Brettspiel Burnout?

  • Hallo zusammen, ich bin irgendwie an einem Wendepunkt in meinem Leben angekommen, will hier vielleicht mal mein Herz ausschütten und fragen, ob jemand von euch vielleicht ähnliches erlebt hat?


    Vor kurzem bin ich an einem Wendepunkt in meinem Leben angekommen, welches mein Leben ein wenig auf den Kopf gestellt hat. Will ich auch gar nicht näher hier eingehen.
    Aber es hat dazu geführt, das ich das Hobby, Brettspiel und Rollenspiel komplett eingestellt habe und komplett damit gebrochen habe.
    Vierzig Jahre hat mich das Hobby begleitet, aber dann kam der Punkt, wo ich es schlichtweg hinterfragt habe. Hab ich mich all die Jahre damit vor der Realität versteckt, mich vor dem wahren Leben verborgen? Hab ich es nur gemacht, um andere damit glücklich zu machen?

    Ich war meistens immer nur der Erklärer, der Spielleiter und der, welcher andere motiviert hat mitzuspielen.
    Ich kann es kaum ertragen in meinen kleinen Raum zu gehen, wo die Spiele lagern. Früher habe ich einfach mal ein Spiel geholt und angeschaut, selbst dazu kann ich mich nicht überwinden…

    Da das letztendlich meine Hobbys waren, steh ich aktuell vor dem Dilemma, und was nun? Ich hab noch keinen Ersatz dafür gefunden, außer lesen, das habe ich auch sehr gerne gemacht.

    Mittlerweile bin ich auch in Therapie, hat aber andere Gründe.
    Ich wollte mich nur mal erkundigen, ob jemand schon ähnliches durchgemacht hat und vielleicht auch einfach mal mitteilen.

    In dem Sinne liebe Grüße,

    Alex

  • Hallo Alex,

    so extrem wie du es beschreibst, habe ich das selber nicht erlebt. Aber wenn sich die Rahmenbedingungen ändern, ist es auch gut die eigenen Prioritäten und Bedürfnisse mal zu reflektieren.

    Am Ende ist es ein Hobby. Hobbies sind oft nicht sonderlich produktiv. Da kann man sich schon mal fragen wie viel Lebenszeit man darein investieren möchte. Deine Hobbies sollten dir Freude machen, dich entspannen oder auf irgendeine andere Art dazu beitragen, dass es dir gut geht. Tun sie das nicht, ist es in der Tat Zeit etwas Neues zu finden.

    Als meine Kinder zur Welt kamen, hatte ich viel weniger Zeit für Brettspiele. Das hat dazu geführt, dass ich meine Zeit viel selektiver investiert habe. Offene Spieletreffs bei denen ich Gefahr laufe mittelmäßige Spiele mit Leuten zu spielen, die mir nicht wichtig sind... kommt für mich seitdem nicht mehr in Frage.

    Unterm Strich spiele ich viel weniger, aber dafür hat meine Spielzeit eine andere Qualität.

    In der Situation die du beschreibst, musst du dich fragen, ob deine Spiele für dich eher einen Ballast darstellen und du damit gerade eher Negatives assoziierst. Dann wäre es evtl. gut Ballast abzuwerfen und Spiele loszuwerden.

    Tun sie das nicht, sondern sie sind einfach nur da und werden nicht gespielt... dann lass sie einfach ruhen und guck, ob die Lust wiederkommt. Wenn nicht, kannst du sie auch später noch loswerden.

    3 Mal editiert, zuletzt von Kaermo (1. Februar 2026 um 13:22)

  • Ich habe mal eine Zeitlang ausgesetzt, weil meine Frau schwanger wurde und wir zwei Kinder bekamen, aber sobald es einigermaßen machbar war, habe ich wieder angefangen mich mit Freunden zu treffen und zu spielen, später dann auch mit einem meiner Söhne (der andere hatte kein Interesse daran).

    Immer mal wieder hatte ich Phasen in denen mir alles zu viel wurde, denn wir haben immer bei mir gespielt, Anfangs noch jeden Samstag, später dann Aufgrund von Schichtdienst und Wochenendarbeit nur noch 1 mal alle ein- bis zwei Monate.

    Es gab Phasen, da habe ich mal ein Jahr komplett ausgesetzt, weil andere Dinge im Leben mehr Aufmerksamkeit gefordert haben.

    In meinen ca. 45 Spielerjahren ist meine Spielesammlung stetig gewachsen, meine Lebensumstände haben sich durch Scheidung, auszug der Kinder, Berufswechsel und erneute Heirat immer wieder verändert, aber das Spielen ist geblieben.

    Auch wenn meine jetzige Frau nicht am spielen interessiert ist, hat sie aber nichts dagegen, dass meine Spiele mittlerweile ein eigenes Zimmer haben in dem auch immer wieder gezockt wird, ein- bis zweimal im Monat. Ich bin fast immer der Erklärbär und auch Gastgeber was essen und trinken angeht, ich mache es gerne und freue mich, wenn es meinen Gästen gefällt. Aber ich will halt auch spielen und nicht nur Gastgeber sein, meist entscheide ich auch, was gespielt wird und bisher sind wir alle gut damit gefahren.

    Ab und zu lasse ich das Spielen mal bleiben um mit meiner Frau einige Motorradtouren zu machen oder den Tag mit dem Hund am See zu verbringen und ab und zu kommt es vor, dass mir einfach alles zu viel wird und ich einfach nur eine Weile lang meine Ruhe brauche (alter Mann halt).

    Dann widme ich mich dem anmalen meiner Figuren oder dem 3D Druck, lese viel (was ich nebenbei sowieso immer mache) oder binge eine Serie, ganz wie es mir gerade passt.

    Das Leben besteht halt aus Phasen für dies und dann aus Phasen für das, da mache ich mir keinen Kopf.

    Ein Hobby ist nicht das Leben, es bereichert es nur!

  • Hi,

    ich wünsche dir das Beste!

    Vielleicht meine 2 Cent dazu:

    1: Deine Brettspiele werden nicht schlecht, wenn du jetzt erstmal die Türe schließt und dich auf andere Dinge konzentrierst.

    2: Es gibt nicht nur alles oder nichts. Eine große Sammlung setzt einen innerlich unter Druck, ganz viel damit machen zu müssen. Es kommt dann schnell Frust auf, wenn das zeitlich oder durch andere Umstände nicht klappt. Aber alles was es wert ist gemacht zu werden, ist es auch wert halb gemacht zu werden. Hin und wieder spielen ist in meinen Augen immer noch besser als gar nicht :)

    Falls du noch mehr Blickwinkel brauchst, bei BGG kam das Thema vor kurzem auch auf:

    Struggling to stay in the hobby | BGG
    Hey all. I have been in the hobby for close to 25 years and am really struggling with playing anything or even keeping my game collection. Have any of you…
    boardgamegeek.com

    Und hier ein deutscher Artikel dazu:

    Brettspiel-News.de - Brettspiel Burnout: Wenn das Hobby zur Last wird

  • Vorweg: ich mache nicht ähnliches durch, habe aber ein paar Gedanken dazu.

    Meiner Meinung nach ist es völlig normal, in unterschiedlichen Phasen des Lebens unterschiedliche Hobbies zu haben. Das muss aber nicht zwangsweise dazu führen, dass man welche dafür hart aufgeben muss, sofern Geld, Zeit und Platz ausreichend sind. Insbesondere muss man sich nicht über ein Hobby definieren, man kann etwas auch einfach gerne machen, ohne überall als "der Brettspieler" zu gelten.

    Gerade im Brettspielbereich wird man schnell in den Konsumrausch gedrängt, und das kann irgendwann sehr belastend sein, wenn man merkt, dass man mit dem Spielen eigentlich nicht mehr hinterher kommt. Viele legen sich dann Spiele zu, von denen sie wissen, dass diese niemals auf den Tisch kommen, weil die Gruppe dafür fehlt, und plötzlich ist der Schrank/Raum/Keller voll und man weiß überhaupt nicht, wofür man das ganze Zeug überhaupt hat.

    Ich bin überzeugt davon, dass man mit deutlich weniger viele Jahrzehnte lang Spaß haben kann, ohne ständig dem neusten Trend nachlaufen zu müssen. Man muss sich nicht mental und finanziell in der hier häufig präsentierten Tiefe investieren, um Spaß am Hobby haben zu können. 50 Spiele im Schrank, die bei jeder Gelegenheit passen, schnell rausgeholt und aufgebaut sind und auch mal in kleiner Runde funktionieren reichen völlig aus, ganz ohne Kickstarter, Essen oder Youtube-Bestenlisten. Vielleicht wäre das ein Ansatz, der für dich passt. Dann musst du nicht alles aufgeben, aber es nimmt Druck raus und schafft Kapazitäten für neue Dinge (psychisch und physisch).

    Viel Erfolg!

    Ein Hobby ist nicht das Leben, es bereichert es nur!

    Das gefällt mir wirklich sehr gut und trifft in der Essenz, was ich sagen wollte.

    Hierfür werde ich zu 100% gebannt.

    Einmal editiert, zuletzt von TerraformingArse (1. Februar 2026 um 13:14)

  • Wenn du 40 Jahre lang mit diesem Hobby Spass hattest, dann wird es dir auch nach einer Pause wieder Freude bereiten. Deine aktuellen Lebensumstände „zwingen“ dich zu anderen Prioritäten, vermutlich hast du gerade auch nicht den Kopf dafür frei.

    Das Hobby soll schließlich ein Ausgleich bleiben und nicht zur Pflichtaufgabe werden. Machst du vielleicht irgendwelche „Pläne“ zum spielen - sowas wie diese 10x10 Challenge o.ä.? Lass das bleiben und genieße wieder mehr die Spontanität, jeder hat mal - egal mit welchem Hobby - irgendwann eine Auszeit davon nötig. Wenn dann die Lust daran zurückkommt, ist es umso intensiver!

    Bitte senden Sie mir Ihre E-Mail doppelt, ich brauche eine fürs Archiv :/

  • Beitrag von The1Def (1. Februar 2026 um 13:49)

    Dieser Beitrag wurde vom Autor gelöscht (1. Februar 2026 um 22:56).
  • Spielen ist ein Hobby, wenn es keinen Spaß mehr macht, sollte man eine Pause machen.

    Ich hatte das eher mit Computer- oder Handyspielen, irgendwann muss man die einfach löschen. Und auch mit Magic: the Gathering. Das Hobby darf nicht zur Pflicht/Arbeit werden, Arbeit habe ich auch so genug. Wie andere schon empfohlen haben, mach einfach ne Pause.

    Ich habe drei Kinder und nen Vollzeitjob und habe so 4-5 Tage im Jahr, wo ich Brettspielevents besuche oder Kumpels nur zum Spielen treffe. Mit der Familie spiele ich auch, aber nicht unbedingt meine Lieblingsspiele, sondern Spiele, die allen Spaß machen.

    Was nun? Wie sieht es mit Sport aus? Ich mag Ju-Jutsu/Judo aber das macht meine Schulter momentan leider nicht mit.

    Lieblingsspiele: Go, Arnak, die Weiße Burg, Mischwald (Dartmoor), Faraway

    Einmal editiert, zuletzt von Makkuroi (1. Februar 2026 um 14:09)

  • Ich kann das auch absolut nachvollziehen. Mir geht es momentan ähnlich.

    Zwei kleine Kinder. Eine wackelige Beziehung. Gesundheitlich ein bisschen angeschlagen (grade einen leichten Schlaganfall gut (zum Glück) überstanden.

    Aber schon vorher: Alles gebackt was nicht bei Drei auf dem Baum war. Mittlerweile bin ich sehr selektiver. Bin (fast) vollständig auf Cosims und Tabletop umgestiegen. Ich spiele und kaufe nur wenn es mich wirklich interessiert.

    Ich bin schon immer gut damit gefahren meine Hobbies zu roulieren.

    Lesen, Klemmbausteine, Comics, Brettspiele oder digital zocken. Sobald ich eine gewisse Übersättigung feststelle, wird gewechselt. So geht das eigentlich immer gut.

    Nur nie selbst unter Druck setzen. Das ist das Wichtigste.

    - In Progress -

    Lieblingsorte für den nächsten Urlaub:

    Arkham, Innsmouth, Newberryport und Dunwich

    Lieblingsessen: Calamares fritti (eigentlich Lasagne)

    Nichts ist tot, was ewig stinkt. Bis Seife den Geruch bezwingt.

  • ALLES im Leben nutzt sich irgendwann ab! Behaupte ich einfach mal weil das meine Beobachtung und mein erlebtes Empfinden ist. So manches Hobby ist bei mir auch schon unter die Räder gekommen.

    Daher würde ich sagen, es ist kein Grund zur Sorge wenn es dir jetzt so ergeht mit dem Spielehobby. Wie viele schon vorher schrieben, mach einfach mal Pause!

    Und wenn z.B. die Psyche Auslöser für dieses Down sein sollte oder eine andere Belastung, die werden hoffentlich mit der Zeit auch überwunden. Mit der Zeit kommt Veränderung.

    Ich hatte diese Spiele-Pause schon zweimal. Eine freiwillig, eine unfreiwillig. Und gerade scheint eine dritte Pause bei mir angelaufen zu sein. Allerdings keine Abstinenz sondern so eine Art "Hobby auf Sparflamme". Da muß man dann einfach mal in sich reinhören und seiner inneren Stimme Gewicht geben. Sagt die: "Mach mal halblang", dann hat das sicherlich gute Gründe.

    Neue Hobbies können eine schöne Sache sein. Vielleicht hilft es dir ein wenig Interesse für was neues zu finden? Das muß kein Hobby im verbreiteten Verständnis sein. Das kann auch Spazierengehen, Kochkurse machen oder andere Nationalitäten erkunden sein. Whatever! Das Leben ist zu kurz. Gib dich hin wonach auch immer es dich treibt.

    Und zurück zu den Spielen kann man ja immer. Spielen gehört außerdem zum Leben dazu. Es ist ein Teil des Lernens. Daher wird das auch wieder mal besser, würde ich vermuten.

    Kopf hoch!

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  • Lebensumstände und Interessen ändern sich immer wieder, das ist weder ein Zeichen, dass man jahrelang das falsche Hobby gehabt hätte, noch in irgendeiner Form eine Schande.


    Ich selbst habe vor etwas über 15 Jahren P&P-Rollenspielen den Rücken gekehrt. Das Hobby hatte ich über 20 Jahre ausgeübt, sehr intensiv, es hat den größten Teil meiner Freizeit ausgemacht, aber irgendwann war die Luft raus und ich habe keinen Spaß mehr daran gehabt. Also bin ich nach einer einjährigen Probezeit, ob ich doch wieder Lust daran finde, aus dem Hobby ausgestiegen, habe meine Sammlung verkauft und mir ein neues Hobby gesucht.

  • mcpherson : wie du uns angedeutet hast, gab es einen Wendepunkt in deinem Leben, der dazu geführt hat, dass du jetzt einiges in Frage stellst.

    Vielleicht stellt man fest, dass man Dinge hätte anders priorisieren sollen oder man wurde enttäuscht.

    Ich sehe das so. Du hast hast als Spielleiter und Spielerklärer Freunde und Bekannte zusammen geführt. Du hast die Initiative ergriffen und warst dir treibende Kraft. Das ist schon ein Grund zu sagen, ich bin stolz auf mich, ich habe etwas bewegt und bewirkt.

    Als Spielleiter hast du wahrscheinlich Freude daran gehabt, Abenteuer zu lesen und zu leiten. Als Spielerklärer hast du dich über deine neuen Spiele gefreut und die Anleitungen gerne gelesen. Versuche nicht alles in Frage zu stellen.

    Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wenn dich die Spiele in deinem Spielzimmer belasten, dann trenne dich davon. Das kann befreien. Wenn du das nicht kannst oder möchtest, dann setze dich nicht unter Druck. Lass das Spielzimmer, Spielzimmer sein und betritt es erstmal nicht mehr.

    Fokussiere dich auf deine Therapie. Vielleicht kann dir dein Therapeut helfen, andere Sachen/Wege für dich zu entdecken.

  • Alles Gute auf jeden Fall, dass sich es wieder wie gewünscht entwickelt und wenn man wieder Luft und Muse hat, kommt bestimmt die Freude am Spiel wieder. Durch Arbeit habe ich gerade auch wenig Energie mit Freunden zu spielen und da immer die Spieleabende zu organisieren. Dafür spiele ich mit meinen Kids viel.

    Irgendwann haben sie keine Lust mehr, mit dem Papa zu spielen, dann werde ich wieder Freundeskreise priorisieren und reaktivieren.

    Dir alles Gute!

    Das Leben bewegt sich in Wellen und schaukelt mal ab aber dann geht es wieder auf.

    Halt die Ohren steif!

    Einmal editiert, zuletzt von Vega (1. Februar 2026 um 20:48)

  • Vierzig Jahre hat mich das Hobby begleitet, aber dann kam der Punkt, wo ich es schlichtweg hinterfragt habe. Hab ich mich all die Jahre damit vor der Realität versteckt, mich vor dem wahren Leben verborgen?

    Ich befürchte, ein bisschen ist das so. Nicht nur mit Spielen, auch mit anderen Dingen, aber eben AUCH mit Spielen. Ich habe irgendwann das PC-Spielen aufgegeben, weil die Zeit so sinnlos investiert war. Endlose Stunden, nix bewegt. Dann hab ich viel Zeit mit Spielen (und anderem Kram) vergeudet. Ja, ich sage vergeudet, weil: Der soziale Aspekt an Spielen ist toll, den wollte ich auch nicht missen. Am Ende ist es aber ein konsumierendes Hobby, kein "schaffendes". Das führte dazu, dass ich dauernd neues spielen müsste, immer alles kennen musste, doofe Zeitschriften gelesen habe (heute würde man YT schaun...). Am Ende ist es aber nicht so befriedigend wie andere Hobby, bei denen man etwas "leistet". das tut man beim Spielen eher nicht.

    Also viel Zeit investiert in diese Blase, die so belanglos ist. Wirklich, ja, Spiele sind ein Kulturgut. Aber machen wir uns doch nix vor - auf einem Level mit anderen Künsten sind sie nicht. Vllt. noch für den Autor, aber keinesfalls für die Konsumenten. Ein Theaterstück, eine Oper, ein Musikstück, ein anspruchsvolles Buch - all das ist anspruchsvoll, spielen nicht, spielen ist konsumieren - ähnlich wie Netflix schaun. Und Konsumieren gibt Dopamin. Und das macht happy.

    Nicht dass ich deswegen jetzt alles gut machen würde. Ich verschwende immer noch Zeit mit Nonsens. Aber beim Spielen kommt noch dazu, dass man sich den Nonsens hart erarbeiten muss (immer wieder Regeln etc.). Das versuche ich zu vermeiden, und spiele inzwischen weitgehend nur dass, was ich mag, ohne den Anspruch alles gespielt/besessen haben zu müssen. Trotzdem designe ich auch mal ein sinnloses 3D-Insert. Aber immerhin spiele ich weitgehend nur noch mit Freunden aus Spaß, nicht aus Zwang. Immerhin ein kleiner Fortschritt.

    Ich drücke Dir die Daumen, dass bei Dir alles (inkl. der Hobbys) wieder ins Lot kommt...

  • Ein Theaterstück, eine Oper, ein Musikstück, ein anspruchsvolles Buch - all das ist anspruchsvoll, spielen nicht, spielen ist konsumieren

    Den Vergleich finde ich falsch. Aus Sicht der Person im Publikum ist das alles nur Konsumieren. Aus Sicht des Musikers, der Schauspielers, des Autors und des Grafikers ist es aber kreatives Schaffen.

  • Ich denke das ist nicht das Thema hier, aber - Ja, man konsumiert alles davon, aber die Komplexität des Konsumierten ist schon deutlich anders, ebenso der Antrieb dazu. Ein Spiel ist einfach keine kulturelle Herausforderung (oder: meist nicht). Ein Theaterstück etc. kann (!) das sein. Natürlich kann ich mich auch da berieseln lassen, wenn ich das will, aber vermutlich gehe ich dann eher nicht hin.

    Für mich (!) gilt schaffendes Hobby > konsumierendes Hobby (anspruchsvolles Konsumgut) > komsumierendes Hobby (anspruchsloses Kulturgut). Und wie gesagt - ich spiele trotzdem noch gerne, vorzugsweise mit Family oder guten Freunden. Nicht um des reinen Spielen willens.

    Und: Eigentlich ging es primär um die Frage des Threaderstellers, und ich würde sagen: Ja, das Spiele-Hobby kann eine sehr starke Ausweich-Handlung sein.

  • Ein Freund von mir hat mal gesagt: man kann sich in alles hineinnerden. Ob es Whisky, Spiele oder Wandverputz ist.

    Ist das schlecht? Ich denke nicht, solange es einen interessiert, man neue Facetten entdeckt. Aber wenn der Threadsteller das Gefühl hat, dass er andere Menschen motivieren muss, um sein Hobby ausüben zu können, dann klingt das anstrengend. Ich kann die Ermüdung förmlich zwischen den Zeilen spüren.

    Aber das erkannt zu haben ist doch gut. Ruh dich aus, das Ende vom Hobby ist nicht das Ende. Entweder es kommt wieder Spaß daran auf oder auch nicht. Erstmal: abschalten, Pause machen. Auf sich selbst achten.

  • Ich weiß nicht, ob es in deine Richtung geht und/oder dir vielleicht auch ein wenig hilft, aber bei mir ist es so:

    Ich war immer ein unerschütterlicher Optimist, dem seine Freizeit und ein "leichtes" Leben wichtiger war als Dinge wie Geld etc.

    2024 Krebs gehabt, körperlich sehr anstrengender Beruf, dazu leider die Neigung zum extremen prokrastinieren. Dazu Probleme in der Beziehung, die zum Teil auch auf den vorher genannten Aspekten beruhen. 2022 - auf Empfehlung meiner nichtspielenden Freundin! - erstmals den wöchentlichen Spieletreff hier besucht, der dann nach und nach zur Freizeitbeschäftigung Nummer 1 wurde (vorher hatte ich andere Hobbies; letztmals regelmäßig gespielt wurde davor bis 2014).

    Ende 2023 dann im Spieletreff eine Frau kennengelernt, mit der ich mich nach und nach sehr gut verstanden habe, zumal wir der selbe Spielertyp sind. Die Story mit ihr ist wieder eine andere (passiert ist nix), aber alles zusammen hat dazu geführt, dass ich in letzter Zeit fast schon monatlich zwischen "ich will an Spieleabenden mitnehmen was geht" und "ich schmeiß das alles hin" schwanke. Ich hab zumindest gemerkt, dass das Spielen eine Flucht aus den Problemen des Alltags ist. Was super sein kann, aber nicht immer super ist. Zumal ich wohl auch Bedeutung und den Anspruch an diese Abende (alles soll möglichst toll sein, damit es mir generell gefällt) zunehmend stark überhöht habe. Als ich mich die Tage mit der o.g. liebgewonnenen, aber eher flüchtigen Bekannten (auf diesen Status hatte es sich irgendwo eingependelt) nochmals per WA über ein "Aufreger-Detail" des Abend zuvor austauschen wollte, meinte sie nur, diesen Aufreger hätte sie längst schon wieder vergessen. Sie wollte mir aber eh mal sagen, dass ihr seit längerem auffällt, dass mir wohl das innere Gleichgewicht fehlt und ich wohl Emotionen schlecht kontrollieren könne. Bäm, der saß. Ich bin wohl aktuell ein Mensch, dessen Art ich selbst eigentlich nicht ausstehen kann.

    Bisserl den Faden verloren.... aber was ich sagen wollte: Vielleicht ist es auch für mich besser, das Hobby ein wenig hintenanzustellen. Ich sehe da ein paar Parallelen, wenngleich's bei dir anscheinend so ist, dass dir das von dir aus gerade keine Freude mehr bereitet, während es bei mir eher so ist, dass ich wohl besser meinen Fokus auf andere Dinge lenke, um nicht weiter beim Spielen als Maniac rüberzukommen.

    Ich glaube einfach, bei einem doch recht speziellen Hobby (als das sehe ich intensives Brettspielen durchaus an) ist es ein ziemlich schmaler Grat zwischen "Bereicherung für den Alltag" und eher negativ konnotierter "Flucht aus dem Alltag". Dementsprechend kann auch die Bedeutung für einen selbst recht kurzfristig sehr stark schwanken.

  • Ich kann es ein Stück weit nachvollziehen und würde sagen dass ich es in kleinen Phasen ähnlich fühle. Diese Phasen sind bei mir oft der Ausdruck, dass mein Leben und sowas wie meine Bedürfnis/Überzeugung/Weltsicht/u.ä.-Struktur nicht gut zu dem Leben passt in welchem ich mich befinde. Die Folge sind Grübeln, Zweifel und in letzter Hinsicht Depression mit Verlust von emotionalen Bezug, Stillstand und Interessenverlust.

    Vor diesem Hintergrund haben Brettspiele einen vglw. schweren Stand: Ich empfinde sie inhaltlich an sich als weitestgehend bedeutungslos. Ein Buch/Theater/Film kann mir eine andere Perspektive auch Dinge bieten, mich mit Unerwarteten konfrontieren und mir einen Inhalt bieten, welcher in Phasen von Grübeln, Hinterfragen und Zweifeln bedeutsam ist. Die soziale Komponente natürlich toll, aber weniger tief als ein längeres Gespräch mit einem Freund. Oftmals stehen dann irgendwann auch eben die Brettspie im Mittelpunkt, auf die ich mich dann auch nur schwer konzentrieren kann.

    Für mich sind Brettspiele eine Tätigkeit, bei der ich gut partizipieren kann wenn mein Leben in den richtigen Bahnen liegt und ich die Dinge darin nicht konstant hinterfrage. Und dann machen sie mir auch richtig Spaß. Wenn ich mich in anderen Phasen nicht darauf einlassen kann und sie leer und bedeutungslos wirken kann ich mir sagen, dass sie sicher später, wenn diese Phase abebbt, wieder Spaß machen werden. Zumindest war es bislang immer so. Mir hat also eine Akzeptanz geholfen, dass Brettspiele zur Zeit einfach nicht gut zu meinen Bedüfrnissen und Denkstrukturen passen, andere Dinge jetzt wichtiger sind es aber später sehr wahrscheinlich wiederkommt. Ich bin dennoch zu meinen emotional nahen Gruppen gegangen, weil ich die Menschen trotzdem sehen wollte. Hing immer davon ab wie gut ich das Gefühl der fehelnden Bedeutung akzeptieren konnte.

  • Ich kann es ein Stück weit nachvollziehen und würde sagen dass ich es in kleinen Phasen ähnlich fühle. Diese Phasen sind bei mir oft der Ausdruck, dass mein Leben und sowas wie meine Bedürfnis/Überzeugung/Weltsicht/u.ä.-Struktur nicht gut zu dem Leben passt in welchem ich mich befinde. Die Folge sind Grübeln, Zweifel und in letzter Hinsicht Depression mit Verlust von emotionalen Bezug, Stillstand und Interessenverlust.

    Vor diesem Hintergrund haben Brettspiele einen vglw. schweren Stand: Ich empfinde sie inhaltlich an sich als weitestgehend bedeutungslos. Ein Buch/Theater/Film kann mir eine andere Perspektive auch Dinge bieten, mich mit Unerwarteten konfrontieren und mir einen Inhalt bieten, welcher in Phasen von Grübeln, Hinterfragen und Zweifeln bedeutsam ist.

    Wie schnell spürst du in diesen grübelnden, zweifelnd Phasen, dass du dich in einer solchen befindest ? Kann der (nicht vorhandene) Spaß an Brettspiel in Indikator für sich sein, dass eine solche Phase im Anmarsch ist oder merkst du das auch so schnell genug ?

    Einmal editiert, zuletzt von Estalion (2. Februar 2026 um 07:27)

  • Ein Theaterstück, eine Oper, ein Musikstück, ein anspruchsvolles Buch - all das ist anspruchsvoll, spielen nicht, spielen ist konsumieren - ähnlich wie Netflix schaun.

    Von all den Beispielen ist (Brett-)Spielen doch das einzige, wo eben nicht nur konsumiert wird. Theater, Oper, Musik, Bücher können Denkprozesse in unserem Hirn anstossen, aber wir konsumieren sie erstmal, ebenso wie Netflix. Denkprozesse anregen können natürlich auch Spiele.

    Ein Cosim, gepaart mit einem Buch zum Konflikt, ist imho der ideale Weg zum Verstehen eines Konfliktes. In Spielen lerne ich Entscheidungen zu treffen, zu verhandeln, zu planen, die Strategien anderer Akteure zu erkennen und vieles mehr. Spiele halten den Geist fit, manche auch den Körper.

    Das Theater ist ein Schauspiel, die Oper ein Singspiel, der Musiker spielt sein Instrument. Überall sind die Spieler die Aktiven, die Konsumenten sind die Passiven.

    Gruß aus dem Münsterland
    Herbert

    ______________________________

    I'm old enough to know what's wise
    and young enough not to choose it

    Einmal editiert, zuletzt von Herbert (2. Februar 2026 um 12:22)

  • Ein Theaterstück, eine Oper, ein Musikstück, ein anspruchsvolles Buch - all das ist anspruchsvoll, spielen nicht, spielen ist konsumieren - ähnlich wie Netflix schaun.

    Von all den Beispielen ist (Brett-)Spielen doch das einzige, wo eben nicht nur konsumiert wird. Theater, Oper, Musik, Bücher können Denkprozesse in unserem Hirn anstossen, aber wir konsumieren sie erstmal, ebenso wie Netflix und natürlich auch Spiele.

    Ein Cosim, gepaart mit einem Buch zum Konflikt, ist imho der ideale Weg zum Verstehen eines Konfliktes. In Spielen lerne ich Entscheidungen zu treffen, zu verhandeln, zu planen, die Strategien anderer Akteure zu erkennen und vieles mehr. Spiele halten den Geist fit, manche auch den Körper.

    Das Theater ist ein Schauspiel, die Oper ein Singspiel, der Musiker spielt sein Instrument. Überall sind die Spieler die Aktiven, die Konsumenten sind die Passiven.

    Kann man so sehen. Und ich habe auch nicht behauptet, dass man beim Spielen nicht aktiv ist. Auch nicht, dass es nicht als Gehirnjogging gut wäre. Aber: Du konsumierst das Produkt. Ob durch zuhören oder durch Pöppel-Schienen - Du konsumierst. Spiele konsumiert man halt durch: Spielen. Aber nicht falsch verstehen - meiner (!) Meinung nach stehen Spiele (sofern in passendem sozialen Rahmen gespielt) "über" Netflix-Serien. Weil man a) was mit Menschen macht und b) eben aktiver denken muss.

  • Ich finde es auch ziemlich wirr zu behaupten, z.B. Theater sei sinniger als Brettspielen (und ich liebe gute Musik, gute Filme und gute Bücher genauso wie gute Brettspiele)

    Deshalb die Betonung auf meine (!) Meinung. Ich habe auch nix von sinniger gesagt glaube ich. Meine Wertschätzung ist trotzdem unterschiedlich, auch wenn ich beides gerne mache. Mir ging es darum, für den Threadersteller meine PErspektive zu zeigen, weniger darum sie zu diskutieren :) Das würde viele Seiten füllen, und wäre auch kein Spaß in einem Brettspieleforum...

  • Vor diesem Hintergrund haben Brettspiele einen vglw. schweren Stand: Ich empfinde sie inhaltlich an sich als weitestgehend bedeutungslos. Ein Buch/Theater/Film kann mir eine andere Perspektive auch Dinge bieten, mich mit Unerwarteten konfrontieren und mir einen Inhalt bieten, welcher in Phasen von Grübeln, Hinterfragen und Zweifeln bedeutsam ist. Die soziale Komponente natürlich toll, aber weniger tief als ein längeres Gespräch mit einem Freund. Oftmals stehen dann irgendwann auch eben die Brettspie im Mittelpunkt, auf die ich mich dann auch nur schwer konzentrieren kann.

    Wobei das immer auf den Inhalt des Mediums ankommt oder nicht? Ich habe sicherlich einige Film zum Thema Bürgerkrieg angeschaut und Bücher hierzu gelesen, aber nichts davon ist mir so nahe gegangen und hat mich derart zum Grübeln gebracht wie das Spiel "This War of Mine". Gerade die Brettspielumsetzung ist klasse und schmeißt nur so mit moralischen Fragestellungen, Priorisierungsabfolgen und Denksporträtseln um sich. Für mich persönlich kann ich nur berichten, dass Brettspiele mein Gehirn deutlich mehr fordern als Computerspiele und ich durch das aktive Spielen und Denken angeregt werde, was Bücher, die Oper, Netflix usw. in der Regel nicht einmal ansatzweise schaffen. Bei letzteren ist mal halt passiv irgendwo und lässt sich berieseln. Wobei das natürlich wiederrum auf die Komplexität des Inhalts ankommt. Es gibt schon immer wieder Bücher und Filme, die meinen Horizont erweitern und mich zum Nachdenken anregen. Das gibt es bei Brettspielen allerdings genauso.

    mcpherson Hab ich mich all die Jahre damit vor der Realität versteckt, mich vor dem wahren Leben verborgen? Hab ich es nur gemacht, um andere damit glücklich zu machen?

    Die beiden Fragen halte ich für sehr relevant und kann dir leider keine Antwort darauf geben. Ich habe zwar immer wieder Phasen in denen ich weniger (oder gar nicht spiele), dass liegt aber eher an der zeitlichen Verfügbarkeit und schlechten Regelwerken. Als Realtitätsflucht habe ich Brettspiele bisher aber nie begriffen. Deine zweite Frage würde mich deutlich mehr beschäftigen. Siehst du das jetzt im Nachhinein so, oder hat dir das sehr lange, sehr viel Spaß gemacht und hat in den letzten Jahren einfach zu viel Energie gezogen, weswegen sich eine eigentlich positive Wahrnehmung in eine negative umgekehrt hat?

  • Diese Unterteilung in Betätigungen, die etwas schaffen oder leisten und denen, die das nicht tun, halte ich für nicht hilfreich, mitunter geradezu schädlich.

    Und über den Begriff der Leistung oder des Geschaffenen haben wir da noch nicht mal gesprochen.

    Etwa kann die Auseinandersetzung mit Regeln und Spielsituationen auch wunderbar als Demenzprävention verstanden werden, nur mal so als schnelles Beispiel.

    Es wird hier teilweise der Eindruck erweckt, Spielen sei etwas "wertloses", wo es doch viele Untersuchungen gibt, was Spielen für die menschliche Entwicklung alles leisten kann.

    Und was ist z.B. mit Rollenspiel, das zum Teil in "Gruppenarbeit" ganze Geschichten oder emotionale Momente erschaffen kann, die zwar nur von einem kleinen Kreis konsumiert werden, was aber für die Konsumenten nicht weniger wertvoll sein dürfte.

    Ebenso ist es mit der Flucht vor der Realität. Die Dosis macht immer das Gift. Ich kann über die Beschäftigung mit einer Ablenkung Herausforderungen und Probleme des Alltags ignorieren und es vernachlässigen, diese zu lösen, so dass sie sich vielleicht immer mehr auftürmen und an Belastung gewinnen. Generell ist eine Ablenkung vom Alltag aber sicher nichts schlechtes, sondern im Gegenteil eher geeignet, ein Ausgleich zu sein und psychische Gesundheit zu erhalten und zu fördern.

  • Aus Respekt vorm Threadersteller, der hier ja ein ernstes Thema anspricht und auch einiges von sich preisgibt, wäre es vielleicht angebracht, die Dikussion Theater & Co. vs. Brettspiele gesondert zu diskutieren? :) Also falls da noch jemand Bedarf sieht...

    Ich kann es ein Stück weit nachvollziehen und würde sagen dass ich es in kleinen Phasen ähnlich fühle. Diese Phasen sind bei mir oft der Ausdruck, dass mein Leben und sowas wie meine Bedürfnis/Überzeugung/Weltsicht/u.ä.-Struktur nicht gut zu dem Leben passt in welchem ich mich befinde. Die Folge sind Grübeln, Zweifel und in letzter Hinsicht Depression mit Verlust von emotionalen Bezug, Stillstand und Interessenverlust.

    So extrem wie du es beschreibst, mcpherson , kenne ich es nicht, aber das hier Zitierte kann ich für mich so unterschreiben.: auch hier haben sich Lebensumstände geändert, die allgemeine Belastung durch Beruf und Familie wurde immer größer und dazu kamen schwere, depressive Phasen mit Emotionsverlust, Interessenverlust, Rückzug. Das kollidierte auch bei mir enorm mit dem (selbst erzeugten!) Druck, beim Hobby am Ball zu bleiben, informiert zu sein, zu kaufen, gespielt zu haben, usw. - Burnout im Hobby trifft es schon ganz gut. Ich kann dir nur raten, die mit dem Hobby verbrachte Zeit jetzt nicht in Frage zu stellen oder ewig zu grübeln, sondern das Gute darin zu sehen und wenn das Hobby jetzt pausiert, ist das kein Problem. Und wenn das Hobby durch ist, ist das auch kein Problem. :)

    Von Zwängen wie 10x10 Challenge & Co. halte ich mich schon immer fern, weil ich mir keinen zusätzlichen Druck im Hobby machen will, aber das oben angesprochene Problem ist auch nicht von heute auf morgen zu lösen. Mir hat geholfen, es hört sich bestimmt dämlich an, beim Blick auf die Spielesammlung zu versuchen herauszufinden, ob die Spiele als solches Emotionen hervorrufen (z.B. durch Erinnerungen an bestimmte Abende, Menschen oder einfach nur, weil sie eben besonderen Spaß machen). Wenn dem nicht so ist, können sie im Grunde weg. Also bezogen auf den Umstand, dass die physische Präsenz der Spiele Unbehagen bereitet. Ich habe so zumindest eine Menge ausgemistet und fühle mich seitdem deutlich besser damit. Ich weiß aber auch, dass es Phasen gibt, in denen man das vielleicht gar nicht einschätzen kann und dann wäre mein Tipp einfach: Tür zu und ignorieren, bis sich das ändert. Läuft ja alles nicht weg, wird nicht schlecht. :)

    Ich glaube auch, dass es gut und wichtig wäre, ein anderes Hobby zu finden. Leicht ist das nicht, wenn man da nicht schon etwas mitbringt. Aber wenn es das Lesen z.B. ist, warum denn nicht? :) Bei mir war es das Radfahren. Habe ich früher schon gern gemacht, ist dann aber seit fast zwei Jahren vermutlich am Brettspielen vorbeigezogen oder zumindest auf Augenhöhe. Hat im Gegensatz zum Brettspiel den entscheidenden Vorteil, dass Sport generell sehr befreiend wirken kann. Dazu entfernt man sich zwangsläufig auch aus der gewohnten Umgebung gepaart mit Natureindrücken und ganz anderer Achtsamkeit.

    Für die Zukunft drücke ich dir jedenfalls die Daumen

  • Bei mir ist vor ca. 2 Jahren auch eine massive Ermüdung aufgetreten. Ich hatte bis dato alles gepackt was nicht bei 3 auf dem Baum war und hatte daher um die 25 Spiele in der Pipeline, die noch kommen würden. Dazu die Spiele auf dem POS. Das hat unheimlichen Druck erzeugt, zumal wir die Spiele auch wirklich spielen wollten und nicht nur auspacken, abspielen und verkaufen.

    Dann kamen die ersten Totalausfälle bei Kickstarter. Das tat weh. Aber ich habe gemerkt dass es mir bei diesen und anderen Spielen total egal war, ob sie noch kommen oder nicht. Ich war sogar erleichtert wenn sie nicht kamen. Es ging also nur noch ins ab arbeiten.

    Zudem kamen dann noch kleine andere Faktoren dazu. Zum einen hatte ich ein paar Jahre lang stark mit meiner Psyche zu kämpfen (danke dafür an die Arbeit), zum anderen wurde Brettspielen so elitär (privat...hier im Forum), dass es mir einfach keinen Spaß mehr gemacht hat, mich mit Leuten darüber auszutauschen. Es gab nur noch DAS Spiel oder DIE Art, etwas zu bemalen, zu sleeven, zu backen....

    Ich habe mich also aus dem meisten raus heute. Der POS sinkt weiter, während die letzten 10 Spiele noch ausstehen zur Auslieferung. Ende nächsten Jahres sollte ich auf Stand sein. Dann wird das Hobby hoffentlich wieder angenehmer.


    Meine 2 Cent: säg alles ab womit du dich nicht wohlfühlst, was dir nicht gut tut. Wenn es dir dann wieder gut tut, steig wieder ein. Es ist am Ende nur ein Hobby. Loslassen kann sich schwierig anfühlen, aber wenn du es dann mit Abstand betrachtest, wunderst du dich, warum du so lange gezögert hast. ;)

    Incoming: Chronicles of Drunagor / Tidal Blades 2 / Robomon / Elder Scrolls / Stonesaga / The Last Spell / Dragon Eclipse / Rove / So You've Met A Thousand Year Old Vampire
    Wackelkandidaten: Streetmasters / USS Freedom / Stormsunder
    Totalausfälle: Green Hell / Darkest Dungeon

  • Ein Theaterstück, eine Oper, ein Musikstück, ein anspruchsvolles Buch - all das ist anspruchsvoll, spielen nicht, spielen ist konsumieren - ähnlich wie Netflix schaun.

    Um ehrlich zu sein könnte diese Aussage meiner Meinung nach nicht falscher sein! Denn Theater (besuchen), Opern (besuchen), Musik (hören), Bücher (lesen) - DAS ist konsumieren. Denn man setzt sich in den bequemen Sessel und lässt sich beschallen - ähnlich wie Netflix schauen. Klar kann es mich anregen über Dinge nachzudenken - ähnlich wie Netflix schauen. Über den Gehalt lässt sich natürlich streiten, aber auch auf Netflix findet man ja nicht nur Mist. Genauso wie man im Theater und in der Oper nicht nur Gutes findet.

    Spielen hingegen ist eine kreative Leistung, die als reines "Beschallen" nicht funktioniert. Es ist also das Gegenteil von "nur konsumieren".

    Zum Kern des Threads zurück:

    Hab ich mich all die Jahre damit vor der Realität versteckt, mich vor dem wahren Leben verborgen? Hab ich es nur gemacht, um andere damit glücklich zu machen?

    Das sind schon zwei heftige Fragen, die sich wohl a) nicht gemeinsam beantworten lassen und b) auch niemand im Forum beantworten kann. Liebt man ein Hobby? Schön! Kommt man dadurch in finanzielle oder zwischenmenschliche Bredouillen? Dann ist es vielleicht doch etwas viel. Das kannst nur Du beantworten.

    Meine Meinung grundsätzlich dazu: Ein Hobby hat den Sinn zweckfrei zu sein. Sonst würde ich es nicht Hobby nennen.

    Ich kann es kaum ertragen in meinen kleinen Raum zu gehen, wo die Spiele lagern. Früher habe ich einfach mal ein Spiel geholt und angeschaut, selbst dazu kann ich mich nicht überwinden…

    Da das letztendlich meine Hobbys waren, steh ich aktuell vor dem Dilemma, und was nun?

    Solche Punkte kenne ich auch. Ich denke, es ist auch OK, wenn sich Interessen verschieben. Nichts ist so stetig wie der Wandel selbst. Wenn das Herz nicht mehr dran hängt, dann ist das eben so. Wenn andere Gründe den Spaß daran kaputt machen, ist auch das eben so. Ein Hobby ist da, um den Alltag zu erleichtern. Wenn es das nicht kann, dann ist es kein Hobby mehr. Dann darf man ruhig hinterfragen, ob man das alles noch so möchte.

    Bei mir war es damals die Abkehr vom ganzen Motorrad-Thema. Ich habe die letzten Jahre nur noch "durchgehalten", aus einem total bescheuerten Grund: Ich hatte immer im Kopf, dass ich so viel investiert habe - so viel gesehen und so so so viel gelernt - das kann doch jetzt nicht alles ungenutzt in meinem Kopf lagern?! Die letzten Jahre haben mich die Erlebnisse mit den Schülern dabei über Wasser gehalten und durchaus Spaß gemacht. Aber sobald die Sessions und Gespräche vorbei waren, sobald der Aufwand, das Reisen wieder dazu kamen, sackte die Stimmung wieder ab. Letzten Endes hat ein harter Cut geholfen, mit der simplen Frage: Ist es mir das alles wert? Die Zeit, das Geld, der Aufwand, die Mühen, das Risiko?! Letztlich war dann die Antwort ein klares Nein. Zumindest zu 95% klar. Aber das reichte.

    Vielleicht ist auch einfach ein Downgrade eine Möglichkeit? Auch da habe ich gelernt, dass man auch an Hobbys festhalten kann, wenn man sie nicht zu 110% macht. So habe ich nach Jahren dieses Jahr meine Wakeboard-Ausrüstung an einen jugendlichen verschenkt, der sich riesig darüber gefreut hat. Das ist ein Hobby, das kann ich auch 1-2x im Jahr mit einer Leihausrüstung ausüben und habe nicht ständig im Nacken, dass da ein paar Hundert Euro an Material im Keller liegen, die "bewegt werden wollen". Und das ist auch gut!

    Grundsätzlich:

    Wie sagt man so schön? Der Mensch braucht etwas für das Herz, für den Körper, für den Verstand und für die Seele. Kommt ein Viertel davon zu kurz oder wird ein Viertel zu gewichtig, rutscht man aus dem Gleichgewicht. Das ist für mich eine der wichtigsten Lehren gewesen: Das Ziel - quasi die Quest ;) - ist es, diese 4 Dinge jeden Tag zu haben. Herz, Körper, Verstand und Seele. Nicht alles davon geht immer, aber es hilft schon ungemein, sich dessen bewusst zu sein und die folgenden Tage dann entsprechend zu gestalten.

  • Ich kann es ein Stück weit nachvollziehen und würde sagen dass ich es in kleinen Phasen ähnlich fühle. Diese Phasen sind bei mir oft der Ausdruck, dass mein Leben und sowas wie meine Bedürfnis/Überzeugung/Weltsicht/u.ä.-Struktur nicht gut zu dem Leben passt in welchem ich mich befinde. Die Folge sind Grübeln, Zweifel und in letzter Hinsicht Depression mit Verlust von emotionalen Bezug, Stillstand und Interessenverlust.

    Vor diesem Hintergrund haben Brettspiele einen vglw. schweren Stand: Ich empfinde sie inhaltlich an sich als weitestgehend bedeutungslos. Ein Buch/Theater/Film kann mir eine andere Perspektive auch Dinge bieten, mich mit Unerwarteten konfrontieren und mir einen Inhalt bieten, welcher in Phasen von Grübeln, Hinterfragen und Zweifeln bedeutsam ist.

    Wie schnell spürst du in diesen grübelnden, zweifelnd Phasen, dass du dich in einer solchen befindest ? Kann der (nicht vorhandene) Spaß an Brettspiel in Indikator für sich sein, dass eine solche Phase im Anmarsch ist oder merkst du das auch so schnell genug ?

    Ich merke es inzwischen früh genug, meist bevor ein allgemeiner Interessenverlust eintritt. Der Verlust des Interesses an Brettspielen ist für mich isoliert kein zuverlässiges Indiz - Interessenschwerpunkte können sich ja phasenweise verschieben und muss nicht auf eine kommende depressive Episode hinweisen. Es kommt auf den Kontext an und da gibt es Hinweise, die stärker sind. Aber es kann schon ein Hinweis sein, insbesondere wenn an die Stelle nichts anderes tritt und im Kontext eines allgemeinen Verlust von Interesse und Freude steht.

    Des weiteren wollte ich keinesfalls Brettspiele als Hobby schlechter stellen als Theater u.ä.. Ich glaube es ist sehr schwer ein allgemeines Ranking der Wertigkeit von Hobbys zu schaffen, weil es einfach ein Ausdruck ist welche Wertigkeit man ihr zuweist. Ein Hobby sollte einem zu aller erst Freude bereiten und man sollte es bestenfalls um seiner selbst willen tun. Ich würde es schwierig finden ein Hobby nur zu betreiben um einen Nutzen davon zu haben. Deswegen, gut dass du darauf hinweist Forollkin , der Eindruck sollte nicht erweckt werden und sollte nur die Verschiebung der eigenen Bedeutungszuweisung in diesen Phasen verdeutlichen. Ich finde die Durchoptimierung des eigenen Lebens bis in die eigenen Hobbys hinein ebenfalls sehr schädlich!

    Ich hab das Gefühl dass diese Diskussion aber auch wegführt von dem wirklich tollen und ehrlichen Eingangsposting. Da würde vielleicht noch unterstreichen was andere schon dazu geschrieben haben: Sich nicht verrückt machen und erstmal akzeptieren dass es jetzt gerade so ist. Die Sachen verfolgen die dir jetzt bedeutungsvoller erscheinen, auch wenn sie sich vielleicht noch nicht in Gänze gezeigt haben. Es ist gut zu versuchen sich um sich selbst kümmern und die Therapie wirken lassen und ihr Zeit zu geben. Es ist gut möglich dass du zu dem Hobby zurückfindest - vielleicht dann auch in anderer Form. Ich hoffe diese "guten Ratschläge" gehen nicht zu weit, es ist immer von Person zu Person unterschiedlich und haben im Grunde nur Gültigkeit für die eigene Lebenswelt. Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute auf diesem Weg!

  • Bei mir war es so mit Filmen. Jahrelang liebend gerne so viele Filme geschaut wie nur möglich und irgendwann fühlte es sich an wie abarbeiten.

    Seit ca. 2 Jahren schaue ich nur noch vereinzelt mal einen Film, wenn ich richtig Lust drauf habe.

    Das ist toll :)

    Im Brettspielhobby bin ich ja erst seit ca, 3 Jahren. Das Ziel ist es, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen wie mit meiner Film-Leidenschaft.

  • Ich sehe es wie Puma , lass uns eine mögliche (oder nicht mögliche) Wertigkeit hier nicht weiter diskutieren - ich wollte auch keine Diskussion starten (wie gesagt), sondern nur auf die Frage des Threaderstellers eingehen. Und da denke ich schon, dass gerade Spielen diesen Druck erzeugen kann, ein Zeitgrab werden kann, und man hinterher fragt "was tue ich eigentlich". Warum? Weil man so endlos viel Zeit versenken kann mit allen Themen des Spielens und rund ums Spielen. Ich behaupte, wenige Opernfans tun das in diesem Ausmaß, in unserem Hobby gehört das aber stark dazu.

    Daher auch mein Tipp - such Dir (zumindest zusätzlich) ein anderes Hobby, Sport (muss leider eh sein im Alter :) ), lern vllt. ein Instrument. Am Ende kannst natürlich nur Du das beurteilen, würde mir nicht anmaßen, aus nem kurzen Post das wirklich beurteilen zu können.

  • Leider kenne ich mich mit dem Thema Burnout auch ein bisschen aus. Und ich wende mich gerade zwar nicht vom Brettspielen ab, aber dafür von einem anderen langjährigen Hobby (ein Kampfsport).

    Und um es ganz einfach zu sagen, ein Hobby sollte etwas sein, was einem gut tut. Einen angenehmen Ausgleich schaffen, Leichtigkeit in den Alltag bringen. Und wenn es das jetzt gerade nicht ist, dann mach etwas anderes, was dir das gibt.

    Vielleicht findest du auf andere Weise zum Hobby Brettspiel zurück. Denn wenn du das 40 Jahre lang praktiziert hast, gab es da sicher viele Aspekte die dir daran Freude bereitet haben. Wahrscheinlich ist das jetzt nicht alles weg. Und ich möchte dich in jedem Gedanken bestärken, der irgendwie sagt, dass es das auch wert war. Und Hobbies sind immer ein bisschen eine Ausflucht aus der Realität. Das ist ihre Aufgabe. Die Gedanken "von der Realität versteckt oder vor dem wahren Leben verborgen" sind dabei nicht deine Freunde. Diese Gedanken werten das ab, woran du viele Jahre lang Freude hattest. Wenn die Zeit nun zu Ende ist, ist das okay. Aber du hast dabei nichts verpasst. (Hättest du ein anderes Hobby gehabt würdest du vielleicht das stattdessen gedanklich so bearbeiten.)

    Was mir das eine Hobby, der Hausputz den ich aufgebe, verleidet hat, waren Ansprüche und Erwartungen. Ansprüche von mir an meine eigene Leistung denen ich nicht mehr unbedingt gerecht wurde, Erwartungen von Anderen im Kontext der Gruppe. Ich weiß nicht, wie es bei dir ist, aber die Konstellation die du beschreibst klingt für mich so, als wären da jede Menge Ansprüche und Erwartungen im Spiel. Ich habe das so gelöst, dass ich stattdessen einen anderen Kampfsport begonnen habe. Da sind die Absprache weg, da lerne ich Neues. Und es sind immer noch viele der Elemente da, die mir auch an meinem alten Hobby Freude bereitet hatten.

    Auf jeden Fall wünsche ich dir viel Durchhaltevermögen auf deinem aktuellen Weg.

  • Woran erkennt man denn einen Brettspiel-Burnout? Kauft man keine Spiele mehr, spielt man keine Spiele mehr oder hat man beim Spielen keine Freude mehr? Also ich habe in jedem meiner Hobbys ups and downs. Darum habe ich mehrere davon. Aber ich habe noch nie mit einem Hobby endgültig "gebrochen". Aus keinem der oben genannten Gründe. Dann wurde dieses Hobby eben weniger praktiziert, darin hätte ich aber nie einen Burnout gesehen.

    Diesen Begriff würde ich für eine Freizeitbeschäftigung nie wählen, da er sich für mich dafür viel zu ernst und gewichtig anfühlt.

    --- Jeder siebte Post von mir enthält etwas Sinnvolles ---

  • Aus Respekt vorm Threadersteller, der hier ja ein ernstes Thema anspricht und auch einiges von sich preisgibt, wäre es vielleicht angebracht, die Dikussion Theater & Co. vs. Brettspiele gesondert zu diskutieren? :) Also falls da noch jemand Bedarf sieht...

    Ich denke schon, dass das relevant ist, aber aus einer etwas anderen Perspektive den Sinn betreffend...

    Ich habe z.B. jahrelang Theater gespielt und Regie geführt im studentischen uns semi-professionellen Bereich. Damit hat man natürlich ein künstlerisch-schaffendes und kreatives Hobby. Meiner Meinung nach hast du das im Brettspiel aber auch insofern, als das du dich kreativ mit einem Puzzle / Problemlösungen beschäftigst. Klar mag es zwischen Hobbies unterschiedliche gesellschaftliche Stellenwerte geben, aber auch die sind vielschichtig. Vielleicht mag "Agricola" von der Art des Kulturguts weniger Wert sein als ein "Faust", dafür bringt das Spiel Menschen zusammen und man übt sich im Umgang mit Konflikten. Alles eine Frage der Sichtweise...

    Worauf ich eigentlich hinaus will ist, dass man für sich nicht hinterfragen soll, ob Brettspielen oder Theater sinnvoller ist, sondern was für dich und deine eigenen Bedürfnisse in der aktuellen Lebensphase sinnvoll ist, Sinn macht und Freude bereitet. Warum möchtest du etwas tun, wie fühlst du dich dabei, was ist deine Motivation, was treibt dich an?

    Mit Theater hab ich damals angefangen, weil ich mich dadurch selbst besser kennengelernt habe. Das hat dann dazu geführt, dass ich auch Regie gemacht habe, weil ich Lust hatte mich kreativ auszuleben und ein Stück visuell zu gestalten und zu interpretieren. Am Ende musst ich dann feststellen, das ich es nur noch wegen der vielen netten Menschen und Freunde gemacht habe, die ich dort kennenlernen durfte. Nach Umzug in eine neue Umgebung hab ich nochmal versucht damit anzufangen, aber das Interesse war nach knapp 20 Jahren verflogen.

    ab ich mich all die Jahre damit vor der Realität versteckt, mich vor dem wahren Leben verborgen? Hab ich es nur gemacht, um andere damit glücklich zu machen?

    Ich war meistens immer nur der Erklärer, der Spielleiter und der, welcher andere motiviert hat mitzuspielen.
    Ich kann es kaum ertragen in meinen kleinen Raum zu gehen, wo die Spiele lagern. Früher habe ich einfach mal ein Spiel geholt und angeschaut, selbst dazu kann ich mich nicht überwinden…

    mcpherson Diese und ähnliche Fragen hab ich mir auch gestellt. Ich war in Behandlung nach Burn-Out und in diesem Zuge kamen solche Fragen hoch. Auch in Zusammenhängen, die augenscheinlich erstmal nichts mit den direkten Gründen zu tun hatten. Von daher kann ich nur empfehlen, auch solche Anliegen zu adressieren, da sie dich ja (scheinbar) belasten. Ich will das nicht weiter an dieser Stelle ausführen, falls da Interesse an einem Austausch besteht, gerne per PM.

    Da das letztendlich meine Hobbys waren, steh ich aktuell vor dem Dilemma, und was nun?

    Hier gibt es vielleicht mehrere Ansätze. Zum einen könntest du darüber nachdenken, ob es innerhalb des Brettspielhobbies andere Bereiche gibt, die für dich nun in den Fokus gerückt sind und eine Motivation vorhanden ist, einfach was neues innerhalb des alten Hobbies zu entdecken.

    Ansonsten kann ich nur empfehlen, einfach mal in sich reinzuhören. Was wolltest du schon immer mal ausprobieren? Gibt's irgendetwas was du mal lernen wolltest aber nicht gemacht hast? Dazu ist zu sagen, in einer solchen Situation herauszufinden was man wirklich will ist richtig schwierig. Für mich hab ich eine Lösung gefunden, an der ich jetzt länger bastle und die ich immer noch für mich umzusetzen versuche, denn meist geht es auch nicht von heute auf morgen und die meisten haben ja auch nicht die Möglichkeit, ihr Leben komplett auf den Kopf zu stellen. Mal abgesehen, dass das in solchen Situationen auch sicher nicht immer sinnvoll wäre.

    Schau vielleicht einfach mal, was es bei dir in der Nähe für Treffen und Veranstaltungen von Gruppen gibt, die augenscheinlich interessant klingen. Such dir was für dich raus und geh einfach mal hin. Das kostet natürlich Überwindung, aber lohnt vielleicht. Im Zweifel hat man etwas Zeit und Mühe in den Sand gesetzt. Und nicht aufgeben, wenn es bei den ersten Anläufen so nicht klappen sollte. Abraten würde ich vom Konsum digitaler Medien, die scheinen das Loch füllen zu können, isolieren meiner Ansicht nach aber letzten Endes.

    Um nochmal den Bogen zum Theater zu bekommen. Meine Empfehlung ist z.B. einfach mal in eine Theater- oder Improtheatergruppe reinzuschnuppern. Mir hat das früher wie gesagt sehr geholfen, nochmal andere Facetten an mir selbst zu entdecken und mich auszuprobieren.

    Und noch wichtig: Man ist nie zu alt um sich neu zu entdecken und weiterzuentwickeln ;)

    Brettspiel-Keksperte

  • Wenn sich Deine Lebensumstände ändern, ändern sich auch Deine Prioritäten. In der Psychologie ist das als die Maslowsche Bedürfnispyramide bekannt: Manche Bedürfnisse sind wichtiger als andere, und erst wenn die Grundbedürfnisse erfüllt sind, kann man sich weniger wichtigen Bedürfnissen wie der Selbstverwirklichung widmen. Hobbies gehören da ganz sicher in den oberen Teil der Pyramide, die sind nicht prioritär wenn es zum Beispiel gerade mit Gesundheit, Arbeit, Wohnung, oder Familie größere Probleme gibt.

    Aber auch wenn alle Basisbedürfnisse gedeckt sind, muss ein bestimmtes Hobby ja nicht gleichbleibend die beste Lösung sein. Ich habe 40 Jahre lang Rollenspiele (meist D&D in allen Editionen) gespielt, und spiele die jetzt seit 3 Jahren gar nicht mehr. Dafür halt jetzt mehr Brettspiele als früher. Magic the Gathering habe ich etwa 10 Jahre gespielt, als das noch neu war, und dann irgendwann die Lust verloren (bzw. das Kosten/Nutzen Verhältnis wurde mir zu schlecht). Die Magic Karten habe ich damals mit großem Verlust verkauft, aber das nie bereut, weil die ja so schnell veralten. Meine 50 D&D Bücher stehen noch im Regal. Vielleicht kommen sie irgendwann mal auf den Dachboden, aber der Wiederverkaufswert geht da ja gegen Null, und es hängen doch schöne Erinnerungen daran, deshalb möchte ich sie nicht wegwerfen.

  • Ich verfolge diesen Thread schon ein Weilchen und ich habe nur darauf gewartet, dass ich mal etwas Zeit und eine richtige Tastatur unter die Finger bekomme. Obacht und Trigger-Warnung: Ich teile hier gleich sehr persönliche Dinge im Kontext von Burnout, Depression, und damit verbunden auch Ressourcen. Ich bin der Meinung, dass mehr offen über diese Themen gesprochen werden sollte, tue das im echten Leben oft, und möchte auch hier teilen.

    Ich lade euch herzlich ein, den Text zu lesen und hoffe, dass vielleicht irgendjemand ein Anregung für sich mitnehmen kann. Ich melde mich gleichzeitig vorab von etwaigen Unknowns-typischen Endlos-Wortklaubereien (ich hab dieses Forum wirklich sehr gern) ab und lasse das einfach so hier stehen :)

    Mein Hintergrund

    Ich habe selbst Depression. Meine Hausärztin hatte mich nach langem Anlauf mit (im Nachhinein) sehr vielen und deutlichen Vorzeichen im Spätsommer 24 das erste mal diagnostiziert und (zunächst gegen meinen Widerwillen) krankgeschrieben. Ich hatte das Glück, von Januar bis März 25 in einer tollen psychosomatischen Klinik viel aufarbeiten und lernen zu dürfen, und dann im Sommer eine sehr herzliche Rückkehr ins Arbeitsleben zu haben (mit viel Verständnis für meine Krankheit und Situation, sowie einer neuen, passenderen Rolle im Team).

    Vor meiner ausgedehnten Arbeitsunfähigkeit kam viel zusammen: langanhaltende Unzufriedenheit wegen chronischer Überbelastung im Job, die Mehrbelastung durch das Zusammenleben mit Kind, die Nachwehen von Corona, und dann eine ganze Serie von Schicksalsschlägen im unmittelbar familiären Umfeld – darunter mehrere plötzliche Hirnoperationen, wonach meine Eltern innerhalb von Monaten zu anderthalb Pflegefällen wurden und im wahrsten Sinne offene Baustellen hinterließen.

    In der Zeit habe ich, das wird jetzt niemanden überraschen, mir sehr viel aufgehalst: habe die Betreuung für meinen Vater übernommen, die Räumung und den Verkauf seines vorigen Hauses und noch vieles mehr. Gleichzeitig brannte in der Arbeit die Hütte (ich war für einige rechtliche Themen verantwortlich) und ich habe alle Teller angedreht, bis es eben nicht mehr ging. Gleichzeitig hatte ich dadurch weniger Zeit für Freunde, für Familie, für Hobbys, für Sport – also für irgendeine Form von Ausgleich.

    Viele kennen das klassische Bild einer Depression: Quasi bettlägerig, nicht mehr imstande, auch nur einen Schritt ins Bad oder gar vor die Tür zu tun. Das gibt es auch. Dann gibt es aber auch und gar nicht mal selten: Hochfunktional, aber eben auch starke Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, Panikattacken, Freudlosigkeit, Gefühlskälte, Dissoziation, Isolation – bis hin zu Substanzmissbrauch und selbstverletzendem Verhalten. Im Arbeitskontext nennt man das „Burnout“, aber unterm Strich ist es für mich einfach eine Depression.

    Freudlosigkeit (der Fachbegriff ist Anhedonie), bei mir einhergehend mit einer völligen Unfähigkeit Emotionen außer Angst und Wut zu empfinden, hatte sich komplett durch das ganze Leben metastasiert. Eben auch dorthin, wo vorher meine eigentlich schönen Hobbys waren. Der Spaß daran war verschwunden, einfach nicht mehr existent – Spielen wurde zur leeren Handlung, man muss ja funktionieren. Schlimmer noch: Als kurzen Dopamin-Fix habe ich mir eben tatsächlich noch mehr Games gekauft – ich könnt euch vorstellen: Teufelskreis.

    In der ambulanten Therapie, aber vor allem stationär in der Klinik habe ich erarbeitet, was meine persönlichen Depressions-Marker sind (siehe oben), aus was meine dysfunktionalen Lösungsstrategien bestehen, welche Glaubenssätze dahinter wuchern, und aus welchen vergrabenen Traumata sich diese ursprünglich entwickelt hatten. Ich habe auch gelernt, mich wohlwollend zu akzeptieren und auch dankbar dafür zu sein, wie weit mich auch die nicht optimalen Handlungsweisen im Leben getragen haben.

    Was sind Ressourcen und wie erkenne ich sie?

    Ebenso wichtig ist es, und da bin ich auch ein Jahr nach der Klinik immer noch mitten im Lernprozess, bessere Lösungsstrategien für sich zu finden, welche nach und nach die alten ablösen dürfen – das nennt man Ressourcen (und auf das will ich mit langem Anlauf eigentlich hinaus). Das ist ein langes und schwieriges Stück Arbeit, weil der Körper die Sicherheit des Bekannten mag und Veränderungen gegenüber eher zögerlich gegenübersteht. Ich rutsche heute noch häufig in alte Muster, erkenne das aber auch schneller und kann wohlmeinend gegensteuern, ohne selbst in Schuldgefühle abzudriften (à la „Jetzt habe ich es wieder verbockt!“).

    Was ist eine Resource und wie unterscheide ich sie von einer dysfunktionalen Lösungsstrategie? Hier wird mir für immer eine Gruppenstunde mit unserer Körpertherapeutin in der Klinik im Gedächtnis bleiben – allen voran der Satz: Ressourcen haben keine (hohen) Kosten. Und Kosten sind hierbei allgemein zu verstehen, nicht auf einen Warenwert bezogen – anders gesagt, wirken Ressourcen als Antidepressiva und alles mit Kosten als Deppresiva: Alkohol, starker Konsum, exzessive Arbeit, you name it (am Ende ist es ohnehin sehr individuell).

    Brettspiele, oder auch Rollenspiele und vergleichbare Aspekte unseres Hobbys, können eine tolle Ressource sein. Das Spielen ob alleine oder in der Gruppe kann so viel schaffen: es kann auf gute Weise (und ohne Kosten) ablenken, es kann Verbindung schaffen, und es darf auch einfach Spaß machen, ohne dass ein utilitaristischer Zweck dahintersteht. Vermeintlich sinnlose Tätigkeiten sind wahrscheinlich das allerbeste. Kein Zweck, keine Pflicht, sondern einfach Sein dürfen und sich von den Bedürfnissen leiten lassen.

    Wenn man natürlich mitten in einer Depression steckt, hat man keine Freude an irgendwelchen Ressourcen und lässt sie als allererstes auf der Strecke liegen. Aus diesem Grund ist die Verschreibung von Antidepressiva einer der ersten Dinge, die ein Arzt nach Diagnose affektiver Störungen tut – man stelle sich das als Fremdstarten für den Serotonin-Haushalt vor; so lange, bis man mithilfe von Therapie und Zeit die Kraft und den Willen findet, Veränderungen im Leben vorzunehmen. Ich bin ja heute noch nicht über dem Berg, bin mal schlechter drauf und lustlos, und dann sage mir häufig „Tu es trotzdem!“.

    So viel Deep-Talk. Danke, dass du durchgehalten hast! Vielleicht noch die Bemerkung: Mir geht es gerade recht gut. Aber auch ich hatte viel Stress vor Weihnachten (wer hat den nicht) und keinerlei Erholung danach (Geschäftsidee: „Kindergarten! A Pandemic Game“). Das hat mich mindestens in den orangen Bereich gebracht, ich habe viel funktioniert und wenig auf mich geachtet. Ich hatte sogar Hobby-Kater (so nennt es mein Therapeut), als ich zwei Wochen lang meine Blood-Bowl-Bases in CAD perfektioniert hatte (siehe 3D-Druck-Thread). Ich habe das aber auch erkannt und mit Ressourcen gegengesteuert – jetzt habe ich wieder Wind unter den Flügeln.

    Hier noch ein paar meiner Ressourcen, die ich heute sehr schätze und welche für mich (!) unguten Handlungsweisen sie nach und nach ablösen (neben meinem Bildschirm hängt noch ein „Ideen-Speicher“ mit vielen Anregungen, den ich mir in der Klinik gemacht habe):

    • Spazieren gehen (statt immer nur Joggen)
    • Tee trinken (statt Alkohol)
    • Yoga und Meditation (statt exzessives Training)
    • Spiele spielen (statt immer nur kaufen)
    • Bücher lesen (statt Handy gucken)
    • Freunde treffen
    • Essen gehen
    • Einen Film schauen
    • Musik hören
    • Früh ins Bett gehen

    Allgemeiner Service-Hinweis: Das ist meine Geschichte und ich bin weder Psychologe noch Psychiater – ja, laut meiner Klinik-Therapeutin „weiß ich mittlerweile alles“ und „müsste nur ins Tun kommen“, aber denkt bitte daran, dass alles sehr individuell ist. Außerdem: Falls sich jemand bereits depressiv wähnt, aber noch keine Hilfe hat: Geh zur Hausärztin, zum Hausarzt – man wird dich ernst nehmen, man wird dir zuhören. Falls du alleine nicht willst oder nicht die Kraft hast: Sag einem guten Freund, dass er das managen und gegebenenfalls mitkommen soll

    Einmal editiert, zuletzt von Xebeche (2. Februar 2026 um 13:00)

  • Was ist eine Resource und wie unterscheide ich sie von einer dysfunktionalen Lösungsstrategie? Hier wird mir für immer eine Gruppenstunde mit unserer Körpertherapeutin in der Klinik im Gedächtnis bleiben – allen voran der Satz: Ressourcen haben keine (hohen) Kosten. Und Kosten sind hierbei allgemein zu verstehen, nicht auf einen Warenwert bezogen – anders gesagt, wirken Ressourcen als Antidepressiva und alles mit Kosten als Deppresiva: Alkohol, starker Konsum, exzessive Arbeit, you name it (am Ende ist es ohnehin sehr individuell).

    Das Bild kante ich noch nicht. Danke für's teilen und deinen offenen Beitrag!

    Brettspiel-Keksperte

  • Alles hat seine Zeit. Und Lebensumstände - und damit auch die eigenen Bedürfnisse - ändern sich immer wieder.

    Ich mag Brettspiele, aber seien wir ehrlich: In vielen Runden die Person zu sein, die immer Spiele vorbereitet und erklärt, ist auch zeitaufwendig und mitunter anstrengend. Gerade wenn mein Alltag voll ist, wenn mein Kopf voll ist mit anderen Dingen, habe ich da auch nur begrenzt Kapazitäten.

    Mein Alltag ist auch voll mit Vollzeitjob und Familie. Und es hat sich aus verschiedenen Gründen so ergeben, dass ich eine Zeit lang recht wenig gespielt habe, nachdem es vorher mehrere Jahre intensiv war. Und ja, da habe ich auch gemerkt, welche Kontakte abhängig von Brettspiel-Aktivitäten stehen und fallen. Ein bisschen schade, aber nicht zu ändern.

    Aber so viel Freizeit bleibt hier auch nicht und es gibt noch andere Dinge, die Platz haben müssen oder sollen. Natürlich die Kinder aber auch z. B. Gartenarbeit, Sport aus gesundheitlichen Gründen und auch sowas wie Cello (liebe es!) spielen. Ich nehme seit zwei Jahren Unterricht und da gehört regelmäßiges Üben natürlich dazu. Wichtig ist, für sich selbst die Balance zu halten.

    Gerade spiele ich wieder etwas mehr Brettspiele und habe Lust, die ungespielten Titel in meinem Regal nach und nach zu erkunden und dann zu entscheiden, ob sie bleiben dürfen. Ich habe allerdings die letzten Monate auch schon ausgemistet und auch ungespielte Spiele, die mich nicht mehr reizen, ohne Reue verkauft. Für mich sind Brettspiele aber gerade ein Hobby unter mehreren und nicht DAS Hobby.

    Vielleicht bist du mit dem Hobby durch, vielleicht hilft auch einfach Pause und Abstand und danach vielleicht eine Neudefinition. Alles ist okay.
    Ich würde jetzt auch gar nicht versuchen, da eine endgültige Entscheidung zu treffen. Einfach die Gedanken zulassen und dann auch erst mal wieder weglegen. Du wirst merken, wenn sich eine konkrete Entscheidung bildet, mach dir da keinen Druck.