Willkommen im Land unterm Meeresspiegel, im Land der blühenden Tulpenfelder und Windmühlen. Wie kann man diesem Setting mehr gerecht werden als mit einem abstrakten Legespiel?
Oberflächlich sieht Frosted Blooms erstmal wie eine Patchwork-Variation aus, was in Teilen sicherlich zutrifft, aber es ist tatsächlich etwas mehr als nur ein uninspirierter Klon, auch wenn die Mechanismen grundsätzlich bekannt sind.
Wir starten mit einem kreuzförmigen Tile und ein wenig Geld. Der Punktezähler steht auf 0, es liegen je nach Spielerzahl unterschiedlich viele Ziele aus, dazu bekommt jeder einen identischen Satz aus 10 Wertungskarten - los geht's.
Die Plättchen sind alle gleich aufgebaut: Sie bestehen aus 5 Feldern: 3 Tulpenfelder, bei denen die Summe der Blüten 6 ergibt, und 2 zusammenhängende Wasserfelder. Sehr schön übrigens, wie die Blütenspitzen mit einem glänzenden Druck gehighlightet wurden.
Ein Spielzug besteht aus mehreren Schritten:
1) Plättchenwahl aus dem Rundkurs. Vom Blumenmarker ausgehend ist das erste Tile kostenfrei, jedes Überspringen kostet eine Münze. Liegen an dem ausgewählten Plättchen Münzen, bekommt man diese.
2) Anlegen nach Standard-Legespiel-Regeln. Nothing special here.
3) Wertungskarte spielen: Von den 10 Wertungskarten hat man stets 3 zufällige auf der Hand. Nach jedem gejegten Plättchen spielt man eine aus und wertet die Art und Anzahl der gerade gelegten Blüten oder Wasserfelder + die Gruppe gleichartiger Felder, die an dem gerade gelegten orthogonal angrenzen.
4) Verbesserungen platzieren. Bei Frosted Blooms will man Löcher in der Landschaft haben. Dort werden Arbeiter, Scheunen und Windmühlen platziert. Für einen Arbeiter reicht ein einzelnes Feld, er bringt 3 Punkte und eine Münze (Yay, ich kann wieder Plättchen skippen!), Scheunen (10 Punkte) benötigen 2 Felder, in eine 3er-Lücke passen eine Scheune und ein Arbeiter. Und je nach Form der 4 Felder großen Lücke wird diese entweder mit einer Scheune und 2 Arbeitern, mit 2 Scheunen oder - wenn die vier Felder ein Quadrat ergeben - mit einer Windmühle für 25 Punkte belegt.
5) Ziele beanspruchen. Erreicht man mit dem gerade gelegten Tile die Vorgabe eines Zielplättchens, kann man dieses beanspruchen, muss es aber nicht. Man kann versuchen, ein höherwertiges Ziel der gleichen Sorte zu erreichen, wobei da die Gefahr des Wegschnappens besteht.
Man spielt 10 Runden, bis man keine Wertungskarten mehr hat. Punkte werden addiert und wer die meisten hat, gewinnt.
Kleines Fazit nach der ersten Partie zu viert:
Frosted Blooms gewinnt keinen Innovationspreis, weil viele Mechanismen einfach bekannt sind. Aber die Kombination erzeugt ein Spielgefühl, das eigenständig genug ist, um die Existenz des Spiels zu rechtfertigen. Das Regelwerk ist äußerst schlank gehalten, die grauen Zellen werden trotzdem gut involviert durch die Herausforderung, Lücken, Zielplättchen und Wertungskarten von Zug zu Zug optimal zu kombinieren. Bis auf die etwas popeligen Punktemarker ist das Material toll, wenn auch ein bisschen kitschig gestaltet - ich liebe den Look des Spiels.
Insgesamt hat mich Frosted Blooms positiv überrascht, fast sogar ein wenig begeistert. Schönes Ding!