrieben wurde. Das war aber teils ironisch und polarisierend, und das Thema ist schon einige Jahre alt – Community-Reaktionen können dort stark subjektiv sein.

  • Ich finde ehrlich gesagt die Frage der Objektivität ziemlich irrelevant, genau wie den Vergleich mit anderen Branchen. Ich vergleiche für mich einfach das bestehende Angebot, um im Brettspielbereich an Informationen zu bekommen, dazu gehören eben beispielsweise Content Creator oder aber auch Foren / Disord-Channel, in denen über Spielerfahrungen berichtet wird. Ich ordne dann einfach den Bericht einer Person, die sehr wenige, ausgewählte Spiele in der Sammlung behält, darüber, wie gut ihr ein Spiel gefallen hat und dass das jetzt in der Sammlung bleiben wird, anders ein als den Bericht einer Person, die schon 5000 Spiele hat und "halt ein weiteres dazu stellt". Genau so spielt es für mich und mein Gefühl eben grundsätzlich eine Rolle, ob jemand ein Spiel selbst gekauft hat oder kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen hat, wobei man das auch wieder dadurch aushebeln kann, dass es beispielsweise Mark Zuckerberg relativ wurscht sein dürfte, ob er ein Spiel selbst bezahlt oder nicht, weil der Kaufpreis in seinem Vermögen nicht spürbar wäre (ich hoffe, man versteht wie ich das meine).

    Spannend fand ich hier in der Diskussion:

    • dass man ein Spiel auch wohlwollender betrachtet, wenn man es selbst bezahlt hat, eben gerade weil man es dann mögen will. Von der Seite hab ich es noch nicht betrachtet, ich persönlich bin da wohl auch eher "extra kritisch", aber ich verstehe den Gedanken total.
    • die Aussage, dass "es das ja gar nicht gebe, dass Verlage wegen schlechter Kritiken keine Rezensionsexemplare mehr herausgeben würden". Ist das wirklich so? Oder kommt es einfach gar nicht erst zu der Situation, weil die Kritiker eben nicht so viele negative Bewertungen abgeben? Frage von Henne - Ei.
    • dass viele davon ausgehen, dass Menschen (und damit auch Content Creator) alles bewusst entscheiden. Man könnte ja als "betroffene Person" auch mal die Frage an sich selbst zulassen, ob man vielleicht unterbewusst beeinflusst wird. Mal ein ganz konkretes Beispiel: Ich habe den Eindruck (wichtig: nur ein Eindruck von außen, ich kann und möchte da nichts beweisen), dass Frosted Games mehr Rezensionsexemplare an kleinere / jüngere Kanäle herausgibt als andere Verlage. Gerade bei kleineren Kanälen werden die Spiele nach meiner Wahrnehmung ziemlich positiv besprochen, obwohl die meisten davon in der Allgemeinheit im Durchschnittsbrei versickern. Da kann man sich ja schon mal überlegen, ob man nicht grundsätzlich positiv voreingenommen ist, weil der Kontakt so nett war und weil man, obwohl man so unbekannt ist, gleich ein ganzes Paket an Spielen zur Verfügung gestellt bekommen hat. Ich meine das gar nicht als Vorwurf, das ist ja alles menschlich, ich sage eben nur, dass die Aussagekraft einer so entstandenen positiven Bewertung für mich ganz persönlich dann halt sehr abnimmt. (Ganz wichtig: Das geht nicht gegen Frosted, die machen marketing-technisch damit ja alles richtig! Und noch einmal, das ist nur ein Eindruck von mir, den ich nicht statistisch / wissenschaftlich überprüft habe!)
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  • Die Frage ist ohnehin nicht universell zu beantworten. Für mich ist da ein SEHR wichtiges Kriterium - und das setze ich auch so um - dass ich unter jedes Video schreibe, wie ich an das Spiel gekommen bin. Dann kann sich jede*r ein Bild machen und meine Meinung zu dem Spiel entsprechend im Kopf anpassen. Einige halbwegs objektive Dinge gibts ja dennoch: Man sieht das Spielmaterial, man weiß, welche Mechaniken dran kommen. Wenn man nicht gerne Kopfrechnet, dann ist vielleicht "Suburbia" nicht das perfekte Spiel. Wer Kartenspiele hasst, wird mit Uno nicht glücklich.

  • Ortenauerin

    Das mit der Objektivität fand ich dahingehend wichtig, was die Erwartungshaltung angeht. Ich persönlich erwarte von keinem Youtuber dieser Welt eine neutrale, objektive Bewertung/Rezension. Insofern ist für mich der Faktor "wie kam er an das spiel" absolut unerheblich. Darum ging es mir nur

    Ich wollte schreiben, dass die Frage, ob das Spiel kostenfrei zur Verfügung gestellt wurde, zusätzlichen Kontext für die Einordnung bereitstellt.

    Dann fiel mir auf, dass sich so viel weiterer Kontext aus diesem Bereich der eigenen Kenntnis entzieht, dass dieser Schnipsel Information wahrscheinlich ein Scheinriese ist. Am Beispiel: wir können schlicht nicht Wissen, ob der Umgang mit den Rezensenten bei VerlagXY "kumpelhaft anbiedernd" oder "professionell distanziert" abläuft. Das wird meist spekulativ und damit unergiebig für die eigene Meinungsbildung.

    Daher auch bei mir eher der Blick auf die vielfach genannten anderen Kriterien zur Auswahl/Einordnung von Rezensenten. Ich persönlich mag beispielsweise unterhaltsam/clever geschriebene Rezensionen, selbst wenn ich anders bewertete.