Welche Tatort-Stadt als nächstes?

  • Wir sind gerade dabei, Duisburg zu beenden - schauspielerisch ist das zwar oft nicht gerade das Beste - und die Drehbücher sind auch oft hanebüchen durcheinander, aber Schimanski und Thanner sind Kult. 29 Folgen großer Spaß!

    Jetzt überlegen wir, welche Stadt / welches Ermittlerteam wir uns als nächstes vornehmen? Initiale Ideen sind:

    Kiel: Borowski fand ich in den Tatorten, die ich so mal gesehen habe, richtig gut. Und von "der stille Gast" konnte ich ne zeitlang echt schlecht schlafen. Richtig gut.

    Berlin: Rubin und Karow hab ich zwar schon fast mal durchgesehen - aber das war für mich auch richtig gut. Und gerade die sehr gute Darstellung dieser beiden sehr unterschiedlichen Charaktere war sehr überzeugend

    Köln: Ballauf und Schenk sind sicher auch zwei Charaktere, die einen für sich gewinnen können.

    Was ich nicht so gern möchte: Münster. Die fand ich anfangs richtig gut - aber irgendwann wurde es mir doch deutlich zu klamaukig - gerade mit dem "Vadder" im Taxi.

    Ebenfalls ungern: ältere österreichische. Irgendwie hatte das immer was von Kammerspiel für mich.

    Paul Trimmel (HH) könnte interessant sein - zumal damit ja der Grundstein für Tatort gelegt wurde.

    Welche Ermittlerteams liegen euch am Herzen? Was ist sehenswert?

  • Da gibt es nur drei richtige Antworten:

    - Zoll: Kressin, der obercoole Zollinspektor auf den Spuren von James Bond. Nicht sein erster Fall, aber der Beste zum reinkommen ist Kressin stoppt den Nordexpress, mit Gitte Henning in tragender (bzw. wenig tragender) Gastrolle. Story: Kressin will eigentlich nur ein paar Pornos über die dänische Grenze schmuggeln, da wird sein Zug entführt.

    - Schleswig Holstein: Finke, dargestellt von Klaus Schwarzkopf. Gleich sechs seiner Fälle sind von Wolle Petersen, Reifenzeugnis gehört zum besten was das Fernsehen der 1970er zu bieten hat.

    - Hessen/Murot: Nie wieder war der Tatort so gut wie unter Tukur, der auch die beste Folge aller Zeiten zu verantworten hat (Im Schmerz geboren).

    2 Mal editiert, zuletzt von Schachtelmeer (26. Januar 2026 um 15:33)

  • Wie wäre es denn mit dem "Vorgänger" von Schimanski: Kommissar Haferkamp (gespielt von Hansjörg Felmy) aus Essen? War jedenfalls beim Publikum damals sehr beliebt und hatte hohe Einschaltquoten. Ich habe ihn - wie auch Schimanski - gerne gesehen.

  • Murot hatte ja auch schon ein paar sehr spezielle Fälle. Erinnert mich auch etwas an Borowski. Gab schon einen an Shakespeare abgelehnt es fall mit den (damals) meisten Tatort töten und auch ne und- täglich -grüßt-das-Murmeltier Homage

    Sonst halt Stöver und Brockmöller, wenn man es klassisch mag.


    Hans von Meuffels im Polizeiruf fand ich auch grandios.

    Schmücke und Schneider aus Halle (Saale) sind Kult für mich.

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  • Da gibt es nur drei richtige Antworten:

    - Zoll: Kressin, der obercoole Zollinspektor auf den Spuren von James Bond. Nicht sein erster Fall, aber der Beste zum reinkommen ist Kressin stoppt den Nordexpress, mit Gitte Henning in tragender (bzw. wenig tragender) Gastrolle. Story: Kressin will eigentlich nur ein paar Pornos über die dänische Grenze schmuggeln, da wird sein Zug entführt.

    - Schleswig Holstein: Finke, dargestellt von Klaus Schwarzkopf. Gleich sechs seiner Fälle sind von Wolle Petersen, Reifenzeugnis gehört zum besten was das Fernsehen der 1970er zu bieten hat.

    - Hessen/Murot: Nie wieder war der Tatort so gut wie unter Tukur, der auch die beste Folge aller Zeiten zu verantworten hat (Im Schmerz geboren).

    Bei allen 3 gehe ich mit. Mein Lieblingskommissar war Delius vom MAD (gab nur 2 oder 3 Folgen)

    Ansonsten fand die alten Münchner Tatorte mit Kommissar Veigl und nicht zu vergessen "Monaco-Franze" Kommissar Lenz ganz gut (Herausragend 3:0 für Veigl bei der WM74). Etwas neuer aber noch recht alt Palü aus dem Saarland, Bienzle aus Stuttgart und falls Du damals keine Telekom-Aktien gekauft hast Stöver und Brockmöller.

    Bei die Thiel und Börne bin ich bei Dir anfangs super, danach stark nachgelassen. Das gab aus meiner Sicht oft, dass die Staffeln stark nachlassen.

  • Wie wäre es denn mit dem "Vorgänger" von Schimanski: Kommissar Haferkamp (gespielt von Hansjörg Felmy) aus Essen? War jedenfalls beim Publikum damals sehr beliebt und hatte hohe Einschaltquoten. Ich habe ihn - wie auch Schimanski - gerne gesehen.

    Habe ich damals auch. Aus heutiger Perspektive finde ich die allerdings grauenhaft.

    Trimmel hat - wie ich finde - auch heute noch was.

    Gruß aus dem Münsterland
    Herbert

    ______________________________

    I'm old enough to know what's wise
    and young enough not to choose it

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  • Ansonsten fand die alten Münchner Tatorte mit Kommissar Veigl und nicht zu vergessen "Monaco-Franze" Kommissar Lenz ganz gut (Herausragend 3:0 für Veigl bei der WM74).

    Dieser, Quasi-Münchner findet es immer wieder faszinierend wie sich die Stadt seitdem verändert hat. Wenn man im Prinzip alle Lokalitäten kennt macht das schon noch was

    Ich gebe hier, auch wenn ich es im Text nicht explizit erwähne, immer meine persönliche Meinung wieder.

  • Reifenzeugnis gehört zum besten was das Fernsehen der 1970er zu bieten hat.

    Der war damals der Hammer, heute ist er immer noch gut.

    Ist das der, der im TÜV-Milieu spielt?

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  • Oh, Tatort, mein Thema: Von den bisherigen 1327 Folgen habe ich ca. 900-1000 gesehen. 8-))

    Ich finde es sehr schwierig, die alten Tatorte mit den modernen zu vergleichen. Generell würde ich entweder ganz alte aus den 70ern nehmen oder erst in den 2000ern starten, weil das meiste aus den 80ern und 90ern schlecht gealtert ist. Die Drehbücher waren oft richtig schlecht!

    Klassiker aus den 70ern:

    • Essen / Haferkamp (1974-1980), 20/21 Folgen: Einer der größten Sympathieträger damals.
    • Bundesweit / Kressin (1971-1973), 7 Folgen: Zollfahnder, extrem cool und herausragend.
    • Kiel / Finke (1971-1978), 7 Folgen: dazu hat Schachtelmeer bereits oben geschrieben.
    • Hamburg / Trimmel (1970-1982), 11 Folgen: Basiert auf einer Romanreihe. Schon der allererste Tatort "Taxi nach Leipzig" ist sehenswert, es folgten einige besondere Fälle mit einer Flugzeugentführung und einem Dreh während eines Fußball-Bundesliga-Spiels im Stadion.
    • München / Veigl (1972-1981), 15 Folgen: Gustl Bayrhammer. Gustl Bayrhammer! Mehr muss man nicht wissen!

    "Normale" Tatorte aus den letzten 25 Jahren (zu 98% typische Whodunits):

    • Köln / Ballauf + Schenk (seit 1997), 94 Folgen: Zwei Sympathieträger, meist sehr solide Krimis
    • München / Batic + Leitmayr (seit 1991), 99 Folgen (nach 100 ist Schluss): Hier gilt dasselbe wie bei Ballauf + Schenk
    • Kiel / Borowski (seit 2003), 44 Folgen: Milberg spielt Borowski wortkarg, stoisch, entsprechend geht es hier meist leiser zu mit weniger Action.
    • Frankfurt / Steier + Mey (2011-2015), 7 Folgen: Joachim Krol in der Rolle von Steier war großartig, und Nina Kunzendorf als Gegenpart ebenfalls. Alle 7 Fälle sind sehenswert und gipfeln in einem großartigen Finale mit Armin Rohde. Unbedingt empfehlenswert!

    "Besondere" Tatorte:

    • Wiesbaden / Murot (seit 2010), 14 Folgen: Jeder Film dieser Reihe ist mehr Kunst als Krimi und meist eine Hommage an irgendetwas aus der Filmgeschichte, sei es "Und täglich grüßt das Murmeltier", eine Zeitreise ins Dritte Reich, ein Zombiefilm u. v. m.
    • Weimar / Dorn + Lessing (2013-2021), 11 Folgen: Nora Tschirner und Christian Ulmen in den Hauptrollen lassen schon erahnen, dass es hier humorvoll zugeht, aber nie so klaumaukig wie in Münster.
    • Hamburg / Batu (2008-2012), 6 Folgen: Undercover-Ermittler türkischer Abstammung. Hochgradig spannend!
    • Frankfurt / Azadi + Kulina (seit 2025), 2 Folgen: Cold Cases stehen im Fokus des neuen Teams aus Frankfurt. Die bisherigen 2 Folgen fanden wir sehr gut.
    • Dortmund / Faber (seit 2012), 29 Folgen: Faber ist ein kaputter, depressiver Mensch, der nicht gut im Team arbeiten kann, was er aber muss. Entsprechend ist die Stimmung im Team meist unterirdisch, alle keksen sich gegenseitig an. Wenn einen diese permanent negative Sitmmung nicht stört, ist der Dortmund-Tatort ein absolutes Highlight, auch durch seine horizontale Erzählweise.
    • Saarbrücken / Schürk + Hölzer (seit 2020), 7 Folgen: Hier ist die horizontale Erzählweise besonders stark ausgeprägt. Die beiden Hauptermittler verbindet ein dunkles Erlebnis aus ihrer Kindheit, welches vor allem in den ersten Fällen intensiv mit eingebunden wird. Für mich eine der besten aktuellen Reihen!

    Dann noch ein Tipp, der kein Tatort ist, sondern ein Polizeiruf 110, aber ebenso gut Tatort hätte sein können:

    • Rostock / König + Bukow (2010-2022), 24 Folgen: Eine der spannendsten Reihen überhaupt, lebte vor allem von Charly Hübner als Kommissar Bukow, der aus einem kriminellen Umfeld abstammte, sowie auch von einer starken horizontalen Erzählweise. (Die Reihe wird mit König + Böwe fortgeführt, 6 Folgen bisher, auch noch gut, aber nicht mehr so stark wie mit Charly Hübner. Fun Fact: Bukows Nachfolgerin Böwe (in der Reihe Bukows Schwester) wird gespielt von Lina Beckmann, im richtigen Leben die Ehefrau von Charly Hübner.)

    Es gibt noch ein paar Reihen mit Sympathieträgern wie Bienzle oder Palu, aber die stammen leider aus einer Zeit mit schlechten Drehbüchern.

    Falls man Til Schweiger nicht völlig ablehnt, kann man ihn als Tschiller durchaus auch anschauen, sofern man sich darüber im Klaren ist, dass man eigentlich keinen Tatort bekommt, sondern mehr Action-Kino.

    André Zottmann / Thygra Spiele - u. a. für Pegasus Spiele tätig
    Ich gebe hier generell immer meine eigene, ganz persönliche Meinung von mir.

    Friendly Reminder (for me and for you)

    7 Mal editiert, zuletzt von Thygra (26. Januar 2026 um 19:04)

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  • Es gibt noch ein paar Reihen mit Sympathieträgern wie Bienzle oder Palu, aber die stammen leider aus einer Zeit mit schlechten Drehbüchern. Und falls man Til Schweiger nicht völlig ablehnt, kann man ihn als Tschiller durchaus auch anschauen, sofern man sich darüber im Klaren ist, dass man eigentlich keinen Tatort bekommt, sondern mehr Action-Kino.

    Ja, das ist eigentlich eher Alarm für Cobra 11...

    Danke für die vielen guten Tipps!!

  • Geheimtipp für Eilige:

    Ab Staffel 6 hat Morden im Norden auf die Tatortdramaturgie umgestellt.

    Gleiches Prinzip: Ermittlerduo in bestimmter Stadt (Lübeck) löst Mordfall. Aber in 45 Minuten.

    Ab Staffel 7 war das neue Prinzip dann etabliert und da gibt's richtig gute Folgen.

    (Disclaimer ich habe an Staffel 8-10 mitgearbeitet)

  • Nach dem Genuss von knapp 1000 Folgen (vor allem Klassiker, die neueren fehlen noch bzw in der Liste sind leider noch Lücken), würde ich folgende Teams/Städte empfehlen:

    1. Batic/Leitmayr - einige der stärksten Folgen der gesamten Serie in unterschiedlichen Konstellationen, teilweise sehr gut gealtert und konstant guter Anspruch [über einige Folgen und Twists kann man trefflich streiten, aber in sich ein konsistentes Sehvergnügen]


    2. Zollfahnder Kressin - Wie der angesprochene Delius kein klassischer polizeilicher Ermittlertyp, aber zeitlose Unterhaltung und 70ies Feeling pur.


    3. Cenk Batu - bereits angesprochen als VE tätig, sehr stimmig und straff erzählt.


    4. Schürk & Holzer (Saarbrücken): 100%ige Zustimmung zu der Einschätzung von Thygra . Definitiv das Beste der "neueren" Teams.


    5. Faber (Dortmund): Ein Parforceritt in unterschiedliche Zusammenstellung von Teams und einem Kommen und Gehen von Nebenpersonen und wiederkehrenden Gegnern.


    Thygra hat schon eine extrem gute Auflistung gegeben, wenn man dieses popkulturelle Phänomen nach Städten/Teams sortiert. Ich stelle aber immer wieder fest, dass sich meine Top10 der Folgen schon deutlich von den Top5 der Ermittlungsteams unterscheiden. Dies liegt sicherlich an dem jeweiligen Drehbuch und auch am Regisseur, aber hier stellt sich schon die Frage nach den Kriterien (also ist mir die Story im Sinne des horizontalen Erzählens wichtig, oder aber das Kondensat eines guten Kriminalfilms/Sozialdrama/Action Movie oder habe ich künstlerischen Anspruch).

    Die Tatorte mit Kommissar Haferkamp im Essen der 70iger sind ebenfalls empfehlenswert, aber meist mehr soziale Erzählungen - ebenso sind unter den Ehrlicher-Folgen der 90iger unglaublich gute Perlen versteckt. Daher wäre die "honorable Mention" Ehrlicher/Kain - manche Folgen sind allerdings heute schon gefühlt noch etwas zäher als damals.

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  • Das Team um Faber aus Dortmund kann ich auch sehr empfehlen. Der hebt sich irgendwie wie ab von den "normalen" Tatorten, und das ohne dabei wie in Münster eine Komödie draus zu machen.

    Mein absolutes Lieblingsteam sind aber Eisner und Fellner aus Wien. Ich liebe den Wiener Dialekt und viele Fälle sind auch irgendwie besonders. Oft hat es einen politischen oder gesellschaftlich relevanten Bezug. Stellen zum Schmunzeln gibt es auch immer mal wieder. Und Harald Krassnitzer als Kommissar Eisner macht das einfach super. (Viele der älteren Fälle, wo Eisner noch allein ermittelt, finde ich aber von Drehbuch her langweiliger.) Vielleicht macht es Sinn mit Bibi Fellner einzusteigen...

  • Ich mag das Team Gorniak/Winkler/Schnabel aus Dresden sehr gerne, bzw. zu Anfang waren es ja Gorniak/Sieland/Schnabel. Dresden kommt mittlerweile auf 20 solide, manchmal sogar überdurchschnittlich gute Fälle.

    Das Highlight im Dresdner Tatort ist zweifelsfrei der Brambach alias Schnabel. Herrliche Figur als cholerischer Dilettant, an der man sich nicht satt sehen kann, wenn man grad selbst ähnliches Chefgehabe in Erinnerung hat.

    Stilp. IchLiebeSägenJuhu.

    habe die Ehre *hutzieh*

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  • Das Dresdner Team mag ich auch, aber irgendwo musste ich bei meinen Empfehlungen oben einen Cut setzen. ;)

    ebenso sind unter den Ehrlicher-Folgen der 90iger unglaublich gute Perlen versteckt. Daher wäre die "honorable Mention" Ehrlicher/Kain - manche Folgen sind allerdings heute schon gefühlt noch etwas zäher als damals.

    Bei Ehrlicher + Kain sind leider gefühlte 80% der Folgen absolut unterirdisch, deshalb kann ich nur davon abraten, sich die alle anzutun. Der Aufwand und die Leidenszeit sind zu groß, nur um die Perlen darunter zu finden.

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  • So perfekt müssen die Drehbücher ja nicht sein. Auch bei Schimanski & Thanner waren die Plots oft SEHR löchrig - so, als hätte man da jetzt 20 Minuten Story rausgeschnitten und vergessen, zu erklären, was da in der Zwischenzeit passiert. Auch die Interaktion zwischen Thanner & Schimanski ist seltsam: Manchmal habe ich mich gefragt, warum die beiden eigentlich befreundet sein sollen. Irgendwie wird sich immer nur angeschimpft, runter gemacht und hintergangen. Da fehlen Dinge wie das Eislaufen aus "Kinderlieb" auf jeden Fall, wo man sieht, dass die beiden offenbar extracurriculär auch viel gemacht haben. Das wurde ganz früh aufgegriffen, als Thanner bei Schimanski einzog (wegen "Sülwia"). Auch waren die Tatorte untereinander nicht kohärent: Schimanski bewohnte in jeder Folge ne andere Wohnung, das adoptierte Mädchen tauchte ich glaube überhaupt nur noch einmal auf, von großen Lieben wurde nie wieder gesprochen und irgendwie war der Täter in 80% der Fälle ein enger Freund von Schimanski.

    Dennoch haben die Tatorte ihren Flair: Das alte Ruhrgebiet, die schnodderige Ehrlichkeit, der Zeitgeist (Werksschhließungen, Mauerfall...). Und ich hab mich wieder an die alten Hustenbonbons erinnert, für die Götz früher Werbung gemacht hat: Paroli. Witzig. Komplett vergessen, dass da ja Alkohol drin war.

  • Auch bei Schimanski & Thanner waren die Plots oft SEHR löchrig - so, als hätte man da jetzt 20 Minuten Story rausgeschnitten und vergessen, zu erklären, was da in der Zwischenzeit passiert.

    Das ist noch nett untertrieben. ;)

    Schimanski bewohnte in jeder Folge ne andere Wohnung

    Fun Fact: Bei den Münster-Tatorten mit Thiel und Boerne ist genau dies ein Running Gag. Boerne ist immer Thiels Vermieter und beide wohnen meist (oder sogar immer?) im Erdgeschoss gegenüber, aber in jeder Folge ist dies ein anderes Haus!

    Dennoch haben die Tatorte ihren Flair: Das alte Ruhrgebiet, die schnodderige Ehrlichkeit, der Zeitgeist (Werksschhließungen, Mauerfall...).

    Definitiv, das gilt aber für die meisten Tatort-Reihen. Aus heutiger Sicht zu sehen, wie selbstverständlich in den 70ern noch in jeder Szene geraucht wurde, finde ich immer wieder sehenswert.

    Und man findet immer wieder Folgen, die besondere regionale Erlebnisse aufgreifen, wie zum Beispiel bei Ballauf + Schenk die Zwangsumsiedlungen rund um den Tagebau Garzweiler II oder bei Batic + Leitmayr unmittelbar auf dem Oktoberfest. Oder ein Frankfurt-Tatort mit Dellwo + Sänger, der während des Frankfurt-Marathons gedreht wurde, auf dem Dellwo zeitweilig als Teilnehmer mitlief.

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  • Übrigens, noch ein Fun Fact: Die meisten Folgen als Tatort-Ermittler haben nicht etwa Batic + Leitmayr, wie man vielleicht glauben würde, weil sie in diesem Jahr als erstes Team die 100 bzw. 101 (*) erreichen werden. Nein, es ist Max Ballauf, der schon auf 102 Folgen kommt. Denn vor seinen bisher 94 Folgen zusammen mit Schenk war Ballauf bereits 1992-1994 in den ersten 8 Folgen des Düsseldorf-Tatorts zusammen mit Flemming + Koch dabei, der damals die Nachfolge von Schimanski + Thanner antrat. (Zusätzlich waren Ballauf + Schenk auch einmal kurz in einem Münster-Tatort zu Gast.)

    Damit dürfte Klaus Behrendt als Max Ballauf für eine sehr lange Zeit Rekordermittler des Tatorts sein und bleiben. Ulrike Folkerts müsste vermutlich noch im Alter von 80 Jahren als Lena Odenthal drehen, um Ballauf noch mal einzuholen. Und dass ein neues Team noch mal auf 100 Folgen kommt, halte ich für nicht sehr wahrscheinlich.

    Okay, mit gutem Willen könnte man die bisher 33 (bald 35) Folgen von Kalli Hammermann im München-Tatort als 3. Mann neben Batic + Leitmayr mitzählen. Er müsste dann als Nachfolger "nur noch" in 65 neue Folgen ermitteln. Da der Schauspieler Ferdinand Hofer erst 32 Jahre alt ist, wäre das bei weiterhin 3 BR-Tatorten pro Jahr durchaus möglich.

    (* Der BR zählt offiziell anders. Hintergrund: Die Doppelfolge "In der Familie" zusammen mit dem Dortmunder Team und Faber spielt im 1. Teil in Dortmund, im 2. Teil in München. Dementsprechend wurde der 1. Teil vom WDR produziert, der 2. Teil vom BR. Der BR zählt den 1. Teil deshalb nicht als offiziellen Batic + Leitmayr Tatort, obwohl beide dort durchaus auch Hauptrollen spielen. Deshalb werden Batic + Leitmayr nach BR-Rechnung nach 100 Folgen abtreten, während es eigentlich 101 Folgen sein werden.)

    André Zottmann / Thygra Spiele - u. a. für Pegasus Spiele tätig
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  • Kleines Update:

    Wir haben mit Trimmel weitergemacht - einfach so als Urgestein. Die ersten waren auch echt richtig gute Filme - also nicht nur Tatorte, sondern gute Kriminalfilme - eher wie Agatha Christie vielleicht. Ein Tatort bleibt uns nun noch und vom Gefühl her reicht es auch langsam. Trimmel schreit nur noch rum und ist eigentlich an der Lösung der Fälle gar nicht beteiligt - dafür gibt es ein ausreichend großes Team. Gerade Petersen SEHR stark.

    Daher wird als nächstes einmal Stade eingeschoben (leider gab es nur einen) , weil Ulrich von Bock (Petersen) da mal alleine ran durfte.

    Danach gehts vermutlich mit Hamburg weiter. Stoever & Brockmöller. Vielleicht wird dann auch endlich mal IN Hamburg ermittelt statt in den Niederlande, Kassel, im Rheinland und sonstwo wie bei Paul Trimmel.

    Einmal editiert, zuletzt von Brettspiel Dude (25. Februar 2026 um 07:11) aus folgendem Grund: edit: Sehr unterhaltsam fand ich die Besetzungen bei Trimmel: In jeder Folge rennt eigentlich irgendwo ein Loriot-Charakter rum (Edgar Hoppe, Ulrich von Bock und zuletzt auch Nikolaus Schilling, der Bürstenvertreter aus Ödipussi). Und DANN kam der Knaller: Ich so "HÄ??? Das ist doch der Typ aus den Fraggles??? Und tatsächlich: Hans Helmut Dickow spielt bei "Hände Hoch, Herr Trimmel" ne führende Rolle.

  • So, wir haben Stade hinter uns gebracht - besteht ja nur aus einer Folge. Leider, wie ich sagen muss, denn die Folge hatte durchaus Potential, wenngleich echt viel falsch lief:

    • Casting (das ist meines Erachtens eines der häufigsten Probleme beim Tatort): Der Verdächtige Groth war nur laut - aber nie wirklich emotional, obwohl es in der Folge echt Gelegenheiten genug gab, verzweifelt oder verängstigt zu sein. Vielleicht war die Rolle auch so angelegt: "Mach mal wie westfälischer Bauer"? Und der Gehilfe von Kommissar Ronke war leider nicht als Gegenpol zu Ronke angelegt, sondern wirkte eher wie eine Karikatur von ihm - während Ronke den von Petersen (Trimmel) bekannten ruhigen, höflichen mit nordischenm Lokalkolorit versehenen Typen spielte, der schrullig (Blumen!!) und latent überheblich war, wirkte Wieler fast abfällig gegenüber den Verdächtigen. Hier zeigte sich noch einmal, dass es bei Tatort besonders gut funktioniert, wenn Kommissar und Team gegensätzlich sind.
    • Exposition: Kommissar Ronke tauchte erst bei Minute 35 auf. Das ist echt zu lange für eine Einleitung.


    Ansonsten war die Story durchaus nicht schlecht und ich habe das Gefühl, dass Ulrich von Bock (der dieses Jahr im Januar verstorben ist) in die Rolle hätte rein finden können. Selbst das ungewöhnliche Blumenhobby hätte er sicher gut verkaufen können.