ravn Etwas verwundert bin ich jetzt darüber, dass dir die Testpartie „wirklich Spaß gemacht“ hat, und bei dir aber dieser Spielspaß überhaupt erst entsteht, wenn du „von der Story und dem Spielmaterial und den Mechanismen abgeholt“ wirst, „diese sich gegenseitig unterstützen“ und dir ermöglichen, dich „auf das Gesamterlebnis Spiel zu fokussieren“. Das schreibst du hier am Ende deines Feedbacks (und als Antwort auf meinen Kommentar auf deiner Seite), für das ich dir trotz dieses so von mir empfundenen Widerspruchs ebenfalls sehr dankbar bin.
Bei meiner Aussage von "wirklich Spaß gemacht", beziehe ich mich auf den auf der Messe gespielten Prototyp. Am Ende meines erweiterten Feedbacks habe ich versucht zu vermitteln, was generell Herzensprojekte in meiner Wahrnehmung von wirklich überzeugenden Spielen für mich unterscheidet. Mehr allgemein betrachtet auf ein fertiges Produkt und weniger auf Deinen Prototyp bezogen. Ich habe diesen Absatz umgeschrieben, um den Widerspruch zu vermeiden.
Schlicht die Falle, in die zum Beispiel Feudum getappt ist, weil der Autor sicher eine Vision in seinem Kopf hatte, die er für mich aber nicht verständlich als Brettspiel umsetzen konnte. Zu viel, was ich mir erarbeiten muss, wobei das Spiel gegen mich arbeitet, von mir erschlossen zu werden. Da fehlte mir die klare Linie. Klar kann man sich das alles draufschaffen, aber wenn es mir der Autor einfacher machen kann, dann bin ich da dankbar, weil dann kann ich mich auf das Gesamterlebnis fokussieren und mich nicht in der Partie fragen, wie das alles jetzt zusammenhängt.
Deine Erklärung "Das Lager sowie das Montagedeck sind vergrößerte Bereiche des Raumfrachters. Sie sind sozusagen Szenenbilder und Kulissen für die spielerische Handlung." habe ich so in der Form (in meiner Prototyp-Partie) nicht verstanden mit Blick auf das Spielmaterial. Mir fehlte die optisch direkt sichtbare Verbindung. Auch bei der Erklärung "Hier ist nun die Vorstellungskraft und Fantasie gefragt, den Roboter in den leeren Raum zu bauen und die Pappteile als Verbindungselemente zu begreifen und einzusetzen." würde ich gerne als Spieler unterstützt werden. Weil aktuell baue ich den Roboter optisch in einem grauen Raum, wobei diese "Matrix-Teile" nur den Raum selbst darstellen, obwohl der Raum ja schon da ist und nicht erst durch den Roboter oder die "Matrix-Teile" gebaut werden. Kann man so manchen, nur dann erwarte ich mehr als an meine Fantasie zu appellieren.
Weil genau da sind wir an der Grenzlinie, was ich versucht habe, mit Herzensprojekte und wirklich überzeugenden Spielen zu beschreiben und voneinander abzugrenzen. Denn die für mich überzeugende Spiele (ausgenommen Prototypen, weil die sehe ich noch in der Entwicklung, deshalb auch die Zeit, die ich hier für mein Feedback aufbringe) benötigen niemanden, der mir das Sichtbare erst erklären muss, was ich da sehen soll. Weil im Idealfall sehe ich das direkt selbst.
Mir persönlich hat der Prototyp "wirklich Spaß gemacht". Als Autor entscheidest Du alleine, wie Du was wie umsetzen möchtest und Du kennst auch die Grenzen des Möglichen. Ich verstehe meine genannten Punkte als potenzielle Hilfe, wo ich persönlich die Hürden in dem Prototyp gesehen habe. Ob und was Du daraus machst, ist ebenso Deine Entscheidung. Wenn es die Mehrheit der Prototyp-Spieler anders gesehen hat, dann ist doch alles prima. Da ist für mich auch keinerlei Erklärung nötig, die eventuell als Rechtfertigung verstanden werden kann, weil für mich braucht es keine Rechtfertigung. Du bist der Autor und wenn Du das gut findest, dann ist es für Dich gut. Alles gut, wirklich. ![]()