• Brettspiele, oder auch Rollenspiele und vergleichbare Aspekte unseres Hobbys, können eine tolle Ressource sein. Das Spielen ob alleine oder in der Gruppe kann so viel schaffen: es kann auf gute Weise (und ohne Kosten) ablenken, es kann Verbindung schaffen, und es darf auch einfach Spaß machen, ohne dass ein utilitaristischer Zweck dahintersteht. Vermeintlich sinnlose Tätigkeiten sind wahrscheinlich das allerbeste. Kein Zweck, keine Pflicht, sondern einfach Sein dürfen und sich von den Bedürfnissen leiten lassen.

    Danke erst mal für Deine Worte. Ich sehe das ähnlich. Darum leuchtet mir noch nicht ganz ein, wie Brettspielen oder Hobbys im Allgemeinen und generell zwanglose Freizeitaktivitäten auch einen Burnout oder eine Depression auslösen könnten.

    Ich sehe bei Burnout auf jeden Fall einen Zwang, dem man nicht mehr nachkommen kann. Sei es die Arbeit, die Pflege eines Angehörigen, das Aufziehen von Kindern oder was auch immer. Also Dinge, die man eben nicht einfach mal liegen lassen kann, so wie ein Hobby. Das ist ja das tolle an einem Hobby... es ist eigentlich nur positiv zu sehen. Die negativen Aspekte kann man abstellen, ohne noch mehr darunter zu leiden, da es nicht relevant ist.

    Oder ist das zu naiv?

    --- Jeder siebte Post von mir enthält etwas Sinnvolles ---

  • Oder ist das zu naiv?

    Ich finde ja, zumindest ein wenig.

    Auf welcher Basis sich der Mensch Druck aufbaut ist komplett irrelevant. Da sind vielleicht einige offensichtlichere Punkte dabei, wie eben die Arbeit, insbesondere wenn man nicht den Luxus hat, auch mal ein halbes auf Lohn verzichten zu können, oder die Familie "ernähren" muss. Bei Burnout oder Depression liegt das Problem oft nicht im Hobby selbst, sondern im Zustand der Person. Was dir Kraft oder Spaß gegeben hat, kann sich plötzlich leer anfühlen oder sogar zusätzlichen Druck erzeugen. Die typische Beispielfrage: Warum macht mir das jetzt auf ein mal keinen Spaß mehr!?

    Auch ein Hobby kann Druck machen. Ich kenne das von mir selbst. Spiele im Regal starren dich an und blicken dich vorwurfsvoll an, weil sie nicht gespielt werden. Das "alte Ich" guckt das "aktuelle Ich" an und behauptet ich sei dem Hobby nicht mehr gerecht. Hobbies sind nicht automatisch immun gegen dieselben Mechanismen von Zwang, Erwartung und Erschöpfung, die man aus Arbeit und Verantwortung kennt.

  • Auch ein Hobby kann Druck machen. Ich kenne das von mir selbst. Spiele im Regal starren dich an und blicken dich vorwurfsvoll an, weil sie nicht gespielt werden. Das "alte Ich" guckt das "aktuelle Ich" an und behauptet ich sei dem Hobby nicht mehr gerecht. Hobbies sind nicht automatisch immun gegen dieselben Mechanismen von Zwang, Erwartung und Erschöpfung, die man aus Arbeit und Verantwortung kennt.

    Och das kenne ich auch. Weil ich 900+ Spiele und Erweiterungen besitze und nur einen Bruchteil davon gespielt habe. Aber... auch die ungespielten Games setzen mich nicht unter Druck. Die warten auf mich. Oder gehen irgendwann.

    Das einzige Hobby, das mich jemals "unter Druck gesetzt" hat, wenn man das so sehen möchte, war das Fitness-Studio. Und auch nur, weil ich da mit einem Freund angefangen hatte und der ohne mich da nicht hingehen wollte.

    Habe ich dann recht schnell abgestellt. Ist nicht meins. Aber auch das hätte mich nicht ausbrennen lassen... dafür ist es mir nicht wichtig genug.

    Ich habe verstanden, dass auch Hobbys wohl eine Art Verantwortung bedeuten können. Das trifft eben nur nicht auf mich zu.

    --- Jeder siebte Post von mir enthält etwas Sinnvolles ---

    Einmal editiert, zuletzt von Prodigy1971 (2. Februar 2026 um 13:31)

  • Oder ist das zu naiv?

    Ich glaube naiv ist das falsche Wort. Du darfst es dir nicht so vorstellen, als wäre nur das Brettspielen ein Grund, der ins Burn-Out oder eine Depression führen würde. Meist ist das ja in Vielerlei und auch Teilen der Persönlichkeit begründet. Das kann alles sehr individuell sein und sich auch durch (äußere) Einflüsse entwickeln.

    Brettspiel-Keksperte

    Einmal editiert, zuletzt von ScreamingCookie (2. Februar 2026 um 13:34)

  • Brettspiele, oder auch Rollenspiele und vergleichbare Aspekte unseres Hobbys, können eine tolle Ressource sein. Das Spielen ob alleine oder in der Gruppe kann so viel schaffen: es kann auf gute Weise (und ohne Kosten) ablenken, es kann Verbindung schaffen, und es darf auch einfach Spaß machen, ohne dass ein utilitaristischer Zweck dahintersteht. Vermeintlich sinnlose Tätigkeiten sind wahrscheinlich das allerbeste. Kein Zweck, keine Pflicht, sondern einfach Sein dürfen und sich von den Bedürfnissen leiten lassen.

    Danke erst mal für Deine Worte. Ich sehe das ähnlich. Darum leuchtet mir noch nicht ganz ein, wie Brettspielen oder Hobbys im Allgemeinen und generell zwanglose Freizeitaktivitäten auch einen Burnout oder eine Depression auslösen könnten.

    Ich sehe bei Burnout auf jeden Fall einen Zwang, dem man nicht mehr nachkommen kann. Sei es die Arbeit, die Pflege eines Angehörigen, das Aufziehen von Kindern oder was auch immer. Also Dinge, die man eben nicht einfach mal liegen lassen kann, so wie ein Hobby. Das ist ja das tolle an einem Hobby... es ist eigentlich nur positiv zu sehen. Die negativen Aspekte kann man abstellen, ohne noch mehr darunter zu leiden, da es nicht relevant ist.

    Oder ist das zu naiv?

    Ich glaube, andersrum ist die folge von einem Burnout , einer Depression oder einem ähnlichem Zustand, dass man sich nicht mal zu eigentlich energiespendenden Dingen bewegen kann, obwohl man weiß dass es gut tun würde... im Gegenteil sogar implizit Zwang daraus entsteht („ich muss das jetzt machen weil das mir gut tut“)

    Ich merke z.B. immer, dass es bei mir nicht passt, wenn ich tolles Wetter draußen vor der Türe habe aber mich nicht rausbewegt bekomme. Und das obwohl ich weiß dass es mir dann besser gehen wird.

  • Ich lade euch herzlich ein, den Text zu lesen und hoffe, dass vielleicht irgendjemand ein Anregung für sich mitnehmen kann.

    Vielen Dank für den tollen Beitrag! Hut ab, dass du das alles in so einer kurzen Zeitspanne verstehen und beherzt hast umsetzen können, auch wenn der Prozess noch nicht abgeschlossen ist! :thumbsup: Da kann man beinahe neidisch werden... ;)

    Darum leuchtet mir noch nicht ganz ein, wie Brettspielen oder Hobbys im Allgemeinen und generell zwanglose Freizeitaktivitäten auch einen Burnout oder eine Depression auslösen könnten.

    Ich denke nicht, dass das so von irgendwem geschrieben wurde?

    Oder ist das zu naiv?

    Schon, ja.

  • Oder ist das zu naiv?

    Ich finde ja, zumindest ein wenig.

    Auf welcher Basis sich der Mensch Druck aufbaut ist komplett irrelevant. Da sind vielleicht einige offensichtlichere Punkte dabei, wie eben die Arbeit, insbesondere wenn man nicht den Luxus hat, auch mal ein halbes auf Lohn verzichten zu können, oder die Familie "ernähren" muss. Bei Burnout oder Depression liegt das Problem oft nicht im Hobby selbst, sondern im Zustand der Person. Was dir Kraft oder Spaß gegeben hat, kann sich plötzlich leer anfühlen oder sogar zusätzlichen Druck erzeugen. Die typische Beispielfrage: Warum macht mir das jetzt auf ein mal keinen Spaß mehr!?

    Auch ein Hobby kann Druck machen. Ich kenne das von mir selbst. Spiele im Regal starren dich an und blicken dich vorwurfsvoll an, weil sie nicht gespielt werden. Das "alte Ich" guckt das "aktuelle Ich" an und behauptet ich sei dem Hobby nicht mehr gerecht. Hobbies sind nicht automatisch immun gegen dieselben Mechanismen von Zwang, Erwartung und Erschöpfung, die man aus Arbeit und Verantwortung kennt.

    Gute Frage von Prodigy1971 und gute Antwort von sNice24 :)

    Zur Vollständigkeit: Den Umstand, dass ein Hobby keinen Spaß mehr macht, weil die Depression Freude an allen Dingen entzieht, ist ja recht nachvollziehbar. Durch das NIchtnutzen der eigenen Ressourcen verstärkt sich die Depression dadurch selbst. Müssen wir nicht groß ausbreiten.

    Aber ja: Tatsächlich kann ein Hobby von einer Ressource zur Belastung werden. Spiele ich, weil ich tatsächlich das Bedürfnis habe, zu spielen? Oder nagt an mir ein Pflichtgefühl, weil ich ja "mehr tun müsste", weil z.B. der "Pile of Shame" (Selbstabwertung!) anwächst, die Größe der Sammlung oder die vielen Vorbestellungen ein schlechtes Gewissen machen, mir der Konsum mitunter auch teilweise finanziell zur Last fällt? Kurz: Muss ich? Oder möchte ich?

    Hobbys sind dann tatsächlich zeitweilig Depressiva, wenn sie nicht Erleichterung vom Stress verschaffen, sondern diesen induzieren. Ich hatte in der Klinik ein eigenes "Seminar" zum Thema Stressbewältigung und auch hier ein schönes Bonmot: Stress entsteht immer dann, wenn es eine Ressourcenknappheit gibt – diesmal Ressourcen im Sinne von Zeit, Geld, Gesundheit, Freiheit etc. Ist natürlich auch wieder sehr individuell und da möchte ich niemanden verurteilen, weil eine jede, ein jeder, ganz individuelle Zugänge zum Hobby hat und in unterschiedlichen Umständen lebt.

    Ich gehe gerne bei mir selbst etwas in die Tiefe: Brettspielen war und ist mittlerweile wieder (!) eine tolle Ressource. Zwischenzeitlich, und deshalb betone ich den Überkonsum, hatte ich einen größeren Zulauf an Spielen als ich realistisch bewältigen konnte. Hat halt Spaß gemacht, sich das Dopamin beim Crowdfunding abzuholen – dafür sind die Kampagnen schließlich gemacht. Ferner habe ich es oft auch nur ganz schwer ausgehalten, irgendetwas zu verpassen (Stichwort: FOMO). Die Sammlung wurde größer und größer, meine Konto zwar nicht im Minus, aber nie wirklich prall, und die Stimme im Hinterkopf: "Du müsstest..., du solltest...".

    Mittlerweile bin ich immer noch aktiv hier im Forum und gucke mir diverse Crowdfunding-Kampagnen an. Ich nutze das bewusst zur Konfrontation, verpasse absichtlich etwas hübsches, exklusives, mit schickem Insert und Bling. Und lerne dabei, dass es mir dabei gar nicht schlecht geht. Dieses Aushalten von Unangenehmen und das Ausbrechen aus Sicherheit-stiftenden Verhaltensweisen gehört auch zum Therapieumfang. Und trotzdem werde ich Ende Februar Brass: Pittsburgh unterstützen – weil ich mittlerweile ganz gut weiß, was ich wirklich will :)

  • Ich sehe bei Burnout auf jeden Fall einen Zwang, dem man nicht mehr nachkommen kann. Sei es die Arbeit, die Pflege eines Angehörigen, das Aufziehen von Kindern oder was auch immer. Also Dinge, die man eben nicht einfach mal liegen lassen kann, so wie ein Hobby. Das ist ja das tolle an einem Hobby... es ist eigentlich nur positiv zu sehen. Die negativen Aspekte kann man abstellen, ohne noch mehr darunter zu leiden, da es nicht relevant ist.

    Oder ist das zu naiv?

    Ja.

    Eine Depression kann entstehen, wenn etwas aus dem Gleichgewicht gerät. Stell dir den Menschen als Gefäß vor, in welchen nur ein bestimmtes Maß an Belastung hinein passt. Das kannst du jetzt auf zweierlei Art regulieren. Entweder du sorgst dafür, dass da weniger Belastungen hinein laufen oder du sorgst für Ausgleich (mit Sport oder Hobbies oder ...) die den Stress aus den Belastungen schnell wieder abbauen.

    Ein Burnout ist eine Belastungsdepression. Die entsteht wenn das Gefäß überläuft. Das kann entweder dann passieren, wenn zu viel neue Belastung dazu kommt oder wenn die Strategien zum Ausgleich nicht mehr funktionieren. Meistens passiert erst der erste und dann das zweite. Aber das zweite kann durch alle möglichen Sachen passieren, das Hobby kann in Denver Psyche mit irgendwas Blödem verbunden werden. Und dann macht dir das Hobby einfach keinen Spaß mehr. Klingt relativ harmlos, ist es aber gar nicht. Das kann sehr beängstigend sein und erzeugt Dissonanz. Man erinnerst sich daran wie man früher von einem Spieleabend gut gelaunt heim gefahren ist und dann fühlt sich das genauso an, wie ein richtig beschissener Arbeitstag. Obwohl es dafür keinen Grund gibt, also keinen außer dem eigenen Gemütszustand. Bei mir war das so. (Und obwohl ich vorher schon viel über Depression wusste und ich es an anderen Menschen erlebt hatte, aber Menschen es nur beschrieben und erklärt hatten ... Darauf wie das tatsächlich ist, war ich null vorbereitet. Ich konnte es mir nicht vorstellen.)

    Aber der Thread Ersteller hat ja nicht nach einer Depression gefragt, sondern nach dem Effekt, wenn das Hobby verloren geht. Wenn er es nicht wünscht, werde ich mich mit weiteren Worten zur Depression allgemein zurückhalten.

  • Ich muss für Brettspiele ein gewisses Mass an innerer Ausgeglichenheit haben. In sehr stressigen, problembeladenen oder sorgenvollen Zeiten spiele ich eher wenig bis gar nicht. Für Phasen, in denen ich mich wenig mit dem Brettspielhobby beschäftige, kann es auch andere Gründe haben z.B. weil ich schlichtweg lieber etwas anderes in meiner Freizeit unternehme. Daher finde ich es nachvollziehbar, dass man das Brettspielhobby komplett einstellt, wenn man sich in einer wie auch immer gearteten persönlichen Krise befindet.

    Realitätsflucht ? Freizeitgestaltung ist immer Auszeit vom Alltag. Man muss aber immer aufpassen, dass man für sich in keine exzessiven Bereiche gerät. Es kommt wie überball auf die richtige persönlich Dosis an.

    Viele von uns werden wahrscheinlich diejenigen sein, die in ihrem persönlichen Umfeld hauptverantwortlich sind für die Erklärung der Regeln, neue Spiele herankarren oder Spieleabende vorschlagen. Solange man sich dabei wohl fühlt und keine negativen Gedanken enstehen, weil man sich ausgenutzt fühlt o.ä., ist alles im grünen Bereich. Ich schliesse mich einigen Vorschreibern an und würde als Person, die keinen medizinischen beruflichen Hintergrund hat, raten mich bzgl. eines 40 Jahre alten Hobbys an die guten Momente zu erinnern und jetzt nicht alles im nachhinein in Frage zu stellen, einfach die Tür zum Spielezimmer zulassen und eine Weile abwarten. Letztendlich sind Spiele Gebrauchsgegenstände, die Spass machen sollen, Kulturgut hin oder her. Wenn Du Dir sicher bist, dass sie Dir nichts mehr geben, dann können sie weg. Die schönen Erinnerung an das Hobby kann Dir niemand nehmen.

    Neben Brettspielen sind Comics mein zweites grosses dauerhaftes Hobby. In meinen 30ern habe ich fast 10 Jahre meine Sammlung nicht angefasst. Danach kam wieder der Spass zurück. Bei der Gelegenheit trennte ich mich von den Serien von denen ich glaubte sie nie mehr lesen zu werden und setzte manche Serien fort bzw. begann mit neuen Sachen. Mit Ende 40 schlief das Interesse wieder langsam ein. Seit ein paar Monaten (mittlerweile bin ich 57) lese ich wieder ab und an ein Album und trenne mich von einem Schwung Sammlungsleichen. Kurz und gut, selbst in "normalen" Zeiten können Interessen verschwinden aber auch wieder aufleben. Insofern würde ich mir nicht allzu sehr zu Herzen nehmen, dass Dein Spielerherz gerade pausiert.

  • Als ich meine erste Vollzeitbeschäftigung anfing 2017 war mir klar: Das wird nicht lange gut gehen. Der Alltag war stressig, körperlich anstrengend, mit sehr viel Selbstzweifeln verbunden und dadurch ausgelöst auch Angst.


    Problem: Es gibt nach meinem Dafürhalten keine Lohnarbeit, die das oben genannte nicht mit sich bringt. (Anderes Thema)

    Also dachte ich mir: wenn die Arbeit nervt, stürze ich mich in meine Hobbies. Ich will ja schließlich, dass mein Alltag Nebensache wird und was ich dagegen in meiner Freizeit schaffe, nenne ich einfach „meine persönliche Karriere“ - System ausgedribbelt!

    Wie fürchterlich diese Umkehr nach hinten losgehen kann, muss ich wohl niemandem erklären.


    Wenn Brettspiele plötzlich serious Business sind, werden mit einem Mal alle in meinem Umfeld, die nicht mitziehen langweilige Loser, mit denen ich nix mehr anfangen kann :D

    Ich nehme auch immer gern das Beispiel Miniaturen-Spiele. Natürlich ist das eine Freizeitbeschäftigung und die soll zwanglos genießbar sein. Ist sie aber für die meisten Einsteiger und Fortgeschrittenen nicht. Es ist mit unfassbarem Druck verbunden.


    Den ersten Satz Miniaturen, der in meine Sammlung einzieht, zu bemalen dauert bei mir schon direkt mal ein Jahr. Danach möchte ich die ersten 10 Figuren am liebsten wegschmeißen, weil die letzten 10 Figuren tausendmal besser gelungen sind, weil ich in der Zeit natürlich besser im bemalen geworden bin. Dann vergleicht man sich mit allen anderen. Dann braucht man Geländeteile und nicht zu vergessen Freunde die genauso viel Bock haben, dabei mitzumachen.


    In kürzester Zeit besitze ich also mehr Figuren, als ich jemals zu meinen Lebzeiten anmalen könnte geschweige denn wollte.

    Und so kann ich jedes andere Hobby auch auseinandernehmen.

    Es ist im Grunde der Pile of shame, der mich belastet und die eigene Unzulänglichkeit. Die eigene Erwartungshaltung an meine Freizeit.


    Es muss immer alles endgeil und perfekt sein.

    Das macht mich wahnsinnig :cursing:

    Einmal editiert, zuletzt von Gondolin (4. Februar 2026 um 07:44)

  • Yep kenne ich. Ich habe eine Zeit lang Brettspiele entwickelt. Das hat mir, damals, mehr Spaß gemacht als fertige Spiele zu spielen.
    Leider hat es nie mit einer Veröffentlichung hingehauen. Ich war deshalb irgendwann sehr enttäuscht. Ich fühlte mich wie ein Looser der nichts hinbekommt. Es fühlt sich so hart an. Jede einzelne Absage, gerade wenn es auch schon "fast" vor Vertragsabschluss war. Ich hatte dann kein Bock mehr auf Brettspiele. Hab dann 3 Jahre lang überhaupt nicht mehr gespielt. Mir kamen manchmal die Tränen, wenn ich meine Spielesammlung gesehen habe.

    Irgendwann hatte ich wieder Bock auf spielen. Denn mit Menschen am Tisch sitzen und eine gute Zeit haben fand ich super. Neue Welten und innovative Mechanismen zu entdecken, liebe ich. Deshalb spiele ich auch wieder. Ob ich je wieder mit dem Erfinden von Spielen beginne, ich weiß es nicht. Nach vielen Jahren der Reflexion kann ich aber auch darauf positiv zurückschauen.

    So habe ich durch das Spieleerfinden bspw. viel über mich gelernt. Ich bin ein guter Ideen-Geber und richtig gut im Prototyping. Ich bin aber nicht der Mensch der etwas in Perfektion zu Ende entwickelt. Ich bin auch überhaupt kein guter Verkäufer und kann mit Rückschlägen nicht so gut umgehen. Ich kann Dinge schnell erfassen und gutes Feedback geben und habe eine große Leidenschaft für einfache und elegante Lösungen. Ich bin ein Netzwerker und liebe es in einem Team zu arbeiten. Heute habe ich einen Job wo ich all das ausleben darf. Ich darf Ideen entwickeln aus dennen teilweise Projekte entstehen. Dabei übernehme ich oftmals in der Startphase die Projektleitung und baue ein Team drumherum auf. Nach der Startphase (je nach Projekt 1-3 Jahre) gebe ich die Projektleitung ab und andere mit passenderem Gabenprofil dürfen übernehmen.

  • Ich finde es immer sehr schade, wenn jemand sagt: "Flucht vor der Realität, das ist nicht das echte Leben, womit habe ich meine Zeit verschwendet?" usw. Ich finde, Brettspiele gehören genauso zur Realität wie viele andere Dinge auch. Und in den meisten Fällen ist es ja auch eine schöne Realität.

    Vor allem ist gerade das Brettspielen eine gute Art, soziale Interaktion zu betreiben. In deinem Fall war es ja wohl auch so, dass du (hoffentlich auch) Freude daran hattest, andere für Brett- und Rollenspiele zu begeistern. Für mich ist es auf jeden Fall die beste Art der sozialen Interaktion, da ich mit Smalltalk und Partys einfach nichts anfangen kann.

    Es ist definitiv nichts falsch daran, Neuem nachzugehen. Es ist aber schade, wenn man auf das alte Hobby zurückblickt wie auf eine jahrelang schlecht laufende Beziehung, die man einfach nicht beendet hat.

    Ich wünsche dir auf jeden Fall das allerbeste und dass du eine Nebenbeschäftigung findest, die dir wieder Freude bereitet.

  • Ich finde es immer sehr schade, wenn jemand sagt: "Flucht vor der Realität, das ist nicht das echte Leben, womit habe ich meine Zeit verschwendet?" usw. Ich finde, Brettspiele gehören genauso zur Realität wie viele andere Dinge auch. Und in den meisten Fällen ist es ja auch eine schöne Realität.

    Das hat mich beim Hobby Videospiele schon geärgert, da ist es fast noch schlimmer. Wie oft wurde mir gesagt, ich soll doch auch mal in der Realität leben und nicht in Videospiele "flüchten".

    Das ist keine Flucht. Ich fühle mich sehr wohl in meinem "realen Leben" das aus anderen Hobbys, Arbeit, Freunden und Familie besteht. Ich muss vor nichts flüchten. Ich erweitere nur meinen Horizont und gehe einer Freizeitbeschäftigung nach, die mir Spaß macht.

    --- Jeder siebte Post von mir enthält etwas Sinnvolles ---

  • Ich denke, dass Abschalten bei Hobbys oft fälschlicherweise als Flucht interpretiert wird. Ich bin aber sicher, dass es auch Menschen gibt, die sich durch Bücher, Brettspiele, Videospiele usw. aus dem Druck des Alltags rausholen bzw. entkommen. Ich sehe das aber selten als negativ, solange die Person trotzdem glücklich ist und sich nicht komplett darin verliert.

  • Ich finde es immer sehr schade, wenn jemand sagt: "Flucht vor der Realität, das ist nicht das echte Leben, womit habe ich meine Zeit verschwendet?" usw. Ich finde, Brettspiele gehören genauso zur Realität wie viele andere Dinge auch. Und in den meisten Fällen ist es ja auch eine schöne Realität.

    Es geht dabei nicht um die Brettspiele an sich, um die Brettspiele als Gegenstand der "Flucht". Andere besaufen sich, gehen zu Prostituierten oder meinen auf einmal, unbedingt zu einer Rockergang gehören zu müssen. Da sind Brettspiele als Mittel zum Zweck natürlich ungleich harmlos-positiver belegt.

    Es geht nicht um das Hin zu den Brettspielen, sondern das Weg von Problem X, mit dem man sich nicht beschäftigen will, obwohl man sich damit beschäftigen müsste.

    Ohne dass ich jetzt damit sagen will, dass es genau so beim Threadersteller war. Aber das ist eine Option, dass die (exzessive) Beschäftigung mit Brettspielen nicht automatisch was Positives sein muss.

  • Jetzt möchte ich mich auch mal dazu äußern.

    Für mich sind Brettspiele keine Flucht vor irgendwas. Hobbies betreibt man, weil sie Vergnügen bereiten und es in der Freizeit und im Hobbybereich (zumindest für mich) ausschließlich um Vergnügen und Spaß geht. Die Arbeit deckt für mich den Bereich des Produktiven ab. Das Hobby ist einzig dazu da, meine Freizeit mit schönen Dingen zu füllen, die mir Freude bereiten. Ob Brettspiele, Lesen, Theater. Da mache ich keine Unterschiede. Kein Hobby ist besser als ein anderes, solange derjenige, der es ausübt, Freude daran hat.

  • mcpherson

    Meine Erfahrung:

    Ob ich ein Hobby als belastend empfinde oder sich vielleicht sogar ein Burnout entwickeln könnte, hängt unter anderem auch damit zusammen, mit welchen bewußten und unbewußten Erwartungen ich es betreibe.

    Hinsichtlich der Brettspiele habe ich auch mal unterschiedliche Phasen. Negative Indikatoren sind bei mir, wenn ich genaue Vorstellungen davon habe, mit wem ich wie oft Spiel xyz gespielt haben will. Oder wenn ich mich selbst unter Druck setze, die Erlebnisse vergangener Partien immer und immer wieder wiederholen zu wollen, obwohl das nüchtern betrachtet gar nicht möglich ist. Und die Wunschvorstellung, 1x pro Woche ein #Brass auf den Tisch zu bekommen, wird wohl immer ein Wunsch bleiben.

    Menschen und ihre Vorlieben ändern sich. Besonders schwer fällt es mir das zu akzeptieren, wenn es sich um nahestehende Personen handelt, die schleichend andere Interessen entwickeln.

    Aus dem Grund widme ich mich stellenweise bewußt dem Solospiel. Ja, es ist teilweise aus Verlegenheit heraus, aber ich versuche dabei auch die Vorteile für mich hervorzuheben: Ich lese und verstehe die Anleitung in meinem Tempo, bestimme selber die Spielgeschwindigkeit, habe kaum Downtime und muß nicht permanent auf "lästige" Regelfragen antworten. Ferner macht es mir Spaß mathematisch-logische Rätsel in einer hübschen Aufmachung zu lösen. Klar, (wort-)kreative und koop-Spiele funktionieren wohl eher weniger ...

    Insofern: Was erwartest du dir vom Hobby "Brettspiel"? Zwingend ein paar schöne Stunden in geselliger Runde? Wenn du dafür die Rahmenbedingungen in absehbarer Zukunft nicht mehr siehst, denn denke darüber nach, ob es nicht an der Zeit wäre ein anderes Hobby anzufangen. Andernfalls gib dem Spielen noch eine Chance, wenn du beim Betrachten aus anderen Blickwinkeln neue positive Facetten in und an diesem Hobby entdecken kannst

  • In meinen Augen ist ein Hobby kein Eskapismus bzw. es muß keiner sein. Manchmal mag es ja zutreffen.

    In einem Hobby findet man eher seine eigentlichen Bedürfnisse gestillt, meiner Meinung nach. Ich mache das ja gerne und freiwillig! Auch in einer anderen Realität oder anderen Umständen wäre es so. Ich mache es weil ich es mag.

    Nur weil man mit einem Hobby auch der unliebsamen Realität entkommt ist das nicht gleich eine Flucht. Das würde ich doch eher als framing sehen als bräuchte man diesen Weg zur Heilung oder was auch immer.

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  • In meinen Augen ist ein Hobby kein Eskapismus bzw. es muß keiner sein. Manchmal mag es ja zutreffen.

    In einem Hobby findet man eher seine eigentlichen Bedürfnisse gestillt, meiner Meinung nach. Ich mache das ja gerne und freiwillig! Auch in einer anderen Realität oder anderen Umständen wäre es so. Ich mache es weil ich es mag.

    Nur weil man mit einem Hobby auch der unliebsamen Realität entkommt ist das nicht gleich eine Flucht. Das würde ich doch eher als framing sehen als bräuchte man diesen Weg zur Heilung oder was auch immer.

    Wahrscheinlich auch so ein Ding der sich selbst zermürbenden Boomergeneration.