Happy Holiday oder: Ich plane meinen Urlaub - Das nächste Spiel
Auf nach Japan! hat vorgemacht, wie ein solides Spiel rund um die eigene Urlaubsplanung aussehen kann. Dabei fokussiert sich das Spiel recht stark auf die Set Collection-Mechanik, die in einer großen Schlusswertung zum Tragen kommt.
Als deutlich thematischer, aber wesentlich komplexer und anstrengender, empfinde ich das thematisch ähnlich gelagerte Abroad. Abroad geht mit Mehrheitenwertungen, Ressourcen-Management und einigen anderen Mechanismen deutlich über das effiziente Anordnen der Karten auf einem Kalender hinaus und fühlte sich spielerisch deutlich anders an als Auf nach Japan!
Ganz anders Happy Holiday. Eine freundliche, bunte Grafik von Antje Stephan, 30 bis 45 Minuten Spielzeit, die Kosmos-eigene Einstufung und ein Spielverlauf, der auf dreieinhalb Seiten des achtseitigen Regelwerks erklärt wird, schreien einem förmlich entgegen: "Ich bin ein Familienspiel!"
Der zentrale Spielplan zeigt die Hauptstädte Europas und deren Verbindungen untereinander, sowie drei farbliche Bereiche, aus denen Plättchen genommen werden.
Plättchen repräsentieren dabei die Städte, die man besucht und die Aktivitäten, die man dort unternimmt. Außerdem gibt es Einschränkungen, in welchen Teil des Urlaubsplaners sie gelegt werden dürfen (Monat bis Freitag, am Wochenende, in der 1., 2. oder 3. Woche oder an einem bestimmten Tag). Kann man Plättchen nicht regelkonform anlegen, dreht man sie auf sie Rückseite und man hat einen Ruhetag in der Stadt.
Nimmt man ein Plättchen aus einem der 3 farbigen Bereiche, füllt man den leeren gewordenen Platz nicht wieder auf, sondern platziert einen Koffer in der entsprechenden Farbe auf dem leer gewordenen Platz. Nimmt man das 2. Plättchen aus dem Bereich, erhält man den vorher platzierten Koffer vom leeren Platz. 2 Koffer erhält man, wenn das letzte Feld geleert wird, erst dann wird wieder aufgefüllt.
Wozu braucht man die Koffer? Wenn am Spielende auf dem Urlaubsplaner zwischen den Städten gewechselt wird, muss man pro Verbindung 2 Koffer abgeben. Graue, wenn man Straßen nutzt, schwarze für die Schiene. Für diese erhält man Siegpunkte. Mit weißen Koffern kann man weiter entfernt liegende Städte direkt anfliegen und spart sich graue und schwarze Koffer, bekommt im Gegenzug aber auch keine Siegpunkte für Flugverbindungen. Verbindungen, die nicht mit Koffern bezahlt werden können, bringen Minuspunkte.
Siegpunkte gibt es nicht nur für Verbindungen, sondern auch für die Tage, die man in der gleichen Stadt verbringt (0 Punkte für einen Tag, bis zu 10 Punkte für 4 oder mehr Tage) und für Aufgabenkarten. Sie beziehen sich darauf, wie Städte und Aktivitäten im Urlaubsplaner angeordnet sind. Dadurch wird es für die Wertung wichtig, was in welcher Zeile oder Spalte liegt.
Einige kleine Details habe ich jetzt nicht genannt, aber ich hoffe, dass die grobe Zusammenfassung ausreichend ist.
Kleines Fazit:
Ich habe zwar nur eine Partie zu zweit hinter mir, kann mir aber vorstellen, dass sich Happy Holiday in allen Besetzung ähnlich gut spielt. Die Auslage wird sich natürlich schneller ändern, aber bei mehr Mitspielern ist der Durchsatz an Plättchen deutlich höher. Die verschiedenen Aufgabenkarten werden für etwas Varianz sorgen, werden das Spielgefühl einer Partie eher nur dezent ändern.
Der Versuch, die verschiedene Wertungen möglichst gut unter einen Hut zu bekommen, stellt die Spieler vor nette Dilemmata. Gerne nimmt man auch mal eine unpassende Stadt, um an 2 Koffer für die Städteverbindungen zu kommen.
Die Interaktion beschränkt sich auf das Nutzen der Kartenauslage. Der Glücksfaktor ist nicht klein, aber für die kurze Spielzeit okay. Man fühlt sich Fortuna nicht ausgeliefert
Das Material ist absolut in Ordnung, die Grafik von Antje Stephan weiß zu gefallen. Trotz vieler bunter Bilder bleibt das Spiel übersichtlich.
Wie gefällt Happy Holiday am Ende?
Gut. Solide. Schön unkompliziert.
Durch die Wertung bekommt Happy Holiday einen recht starken Legespiel-Charakter und geht schon in Richtung eines Grid Puzzles mit einem 3 x 7 Raster. Es unterscheidet sich damit deutlich von Auf nach Japan! und Abroad und ist nicht nur ein etwas weniger komplexer Abklatsch. Ich mag's.