Tour de France

  • Aber so ein bisschen ein ungutes Gefühl habe ich schon wenn Pogi dem Marco Pantani am letzten Berg über 3 Minuten abnimmt, auch wenn natürlich sowohl Trainingswissenschaft und Material riesige Sprünge gemacht haben.

    Der Straßenbelag wurde erneuert, heute war Rückenwind und die ersten 3 blieben unter Pantanis Zeit.

    Gruß aus dem Münsterland
    Herbert

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    I'm old enough to know what's wise
    and young enough not to choose it

  • Großartige Tour, tolle Fahrer, super Streckenplanung.

    Aber so ein bisschen ein ungutes Gefühl habe ich schon wenn Pogi dem Marco Pantani am letzten Berg über 3 Minuten abnimmt, auch wenn natürlich sowohl Trainingswissenschaft und Material riesige Sprünge gemacht haben.

    Da stimme ich mit Dir voll überein. Dieses Maschinenfahren was Pogi an den Tag legt, lässt ein mehr als ein ungutes Gefühl zurück. Er hat wohl gestern und heute an den letzten Anstiegen die Zeiten mehr als pulverisiert und die Bestzeit um Minuten, anstatt Sekunden verschoben. Das hier hatte ich mal aufgeschnappt:

    Gehört Kohlenmonoxid auf die Dopingliste?
    Kohlenmonoxid steht nicht im Ruf, besonders leistungssteigernd zu wirken. Schließlich können Vergiftungen tödlich enden. Dass das Gas plötzlich dopingtauglich…
    www.aerztezeitung.de


    Und das hier ist auch ganz interessant zu lesen:

    Dopingfälle bei Profis, Amateuren und Hobby-Athleten – eine Bilanz
    Dopingfälle bei Profis, Amateure, Hobby-Athleten: Rennen, Radmarathons, Tests und Sanktionen – eine Bilanz der Vorsaison.
    www.radsport-rennrad.de


    Am Berg bringt das neue Material nun wirklich kaum Mehrwert. Zumal die Ständer meistens über dem erlaubten Gewicht liege . Da bringt am meisten Blutsauerstoff und Watt pro Kilogramm.


    Was mir auch Sorgen macht, sind die Durchschnittlichen Geschwindigkeiten pro Etappe. Heute waren sie bei 38 km/h bei 198 km und 4900 hm. Gestern auch 38 bei 151 km und 4000 hm. Vorgestern bei gemütlichen 165 km und wenig Hm mal entspannte 47km/h….

  • Ich glaube nicht daran, dass es durch bessere Trainingsmethoden möglich ist Zeiten zu schlagen, die unter massivsten Epo-Doping mit Hämatokrit-Leveln nahe an der Letalität errungen wurden. Aber ich schaue es dennoch gerne.

  • leider schwirrt das Dopingschwert immer über der Tour.

    Ich hoffe, dass keiner der Top Fahrer der letzten Jahre nochmal was stecken hat. Aber so wie ich das verstehe werden die ja unfassbar oft, auch unangemeldet, kontrolliert.

    Ich vergleiche es oft mit den Schwimmweltrekorden, die, mit den im Anschluss verbotenen, Haihaut-Ganzkörperanzügen erzielt wurden. Die galten ja dann auch als unmöglich zu knacken und sind teilweise gefallen.

    Pogacar jedenfalls hat seine Kurbel verkürzt und paar Dinge verändert, die scheinbar gut funktionieren.

  • Großartige Tour, tolle Fahrer, super Streckenplanung.

    Aber so ein bisschen ein ungutes Gefühl habe ich schon wenn Pogi dem Marco Pantani am letzten Berg über 3 Minuten abnimmt, auch wenn natürlich sowohl Trainingswissenschaft und Material riesige Sprünge gemacht haben.

    Die ersten drei waren alle schneller als Pantani.😉

  • Es ist ja wie damals zu den Zeiten von Jan Ulrich und Lance Armstrong auch: Zwei Personen dominieren herausragend, ohne, dass denen einer wirklich das Wasser reichen könnte.

    Und wenn ich sehe, dass da jemand nach einer solchen anstrengenden Etappe noch soviel Körner hat um dann mit über einer Minute Vorsprung zu gewinnen, kommen mir auch Zweifel.


    Aber noch hoffe ich, dass die Verantwortlichen in Bezug auf Unregelmäßigkeiten alles im Blick haben und plädiere im Zweifel für den Sportler in der Hoffnung, dass alles sauber und ordentlich abläuft.

    Trotzdem bin ich immer wieder überrascht und das bei allen, was die für Strapazen auf sich nehmen und bin beeindruckt, wie die das alles schaffen...Hut ab!

  • Dominanz alleine ist kein Indiz. Es ist schon davon auszugehen, dass Pogacar und Vingegaard auch einfach besser sind als die anderen. Diverse ehemalige Konkurrenten von Armstrong und Ullrich wurden ja ebenso des Dopings überführt und konnten dennoch nicht mit denen mithalten.

  • Es ist schon davon auszugehen, dass Pogacar und Vingegaard auch einfach besser sind als die anderen

    beide haben sehr viel Talent. Sind top austrainiert UND haben eine Mannschaft, die für Sie fährt. Wer mal hundert Km im Windschatten und hundert Km gegen den Wind angekämpft hat stellt fest dass das einen sehr großen Unterschied macht. Würde ja gerne das Finale sehen, bin aber selbst mit dem Rad unterwegs... (und versuche die 6000Hm hinzukriegen)

  • Es ist schon davon auszugehen, dass Pogacar und Vingegaard auch einfach besser sind als die anderen

    beide haben sehr viel Talent. Sind top austrainiert UND haben eine Mannschaft, die für Sie fährt. Wer mal hundert Km im Windschatten und hundert Km gegen den Wind angekämpft hat stellt fest dass das einen sehr großen Unterschied macht. Würde ja gerne das Finale sehen, bin aber selbst mit dem Rad unterwegs... (und versuche die 6000Hm hinzukriegen)

    Windschatten ist geil, gar keine Frage. Windschatten am Berg ist aber weniger relevant und vor allem gab es den Windschatten schon immer. Das was Pogacar dieses Jahr aber am Berg geleistet hat, mit solcher Explosivität, finde ich zumindest befremdlich.

  • Prinzipiell sind gefahrene Bergrekorde in Etappen schwierig zu vergleichen. Wie hart wurde die Etappe bisher gefahren, wie viele Höhenmeter wurden bereits bewältigt, von welcher Richtung bläst der Wind, wird am Berg selber taktiert oder wird von Anfang an Vollgas gefahren, hat man Unterstützung durch die Teamkameraden usw.? Die früheren Touretappen waren in der Regel ja länger. Gerade die Etappe am Sonntag war für die Rekordzeit am letzten Berg wohl prädestiniert. Anfangs knallt Visma komplett rein, später versucht Vingegaard mit einer Monsterperformance Pogacar in Grund und Boden zu fahren, der sich die ersten 10 Kilometer im Windschatten zumindest etwas ausruhen kann und dann selber noch vorbeizieht.


    Allerdings wurde auf der Homepage von Lantern Rouge ein längerer Artikel veröffentlicht, der die Leistung von Pogacar als beste Bergleistung aller Zeiten würdigt. Die genannten Zahlen sind Hochrechnungen und daher nicht zu 100 % komplett richtig, wobei zumindest Vingegaard seine Werte bestätigt hat und meinte, das war eine seiner besten Leistungen überhaupt.

    Greatest Climbing Performances Of All-Time on Plateau de Beille | Tour de France 2024 Stage 15 - Lanterne Rouge
    Tadej Pogačar and Jonas Vingegaard both did the best and second-best climbing performance of all time on the Plateau de Beille climb, making this the greatest…
    lanternerouge.com


    Generell glaube ich, dass
    a) Pogacar und Vingegaard (und auch Evenepoel) zwei absolute Ausnahmeerscheinungen sind und diese Leistungen sich bei diesen Fahrern sehr früh angekündigt hat. Unerklärliche Leistungsexplosionen wie bei Armstrong oder auch Froome sind hier nicht gegeben.
    b) Der Radsport sich deutlich weiterentwickelt hat. Simon Geschke hat neulich ein Interview im Kicker(?) gegeben, was sich alles in seiner aktiven Karriere verändert hat. Er meinte die Räder seien deutlich windschnittiger gebaut und mit einem modernen Fahrrad fährt man bei gleicher Wattzahl 2 km/h schneller im Vergleich zu den Rädern aus seiner Anfangszeit. Auch die sportwissenschaftliche Herangehensweise sei eine ganz andere. Ernährung, Trainingsumfang und –intensität, Ruhepausen usw. seien vor allem durch das Team Jumbo Visma komplett umgekrempelt worden. Ähnliches meinte auch Geraint Thomas über seine Zeit bei Sky / Ineos, in der Richtung, dass die Professionalisierung extrem zugenommen hat. Die Fahrer sind auch deutlich windschnittiger unterwegs, da an der richtigen Radposition wie besessen gefeilt wird. Innerhalb eines Rennens sind die Verpflegungsphasen überarbeitet worden, weswegen die Radfahrer jetzt deutlich mehr essen als zu den 1990er oder 2000er Zeiten. Einen Ullrich, welcher jeden Winter mindestens 5 kg zu viel auf den Rippen hatte gibt es nicht einmal ansatzweise in der Form mehr im aktuellen Radsport.


    Nichtsdestotrotz bin ich der festen Überzeugung, dass in jedem (!) Leistungssport gedopt wird.